Valley Voice

Ein Trabi für Elon Musk

Weil die Nachfrage nach dem neuen Model 3 so hoch ist, werden Tesla-Kunden wahrscheinlich jahrelang auf ihr Auto warten müssen. Einige Leute in Deutschland wissen noch, wie sich so etwas anfühlt.
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Mit langen Wartezeiten für ein Auto kennen viele Deutsche sich aus. Quelle: AP
Trabant

Mit langen Wartezeiten für ein Auto kennen viele Deutsche sich aus.

(Foto: AP)

Das neue Model 3 von Tesla erzeugt viel Aufmerksamkeit. Über das Wochenende haben 276.000 Menschen das neue Auto vorbestellt, das war mehr als erwartet. Unternehmenschef Elon Musk hat bereits angekündigt, die Produktionsabläufe überarbeiten zu wollen. Doch viele Kunden werden wohl dennoch Jahre auf den Tesla warten müssen. Die Produktion des Model X verzögert sich nun ebenfalls.

Einige Deutsche wissen noch, wie sich das anfühlt. Vor dem Mauerfall 1989 herrschte im ehemaligen Ostdeutschland stets Auto-Knappheit. Die Leute warteten Jahre auf ihren heißbegehrten Trabant oder „Trabi“, einen Zweitürer mit Zweitaktmotor. Vielleicht wird das Model 3 so etwas wie der Trabant des Elon Musk?

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Im Silicon Valley sind grundsätzlich viele Dinge knapp, angefangen von der Zeichenanzahl in einem Tweet über bezahlbare Wohnungen, Wasser oder Einhörner. Alle zwei bis drei Wochen ist die einzig disruptive Sache im innovativen San Francisco die unterbrochene Stromleitung.

Noch schlimmer sieht es beim öffentlichen Nahverkehr aus, der San Francisco mit Städten an der East Bay verbindet, zum Beispiel Mountain View oder Palo Alto. Dort befinden sich die Zentralen vieler Valley-Firmen wie Google oder Facebook. Die Züge sind dreckig, alt und fast immer verspätet. Milliardenfirmen aus der Tech-Branche senden offenbar lieber Karawanen von Bussen von hier nach dort, als in öffentlichen Nahverkehr zu investieren.

Inzwischen schimpfen selbst die Mitarbeiter des ÖPNV. Da ist zum Beispiel der Typ, der den Twitter-Account des S-Bahn-Systems von San Francisco, dem Bay Area Rapit Transit (BART). betreibt. Als sich jüngst ein Kunde über die schlimmen Zustände in den Zügen beschwerte, versuchte er gar nicht erst, zu beschwichtigen. „BART wurde gebaut, um weitaus weniger Menschen zu transportieren, und unser System steht am Rande des Kollapses. Das ist unsere Realität.“

So will Tesla den Massenmarkt elektrisieren
Tesla-CEO Elon Musk stellt das Model 3 vor
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Das Warten hat ein Ende, am Abend des 31.März 2016 stellt Tesla sein lange angekündigtes und von vielen mit Spannung erwartetes erstes reines Elektroauto für den Massenmarkt vor. Im Vergleich zum (mittlerweile ausgelaufenen) Tesla Roadster, sowie den aktuellen dem Model S und Model X ist das Model 3 aber nur etwa halb so teuer. Zum Basispreis von rund 35.000 US-Dollar können die Kunden es heute bereits bestellen, auf die Straße kommen wird es aber nicht vor 2017.

Das Model 3 feierte seine Premiere im Tesla Motors Design Studio im kalifornischen Hawthorne.
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Mit dem Model 3 will Tesla den für das börsennotierte Unternehmen wichtigen Übergang von der Manufaktur zum Großserienhersteller schaffen. Auch von Aktienanalysten und der Autoindustrie wird dieser Schritt mit Argusaugen beobachtet. In der Vergangenheit konnten weder brennende Batterien, hakelige Flügeltüren, noch monatelange Lieferzeit die Kunden schrecken. Auch die Börse hat dem Unternehmen bislang die roten Bilanzen stets verziehen. Doch das kann sich schnell ändern ...

Tesla Model 3
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Tesla verspricht ein cooles, ein sauberes Auto, - und liefert. Der rein batteriebetriebene Viertürer mit nach hinten abfallendem Glas-Coupédach wird unter anderem gegen den i3 von BMW und den kommenden Chevrolet Bolt EV positioniert. Auf den ersten Foto-Handouts ist schon zu erkennen, dass auch das Model 3 wieder einen besonders großen Touchscreen-Display neben dem Lenkrad haben wird, über das bei den bisherigen Modellen fast alle Funktionen des Fahrzeugs zu steuern sind. Noch wichtiger für viele Kunden dürfte aber die versprochene Mindestreichweite von 346 Kilometern (215 Meilen) sein.

