Valley Voice Das soziale Netzwerk für den Blockwart

Nextdoor, das soziale Netzwerk zwischen Dienstleistung und Denunziantentum, bekommt neues Geld. Das heizt die Diskussion über die Zukunft von Online-Gemeinden und Verantwortung der Tech-Konzerne erneut an.
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Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

San FranciscoEs begann mit einem kleinen Web-Eintrag und endete mit einer Schlägerei in einer Bücherei. Ein Hundebesitzer hatte ein Foto seines verängstigten Tieres gepostet, weil offenbar ein Football-Fan in der Nachbarschaft einen Böller gezündet hatte. Sein Team, die Seattle Seahawks, hatte einen Treffer gelandet. Das fand der Hundebesitzer gar nicht gut, und schnell bildete sich eine Unterstützergruppe.

Sie wollten das Sport-Team boykottieren oder die Verursacher suchen und öffentlich an den Pranger stellen. Jemand versuchte einzuwenden, es knalle vielleicht zwei Mal an einem Sonntag pro Monat und man solle mal die Kirche im Dorf lassen, weil das Böllern Tradition sei. Doch da war alles zu spät. Die zwei Parteien gingen, wie die Webseite SeattlePi berichtet, immer wüster aufeinander los.

Der Hundebesitzer organisierte letztlich einen Raum in der lokalen Bücherei, damit sich die erhitzten Gemüter beruhigen und aussprechen könnten. Doch das Ganze endete in einer Schlägerei. Die Folge: ein beschädigtes Auto, Verhaftungen und Bußgelder.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Willkommen beim freundlichen Nachbarschaftsnetzwerk Nextdoor aus San Francisco. Wem der Tratsch am Gartenzaun zu langweilig und der Hausflur zu provinziell ist, der ist hier willkommen, seine Meinung über Mitmenschen, Nachbarn und Fremden kundzutun. Nextdoor ist ein privates soziales Netzwerk, bei dem sich alle Mitglieder mit ihrer Wohnadresse verifizieren müssen und dann in ein spezielles Nachbarschaftsnetz eintreten, das sich einige Straßenzüge rund um den Wohnort erstreckt.

Hier wird alles geteilt, was im Viertel so passiert. Das geht von Einladungen zu Straßenfesten über Geschäftseröffnungen und überflüssigem Hausstand, der verkauft oder verschenkt werden soll, bis zu Mitteilungen über Straßenraub, aufgebrochene Autos oder verdächtige Gestalten. Genaue Mitgliederzahlen nennt CEO und Gründer Nirav Tolia nicht, aber derzeit sei das Netz in über 160.000 Stadtvierteln in den USA und auch Deutschland verfügbar.

Zum illustren Kreis der Investoren gehören Benchmark, Greylock Partners, Kleiner Perkins Caufield & Byers und Insight Venture Partners, alles erste Adressen im Silicon Valley. Eine aktuelle Finanzierungsrunde über 75 Millionen Dollar, berichtet Theinformation.com, bringe die Gesamtfinanzierung jetzt auf 285 Millionen Dollar und die Bewertung auf 1,5 Milliarden Dollar. Das Unternehmen kommentiert den Bericht bislang nicht.

Der Geldsegen kommt zu einer schwierigen Zeit. Netzwerke wie Facebook oder Twitter stehen wegen Fake News, rassistischer oder sexistischer Einträge und Hasskommentaren unter schwerem Beschuss von Öffentlichkeit und Politik. Jetzt wendet sich sogar das Valley selbst immer stärker gegen die unkontrollierbaren Meinungsmaschinen: Chamath Palihapitiya, langjähriger Top-Manager bei Facebook und für Nutzerwachstum zuständig, sagte seinen Zuhörern an der Stanford Graduate School of Business, er fühle „enorme Schuld“, weil er Facebook mit aufgebaut habe. „Ich glaube, wir haben Werkzeuge geschaffen, die das Gewebe des sozialen Zusammenlebens zerreißen“, zitiert ihn CNBC. Er empfahl den Studenten einen „harten Schnitt“ in der Nutzung des sozialen Webs zu machen.

Die „Dopamin-getriebenen kurzfristigen Feedback-Schleifen, die wir geschaffen haben, zerstören die Art, wie Gesellschaft funktioniert“, bedauert er. Zivile Diskussionen und Zusammenarbeit würden ersetzt durch Missinformation und Misstrauen. Er verdeutlichte die realen Gefahren dieser Entwicklung mit einem Vorfall aus Indien. Dort wurden jüngst sieben unschuldige Menschen wegen Fake News beim Chatdienst WhatsApp von aufgebrachten Dorfbewohnern gelyncht.

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