Valley Voice
Die späte Rache der Geisteswissenschaftler

Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz haben viele „vernünftige“ Jobs immer weniger Zukunft. Gefragt sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit – genau die Qualitäten, die Geisteswissenschaftler mitbringen.
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San FranciscoWer von Euch, liebe Geisteswissenschaftler, erinnert sich nicht an seine Studienzeit zurück? Wir debattierten leidenschaftlich darüber, wie sich Hegel wohl bei seiner Philosophie des Geistes von Sophokles’ Antigone-Tragödie inspirieren ließ, ereiferten uns über den verschwurbelten Alm-Öhi-Ton von Heidegger inklusive der noch schwurbeligeren Weltsicht – oder auch ein anderes Thema, dessen Relevanz sich kaum einem außer uns erschloss. Permanent nagte die Sorge an uns, womit wir mal die Miete zahlen sollten.

Damals rieten uns alle zu etwas Vernünftigem, dem Berechenbaren, wie der Banklehre, dem Jura- oder Medizinstudium, der Laufbahn im öffentlichen Dienst. Und wie oft haben wir uns innerlich gekielholt, weil wir Dostojewski spannender fanden als BWL. Obwohl das unvernünftig war, unsicher und ziemlich prekär.

Inzwischen, da sich intelligente Maschinen allerorts an uns schmiegen, haben viele der so vernünftigen Jobs immer weniger Zukunft. Künstliche Intelligenz wird nicht nur besser darin, komplizierte Rechenoperationen durchzuführen, große Datenmengen auszuwerten, in starren, klar definierten Rastern. Sondern sie lernt in immer größerem Maße selbst und übertrumpft immer wieder ihre ausgebildeten Lehrer.

Der niederländische Soziologieprofessor Chris Snijders fand heraus, dass hochbezahlte Manager nicht immer die besten Resultate erzielen, sondern viele der Routinefragen wie Budgetberechnungen besser durch Computermodelle ersetzt werden können. Googles hoch finanziertes Künstliche-Intelligenz-Projekt „Alpha Go“, trainiert im chinesischen Brettspiel, schlug inzwischen alle menschlichen Champions. Und einer Studie im Auftrag der US-Regierung zufolge sinkt die Fehlerquote bei der Diagnose von Brustkrebs auf 0,5 Prozent, wenn Mediziner Maschinen zu Rate ziehen.

Für den Arbeitsmarkt heißt das, dass die alten Karrierewege prekärer werden oder sich doch zumindest sehr verändern, dass das einzig Sichere nur die Unsicherheit ist. Es gibt inzwischen viele Studien zu diesem Thema, doch kein Experte kann heute ganz sicher sagen, wie viele Jobs tatsächlich wegfallen oder ob nicht auch viele neue entstehen. Wer hätte vor dem iPhone gedacht, dass eine ganze Industrie mal auf App-Programmierung fußt.

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