Valley Voice
Exzentriker zwischen Apple Watch und Alcatraz

Er investierte in Bitcoin, Skype oder Tesla und will Kalifornien in sechs Staaten aufteilen. Tim Draper ist einer der einflussreichsten, aber auch verrücktesten Investoren von Silicon Valley. Was treibt ihn an?
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Als ich die braunen Pferdesättel um den Bürotisch stehen sah und darunter die Decken in mexikanischen Stil, wusste ich, der Morgen würde interessant. Tim Draper ist schließlich für viel Dinge berühmt. 1985 gründete er die Draper Fisher Jurvetson, eine Investorenfirma in dritter Generation. Er investierte in die digitale Währung Bitcoin und Hotmail, Baidu, Skype oder Elon Musks Tesla und SpaceX. Er hat aber auch vorgeschlagen, Kalifornien in sechs Stücke aufzuteilen.

Jeder in Silicon Valley ist deshalb davon überzeugt, dass der Multimillionär ein bisschen oder aber auch sehr verrückt ist. Glücklicherweise sind exzentrische Menschen der Grund, warum ich meinen Job liebe.

Ich saß also in dem Raum in der Draper University in San Mateo, einem Großraumbüro mit gigantischen Comics von Batman und Robin an der Wand und rechnete mit allem. Als der 56-Jährige hereinkam, war ich erstaunt, wie zurückhaltend sich Draper gab. „Hi, was kann ich für Sie tun“?, fragte er lächelnd. Die einzig exzentrische Sache an Tim Draper war, wie wenig exzentrisch er war. 

Wir sprachen natürlich über die neue Apple Watch. Draper hatte in Cupertinos Rivalen Pebble Watch investiert. „Diese Uhren werden unser Leben ganz enorm verändern“, sagte Draper. „Wir können unsere Schritte zählen, unseren Herzschlag, sogar unseren Blutdruck. Wir werden sehr viel mehr über unseren Körper lernen.“ 

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Er zog seinen Hemdsärmel hoch, um mir das zu demonstrieren. Unglücklicherweise war dort aber keine. Draper schaute mich an, zunächst überrascht, dann mit einem breiten Grinsen. „Ok, ich muss zugeben, dass ich es eigentlich gar nicht mag, etwas am Handgelenk zu tragen.“ 

Das könnte daran liegen, dass der Investor ein abenteuerliches Leben führt. Er besitzt zwei Safaris und eine Insel in Tansania. Er ist auch mal von Alcatraz „geflüchtet“, nur so zum Spaß, versteht sich. Wer braucht schon eine Apple Watch, wenn er gerade zwei Kilometer durch eiskaltes Wasser schwimmt, ohne einen wärmenden Anzug. 

„Ich wollte zeigen, dass es möglich ist“, erklärte Draper. Die Wassertemperatur in der Bay Area vor San Francisco steigt das ganze Jahr kaum über 12 Grad Celsius. Drapers Rat für Nachahmer ist simpel: „Man muss sich nur sagen: Ich fühle gar nicht, wie kalt das Wasser ist.“ Klar, klingt nachvollziehbar. Für Batman. Oder Chuck Norris. 

Etwas später verstand ich ihn besser. Den wichtigsten Rat, sagte Draper, habe ihm sein Vater Bill gegeben, ebenfalls ein einflussreicher Investor. „Man sollte im Leben öfter „Ja“ sagen als „Nein“. Ein Optimist hat vielleicht nicht immer recht. Aber ein Pessimist hat noch nie etwas erreicht.“ Da hat er recht. Mit Sicherheit hat noch kein Pessimist jemals versucht, von Alcatraz zu fliehen.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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