Valley Voice
Ein Containerdorf für angehende Millionäre

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Der Container wird zum Modul

Unternehmen wie 99Designs haben schon die Konsequenzen gezogen und sind aus dem teuren Financial District in San Francico nach Oakland weitergezogen, in die sogenannte „East Bay“. „Die größte Überraschung“, so Vorstandschef Patrick Llewellyn gegenüber dem Handelsblatt, „war die Reaktion der Belegschaft“. Er hatte mit Verärgerung gerechnet, aber es gab großen Jubel. Fast alle Mitarbeiter hatten schon längst San Francisco Richtung East Bay verlassen und waren froh, dass die Firma jetzt folgte.

Der Milliardenkonzern GE baute gar direkt im verschlafenen San Ramon, weit weg vom Silicon Valley in der East Bay seine neue Forschungszentrale, die in weniger als fünf Jahren von null auf über 1200 Software-Ingenieure angewachsen ist. Amy Sarosiek von GE Research sieht hier sogar einen echten Vorteil, wenn es um Top-Talente geht. „Wer zu uns kommt, hat schon eine andere Lebensplanung. Er will ein Haus und eine Familie und nicht jeden Morgen im Stau stehen.“ Es kämen laufend Bewerbungen aus allen namhaften Unternehmen.

Hilfe verspricht Google sich dagegen wie immer durch Technologie. Das Start-up Factory OS ist spezialisiert auf „Modulwohnungen“ und soll das Problem lösen. Im Werk vorgefertigte und vor Ort zusammengestapelte Module hört sich besser an als „Containerdorf“ oder gar „Trailerpark“. Das sind die Wohnwagen-Parks, auf die alle herunterschauen. Denn da wohnen die, die es gerade noch mal knapp an der Obdachlosigkeit vorbeigeschafft haben. Aber wenn es ein Modul ist und ein Tesla vor der Tür parkt, ist das „hip“. Eine Investition von 25 bis 30 Millionen Dollar schafft nach Informationen des „Wall Street Journal“ Wohnraum für zunächst 300 Google-Mitarbeiter. Die Erstellungskosten sollen pro Einheit bis zu 20 Prozent unter traditionellem Bau liegen, verspricht die Webseite von Factory OS.

Google selbst will das nicht kommentieren. Aber, so das Journal, die Wohnungen werden auf dem Moffett-Field, einem ehemaligen Nasa-Gelände, entstehen, praktisch in Sichtweite des geplanten neuen Google-Hauptquartiers, das Apples Raumschiff wie eine jämmerliche fliegende Untertasse aussehen lassen soll. Noch ein Grund weniger für die Bewohner der Modulgebäude, sich nur als Trailer-Park-Bewohner mit fettem Gehaltsscheck zu fühlen.

Denn der Gehaltsscheck ist der einzige Unterschied. Die Universitätsstadt Berkeley hat im Februar auch Pläne für „Pods“, vorgefertigte Wohnkapseln, angekündigt. In ihnen sollen „echte“ Obdachlose unterkommen, die sonst auf der Straße leben müssen. San Francisco überlegt, 200 oder mehr der 15 Quadratmeter großen Fertigbau-Zellen aufzustellen, ist aber noch unschlüssig. Denn der Entwickler will trotzdem noch 1000 Dollar Miete pro Monat von der Stadt, pro Einheit und Monat.

Wie groß die einzelne Modulwohnung von Google werden, ist nicht klar. Aber sie dürften zumindest zum Teil über den Mindestgrößen liegen, die Mountain View erlaubt. Dass über solche Optionen überhaupt geredet wird, liegt an einem Vorstoß der privaten Wohnungsbau-Wirtschaft. Sie konnte San Francisco 2012 überzeugen, die gesetzliche Mindestgröße für Miet- und Eigentumswohnungen deutlich auf 20 Quadratmeter zu reduzieren und trat damit eine Lawine los. Das Ergebnis: Renovierte Altbauwohnungen mit 22 Quadratmetern Grundfläche, von denen die erste 2016 für sagenhafte 425.000 Dollar verkauft wurde. Man muss eingestehen: Das ist immerhin fast dreimal so groß wie eine durchschnittliche Gefängniszelle in den USA.

Eigentlich könnte man da schon fast überlegen, die Gefängnisinsel Alcatraz in der San Francisco Bay als Luxusimmobile wieder auferstehen zu lassen.

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Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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