Tesla Model 3
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Nicht nur bei den Tesla-Fans, auch bei einigen Analysten ist die Aufregung groß. Der Wagen habe, frohlockte die Investmentbank Goldman Sachs schon vor der Premiere, „das Potenzial, den Gesamtmarkt für Elektroautos dramatisch auszuweiten.“ Die Schweizer Credit Suisse kalkuliert schon mal mit 100.000 Vorbestellungen für das „Model 3“, das frühestens kommendes Jahr in Produktion geht. Damit könnte sich die Zahl der Tesla-Besitzer schlagartig fast verdoppeln.

Wie ist die Euphorie zu erklären? Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg Essen sagt: „Mit dem Tesla 3 hat das Elektroauto die Chance, in die Mittelklasse vorzudringen.“ Der Fahnenträger des Elektro-Antriebs liefere bislang im Grunde nur Spielzeug und Status-Symbole für Reiche, spotten Kritiker. Das soll sich jetzt ändern ...

Einige Kunden warteten schon einen Tag vor der Präsentation vor den firmeneigenen Shops:
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Wie hier in der Westfield Mall im kalifornischen San Diego. Sie wollen zu den ersten Bestellern gehören. Statt Preisen von mehr als 100.000 Dollar soll das „Model 3“ für 35.000 Dollar (rund 31.000 Euro) zu haben sein – und zwar vor Abzug staatlicher Vergünstigungen. Damit würde Tesla sogar den bislang schärfsten Wettbewerber Chevrolet Bolt EV aus dem Hause der Opel-Mutter General Motors unterbieten, der nominal gut 37.000 Dollar kosten soll. Der Standard-Förderrabatt in den USA liegt bei etwa 7500 Dollar. In Deutschland ist noch unsicher, ob es eine Förderprämie von 5.000 Euro beim E-Neuwagenkauf geben wird.

Tesla Model 3
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Serienmäßig ist unter anderem die Hardware für den Autopiloten, der das Model 3 teilautonom fahren lässt. Per kostenpflichtigem Software-Update kann man ihn freischalten lassen. Auch der Anschluss für das Supercharger-Netzwerk ist immer an Bord.

Der Vorstoß in den Massenmarkt ist für Tesla und seine Aktionäre auch ein großes Wagnis. Das Unternehmen, das seit der Gründung im Jahr 2003 noch keinen Jahresgewinn geliefert hat, nimmt hohe Kosten in Kauf. Der riskante Plan muss aufgehen. Denn das „Model 3“ ist ein wichtiger Mosaikstein, um in Zukunft einmal richtig Geld zu verdienen ...

Elon Musk im Jahr 2010 anlässlich des Tesla-Börsengangs an die Nasdaq
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Auf Tesla setzt die Fachwelt vor allem wegen der Strahlkraft der Marke. Selfmade-Milliardär Musk, der ein Vermögen als Mitgründer des Online-Bezahldienstes Paypal gemacht hat, ist ein Superstar des Silicon Valley, bei Fans genießt er Kultstatus, auch Investoren feiern ihn. Das Unternehmen gebe dem Elektroauto eine wirkliche Bühne, sagt Auto-ExperteDudenhöffer: „Dabei hat Tesla gezeigt, dass man als Start-up der Branche wirklich einen innovativen Impuls geben kann.“

Bislang fristen Stromer ein Nischendasein im Automarkt. Insgesamt hatten 2015 nur 0,3 Prozent der knapp 17,5 Millionen verkauften Neuwagen in den USA einen E-Antrieb. Durch regulatorische Vorschriften ist allerdings programmiert, dass die Bedeutung zunimmt ...

Vielleicht braucht Kalifornien erstmal etwas anderes als eine Invasion der Elektroautos oder Elon Musks Hyperloop, diesen durchgeknallten Traum vom Vakuum-Zug von San Francisco nach Los Angeles. Vielleicht beginnt die Zukunft des Transports, von der Tesla-Chef Musk so viel redet, mit einem funktionierenden öffentlichen Verkehrssystem.

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Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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2 Kommentare zu "Valley Voice: Ein Trabi für Elon Musk"

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  • Völlig richtig, Herr Hofmann. Hinzu kommt: Wenn die geduldigen Kunden dann in ein paar Jahren ihr Modell in Empfang nehmen (sofern sie überhaupt noch möchten), ist es technisch bereits komplett veraltert.
    Aber erstmal werden sie jetzt ganz stolz auf jeder Party erzählen, was sie da gerade Tolles bestellt haben.

  • Wer ein E-Fahrzeug kauft hat entweder zuviel Geld auf der hohen Kante oder ist einfach nur noch dumm.
    Ein E-Fahrzeug ist mit und ohne Staatliche Subventionen eine Anschaffung die von Menschen getätigt warden die von Technik (Energieträger) keine Ahnung haben.

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