Valley Voice
Go West!

Kanye West pumpt Mark Zuckerberg in aller Öffentlichkeit um eine Milliarde Dollar an. Der ebenso dreiste wie klamme Rapper enttarnt damit ganz nebenbei Facebooks Marketing-Mythos von der Weltrettung.
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Spätestens seit Investor Ben Horowitz in seinem offiziellen Blog Hip-Hop-Texte zitiert, ist Rap im Silicon Valley sozial akzeptiert. „Rapper feiern, nichts zu besitzen und gleichzeitig alles zu wollen“, sagte mir Horowitz bei unserer letzten Begegnung. „Jeder Gründer sollte von dieser Haltung lernen.“ Horowitz alias MC Tic Toc weiß, wovon er spricht. Er stand selbst mal als Rapper auf der Bühne.

Kanye West hat die Idee vom „Alles wollen“ nun ein wenig überreizt. Er twitterte von seinen Schulden in Höhe von 53 Millionen Dollar und pumpte den Facebook-Gründer um Geld an. „Mark Zuckerberg, steck eine Milliarde Dollar in die Ideen von Kanye West. Nachdem du kapiert hast, dass er der größte lebende Künstler der Welt und der größte Künstler aller Zeiten ist.“ Man fragt sich: Ist der Typ verzweifelt, verrückt oder einfach nur dreist?

Ein bisschen von allem, denke ich. Jedenfalls hat die Provokation den erwünschten Marketing-Schwung für Wests neues Album „The Life of Pablo“ gebracht. Und alle fragten sich, wie es ein eigentlich erfolgreicher Künstler es schafft, sein Konto derart ins Minus zu treiben. Viel interessanter jedoch war ein Effekt, den West wohlmöglich gar nicht beabsichtigt hatte. Oder vielleicht doch?

Die eigentliche Frage ist doch: Warum eigentlich nicht? Warum sollte der finanziell klamme Rapper Mark Zuckerberg nicht um Geld anschnorren? Hat der junge Milliardär nicht gerade erst 99 Prozent seiner Facebook-Aktien für wohltätige Zwecke gespendet? Und ist nicht auch ganz Facebook dem Schönen und Guten verpflichtet?

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Warum pumpen wir nicht alle Zuckerberg um Geld an? Ich brauche zum Beispiel dringend Möbel. Ich finde, „Free Basics“ sollte definitiv Küchenmobiliar beinhalten. Go West!

Außerdem hat West selbst seinen Tweets zufolge die besten Absichten: „Mark, ich bitte Dich öffentlich um Hilfe. Ich weiß, dass ich die Welt zu einem besseren Ort machen kann“

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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