Valley Voice Der Flop mit der Superpille

„Biohacking“ ist einer der Trends im Silicon Valley. Doch eine Superpille, mit zig Millionen Dollar finanziert, ist laut einer Studie weniger wirksam als eine Tasse Kaffee. Es droht der nächste große Start-up-Flop.
Kommentieren
Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

San FranciscoEs sind die neuen Super-Pillen. Die „Sprint“-Tabletten schärfen Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, und Schnelligkeit des Gehirns. Sie upgraden im Grunde schon das menschliche Denkzentrum, um es auf das Vordringen der künstlichen Intelligenz vorzubereiten und den Kampf bestehen zu können.

„Wir wollen bessere Menschen machen“, heißt es in einem Werbevideo von HVMN (sprich „Human“) martialisch, während sich Mitgründer Geoffrey Woo eine Handvoll Pillen einwirft und dabei mit höchster Konzentration auf einen Bildschirm schaut. Willkommen in der Welt des „Biohacking“, wo man Menschen eigentlich als fleischgewordene Computer betrachtet, die man mit den geeigneten Zusätzen „upgraden“ muss.

Die Liste der Unterstützer des Start-ups liest sich nicht schlecht. Angeführt wird sie von Ex-Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Andressen Horowitz, einem der erfolgreichsten Risikokapitalanleger im Silicon Valley. Alle zusammen haben um die 60 Millionen US-Dollar investiert.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
1 von 17

Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
2 von 17

Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
3 von 17

Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
4 von 17

Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
5 von 17

Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
6 von 17

Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
7 von 17

Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Nun sorgt eine Studie der Universität Maastricht, die im Januar veröffentlicht werden soll, für Wirbel. Der Sender CNBC konnte sie vorab einsehen und zitiert daraus. Da heißt es unverblümt, Sprint, mit einem Preis von rund 40 Dollar für 60 Kapseln, sei kaum oder weniger wirksam als eine gute Tasse Kaffee (also Koffein). Die Umsetzung der Formel der Pille mit dem hauseigenen Wirkstoff Notrobox sei „nicht sehr effektiv“, erklärte einer der Forschungsleiter gegenüber CNBC.

Das ist im Grunde, was Verbraucherschützer seit langem vielen der sogenannten „Gehirn-Boostern“ ankreiden, die landauf, landab unermüdlich in den Werbepausen der Fernsehsender angepriesen werden. Nach Wunder-Schlankmachern und Töpfchen mit Schönheitscremes sind Gehirn-Pillen das größte Wachstumssegment der Branche. Sozusagen das Anti-Gehirnfettmittel für Intellektuelle, die im Valley an der Veränderung der Welt arbeiten. „Nootropics“ werden nicht von der Pharma-Behörde FDA überwacht. Es kann also von jedermann in der Garage hergestellt werden.

HVMN stellt sich vordergründig den Ergebnissen relativ offen und erklärt in einem Blogpost, die Tests seien mit einer „nicht kommerziellen Version von Sprint“ durchgeführt worden. Das Streben nach Erkenntnissen sei Grundbestandteil der Unternehmensphilosophie. Man sei von den Ergebnissen „erfreut“, es habe „weniger gute und gute“ gegeben.

CNBC verkneift es sich allerdings nicht, darauf hinzuweisen, dass kurz nach interner Vorlage der Ergebnisse das Unternehmen von Notrobox in HVMN umbenannt wurde. Zufall? Angeblich wird in der von HVMN gesponserten Studie auch nicht mehr „Sprint“ als Testprodukt genannt, sondern ein „CAF+“-Wirkstoff.

Im Valley malt man sich jetzt beim Bier am Abend aus, wie sich jetzt das Schicksal von Juicero wiederholen könnte, einem Start-up, das eine Saftpresse für 400 Dollar und dazu teure Safttüten im Abonnement verkaufte. Tester fanden dann heraus, dass man die Tüten auch ganz einfach mit der Hand auspressen konnte und sogar noch mehr Saft bekam als mit der Maschine. Juicero hat mittlerweile einfach dicht gemacht.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet

Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Startseite

Mehr zu: Valley Voice - Der Flop mit der Superpille

0 Kommentare zu "Valley Voice: Der Flop mit der Superpille"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%