Valley Voice
Die Denkfehler des Peter Thiel

Milliardär und Paypal-Gründer Peter Thiel verteidigt sein Engagement für den umstrittenen Republikaner Donald Trump. Doch er verwickelt sich in Widersprüche – der Rest der Welt kann ihm inzwischen nicht mehr ganz folgen.

Wenn Peter Thiel durch die Fenster seines Büros im vierten Stock gen Horizont blickt, rechts leuchtet die Golden Gate Bridge, links zieht ein Lastkahn die Bay entlang, dann denkt er vielleicht über die großen Fragen nach. Etwa darüber, „Wie wir den Plan der Welt neu schreiben“, so formulierte er das in seinem Buch „Zero to One“.

Unter diesem Anspruch geht es kaum für den Bewohner von 1 Letterman Drive, einem roten Backsteingebäude auf dem ehemaligen Militärstützpunkt der Spanier von 1772. So abgeschottet wie der 49-Jährige da sitzt vom Rest der Welt, so gern sieht er sich als Visionär, der Dinge sagt, die sich andere nicht trauen, im Blick das große Ganze.

Doch der Rest der Welt kann inzwischen nicht mehr ganz folgen. Das politische Engagement für Republikaner Donald Trump hat Thiel, den sie im Valley immer schon ein wenig „strange“ fanden, noch mehr zum Außenseiter gemacht.

Der Mann tritt nun die Flucht nach vorn an. Ihm selbst und seiner Arbeit als Unternehmer habe die Unterstützung des Republikaners „nicht in einer bedeutenden Weise“ geschadet, behauptet Thiel bei einem öffentlichen Termin in Washington. „Ich habe viel Zurückweisung von Leuten erlebt, gelinde gesagt.“ Wichtige Freundschaften und Geschäftsbeziehungen seien davon aber unberührt.

Der Auftritt soll Stärke demonstrieren und, dass sich Thiel von Kritik nicht einschüchtern lässt, die ihm in Silicon Valley und anderswo entgegenschlägt. Vielleicht hat er das auch unterschätzt, nach seinem erfolgreichen Rachefeldzug gegen das Klatschportal Gawker. Vielleicht treibt ihn inzwischen auch ein Trumpscher Größenwahn. Wie der 70-jährige Provokateur hat auch Thiel schon allerlei Unsinn von sich gegeben, als er sich gegen ein Wahlrecht für Frauen aussprach etwa, oder Vergewaltigungen verharmloste.

Thiels aktuelle Äußerungen sind ihrer Rhetorik besonders lückenhaft. „Ich stimme nicht allem zu, was Donald Trump gesagt oder getan hat“, sagt Thiel. Aber eine extreme Situation erfordere eben extreme Maßnahmen. Ein Totschlagargument. Das politische System der USA sei „kaputt“, die Eliten am Ende, nur ein Nicht-Politiker könne es nun richten. „Ich hatte immer schon ein Faible für Außenseiter.“

Thiel gefällt sich selbst in dieser Rolle. Auch er provoziert gern, spielt seine Andersartigkeit als Distinktionsmerkmal aus. „Wo alle einer Meinung sind, lohnt das Engagement nicht“, lautet sein Motto. Die Westküste wählt demokratisch, Thiel unterstützt die Tea Party-Bewegung. Sie schwärmt von der Elite-Universität Stanford, Thiel gibt jungen Menschen Geld, wenn sie das Studium abbrechen und ein Startup gründen.

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Eine eklatante Verharmlosung

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