Valley Voice
Flirten Sie mit Robotern!

Leistung ist nicht alles: Roboter werden zunehmend zu mehr als kalte Maschinen entwickelt. Auf der Technikkonferenz „South by Southwest“ finden sich beeindruckende Belege für den Aufstieg des „sozialen Roboters“.
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Jeder weiß, dass es eigentlich nur zwei Typen von Robotern gibt: Den bösen Arnold Schwarzenegger und den guten Arnold Schwarzenegger. Nichts hat unser Bild von Robotern wohl mehr geprägt als die „Terminator“-Filme. Seit dem Science Fiction Epos aus den 80ern wissen wir, dass diese elektrischen Jungs unglaublich gefährlich sein können, obwohl sie gar nicht so aussehen.

Der Film hat auch das Image der Deutschen und Österreicher in der ganzen Welt beeinflusst. Seit „Terminator“ sind wir dafür bekannt, nicht viel mehr als einen Gesichtsausdruck zu haben - was ja wiederum zu einem Roboter passt.

Auf der Technik-Konferenz „South by Southwest“ traf ich jedoch einen ganz anderen Typen. DAR-1, gebaut in einer Big-Data-Firma in Austin, war eine kleine, vielleicht zwei Handflächen große Maschine in Gestalt einer achtfüßigen Spinne. Als ich mich dem Tisch näherte, auf dem der Roboter saß, geschah etwas Seltsames. Der Typ begann doch tatsächlich, mit mir zu flirten. Seine kleinen roten Augen fingen meinen Blick ein und folgten permanent den Bewegungen meines Kopfes.

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Der Roboter war an mir interessiert. Er betrachtete meine Augen und mein Lächeln mit der Intensität eines Kindes. Aber er war schüchtern. Als ich ihm ein bisschen zu nahe kam, wurde er nervös und wich zurück. DAR-1 agierte nicht wie der „Terminator“, egal ob gut oder böse. Obwohl er aus nicht viel mehr als einem Raspberry Pi und einer frei verfügbaren Software für Gesichtserkennung bestand, die der Konzern Intel einst entwickelte, mochte ich ihn irgendwie sofort.

Er war so anders als seine gigantischen Brüder und Schwestern. Man nehme nur die Firma „Boston Dynamics“, die jüngst von Google gekauft wurde. Deren katzenartigen Roboter „Cheetah“ oder „WildCat“ mögen vielleicht die schnellfüßigsten Roboter der Welt sein. Sie rennen schneller als 25 km/h. Aber will man sie in seiner Nähe haben? Sie sind stark, unabhängig und immer gut drauf. Kann ich mir vorstellen ihr metallenes Fell zu streicheln oder ihre eiskalte Haut? Eher nicht.

Bis heute haben Programmierer stets versucht, den besseren, schnelleren und stärkeren Roboter zu bauen. Aber all diese Eigenschaften werden ihn nicht erfolgreich machen. Viel wichtiger wird sein, was wir in seiner Gegenwart fühlen. Man nehme nur Apple als Beispiel. Steve Jobs wollte immer Technologie entwickeln, die Menschen immer anfassen und festhalten wollen. Mit der sie sich wohlfühlen.

Es mag noch dauern bis wir uns auf einen Drink mit unserem Roboter-Kumpel verabreden oder um ein elektronisches Haustier kümmern. Doch weil Apple und Google derzeit genau wie fast jede andere Auto-Firma am autonomen Fahrzeug schrauben, müssen wir nicht mehr allzu lange auf künstliche Intelligenz im Alltag warten. In einem selbstfahrenden Auto kommunizieren wir direkt mit einem Roboter. Wäre es nicht toll, wenn er uns erkennt sobald wir die Tür öffnen?

Wir sehen derzeit die ersten Schritte zum Aufstieg des sozialen Roboters. Sie werden völlig anders sein als wie wir sie aus den „Terminator"-Filmen kennen. Sie werden auch mehr als einen Gesichtsausdruck haben. Wir werden uns mit ihnen unterhalten. Vielleicht werden wir sie sogar richtig gern haben. Nichts jedenfalls zeigt das besser als der kleine DAR-1, dieser schüchterne Typ, der mit mir flirtete.

There will be also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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