Valley Voice
Gleichberechtigung vor Computern? Von wegen!

Die Klage einer Investment-Bankerin gegen die Silicon Valley-Institution Kleiner Perkins lenkt die Aufmerksamkeit auf das Frauenproblem der Tech-Branche – genau das braucht Deutschland jetzt auch.
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Ganz Silicon Valley verfolgt derzeit die Klage von Ellen Pao gegen Kleiner Perkins & Byers. Pao, heute Chefin des Online-Portals Reddit, fordert von der alteingesessenen Firma aus Menlo Park 16 Millionen Dollar als Entschädigung. Sie beschuldigt ihren ehemaligen Arbeitgeber, sie benachteiligt zu haben, weil sie eine Frau ist. Kleiner Perkins argumentiert, Pao sei für eine Beförderung nicht geeignet gewesen.

Bis jetzt machte keine der Parteien vor Gericht eine gute Figur. Mal hatten Paos Anwälte die besseren Argumente, dann sah Kleiner Perkins wieder besser aus. Die Richter stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Geschlechtsspezifische Diskriminierungen geschehen meist subtil und sind schwer zu beweisen. Das Gleiche gilt für das Gegenteil.

Egal wie das Urteil ausfällt – das Verfahren hat das Valley verändert. Es erinnert etwa an das inakzeptable Benehmen eines Tinder-Managers, der eine Mitgründerin belästigt haben soll. Oder an den Snapchat-Gründer und -Chef Evan Spiegel, der in seiner Studienzeit E-Mails verschickte, in denen er sich abfällig und sexistisch über Frauen äußerte. Der Fall Kleiner wurde rasch zum Fall Silicon Valley.

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Es ist natürlich keine Neuigkeit, dass es wenig weibliche Vertreter in der Technologiebranche gibt. Google beispielsweise beschäftigt gerade einmal 17 Prozent Frauen als Programmierer und 30 Prozent Frauen insgesamt. Das gleiche gilt für Facebook mit 31 Prozent weiblichen Angestellten, Yahoo (37 Prozent) oder LinkedIn (39 Prozent).

Das Silicon Valley hat begonnen, das Problem in Angriff zu nehmen. Die Initiativen „Women who Code“ oder „Girls who Code“ wollen mehr Frauen für den Programmiererberuf interessieren. Facebook-Managerin Sheryl Sandberg und Investor Marc Andreessen organisierten ein zweitägiges Bootcamp für weibliche Führungskräfte.

In Deutschland, wo man gern mit dem Finger auf Silicon Valley zeigt, sieht es hingegen ziemlich düster aus. Gleichberechtigung vor den Computern? Von wegen. Nach einer Studie von Deutschlands IT-Branchenverband Bitkom betrug er Anteil von Frauen in digitalen Unternehmen insgesamt gerade mal 14 Prozent. Das ist nur die Hälfte dessen, was Google und Facebook erreicht haben. Bei aller Kritik an den Männerzirkeln zwischen San Francisco und San José – Deutschland scheint die Aufmerksamkeit für Gender-Themen wesentlich dringender zu benötigen als Silicon Valley.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare zu " Valley Voice: Gleichberechtigung vor Computern? Von wegen!"

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  • Mindestens der letzte Teil des Artikels ist völliger quatsch. Was sagt bitte die Quote an Frauen als Programmiererin über Gleichberechtigung aus?
    Es gibt ja auch genug Berufe mit hoher Frauenquote, gibt es da nicht die gleichen Rechte für Männer?
    Jahrtausende haben sich Männer und Frauen Anhand ihrer Aufgaben (Rolle) in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Nun glaubt man alles innerhalb eines Jahrhunderts ändern zu können.
    Es müssten sich schon eher Frauen fortpflanzen mit einem hohen technischen Interesse derzeit tendieren diejenigen Frauen aber eher nicht dazu.

  • Genau. Die Frau klagt und muss gewinnen. Die arme Frau, was kann sie denn dafür dass sie eine Frau ist!
    Vielleicht war sie aber tatsächlich nicht qualifiziert genug. Aber daran denkt ja niemand.
    "Es ist natürlich keine Neuigkeit, dass es wenig weibliche Vertreter in der Technologiebranche gibt."
    Ja, vielleicht liegt es auch daran, dass diese Branche für die meisten Frauen uninteressant ist. Ich habe lediglich zwei weibliche Bekannte die sich für das Programmieren etc. interessieren. Eine davon ist in einer Ausbildung zur Fachinformatikerin Fachrichtung "Systemintegration".

    Der Staat könnte aber eingreifen und die Frauen einfach zwingen in den Beruf einzusteigen. Oder eventuell nachfolgenden Generationen durch Genmanipulation das Interesse an besagter Branche "einpflanzen".
    Oder man hört einfach auf die Berufe umzukrempeln. Ansonsten fangen wir bitte bald damit an mehr Frauen in handwerklichen Berufen unterzubringen.
    Gleichberechtigung ist schön und gut, aber sowas?...

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