Valley Voice
Kalifornien kämpft gegen Enteignung durch Tech-Milliardäre

Unter Silicon-Valley-Größen geht ein dekadenter Trend um: Mit Grundstückskäufen versuchen sie, öffentliche Strände abzuriegeln. Der Risikoinvestor Vinod Khosla musste nun jedoch eine herbe Niederlage einstecken.
  • 0

San FranciscoEs ist eine krachende Niederlage für den Milliardär Vinod Khosla und praktisch niemandem im Silicon Valley tut es leid. Der heutige Risikokapitalinvestor und Mitgründer von Sun Microsystems hat sieben Jahre lang mit juristischen Tricks versucht, die Einwohner des Silicon Valley von einem der schönsten Strände Nordkaliforniens fernzuhalten.

Er hatte ein Stück Land erworben, über das die einzige Zugangsstraße zum malerischen Surferparadies Martins Beach führt, rund zehn Kilometer südlich des Küstenorts Half Moon Bay. Mit dem Verbot sein Land zu betreten, hatte Koshla den international bekannten Strandabschnitt im Silicon Valley praktisch für sich alleine, ohne ihn kaufen zu müssen.

Was er auch gar nicht hätte machen können. Nach kalifornischem Recht ist der Strand per Gesetz öffentliches Gelände. Vergangene Woche verurteilte ein Berufungsgericht ihn dazu, die Gittertore zu öffnen und seine Wachtruppen abzuziehen, die jeden zurückschickten, der an den Strand wollte.

Man könnte das Ganze als schrullige Macken eines alternden Milliardärs abtun – doch Khosla ist kein Einzelfall: Bei superreichen Tech-Investoren liegt es im Trend, die Filetstücke der öffentlichen Küstenabschnitte oder die Ufer von bekannten Seen wie dem Lake Tahoe zu privatisieren und für den Rest der Welt zu sperren. Allen liberalen Sonntagsreden zum Trotz: Wenn es um ihre Grundstücke und Immobilien geht, fallen die Tech-Milliardäre nicht selten durch imperiales Gehabe auf.

So wollte Facebook-Mitgründer Mark Zuckerberg Anfang 2017 Familien auf Hawaii per Gericht dazu zwingen, ihm Grundstücke zu verkaufen, die an sein 2,8 Quadratkilometer großes Areal mit weißen Sandstränden auf der viertgrößten Insel Kauai angrenzen. Nach kurzer Zeit und massiven öffentlichen Anschuldigungen zog er die Klagen wieder zurück und nannte sie einen „großen Fehler“.

Zuckerberg ist nicht der erste Hawaii-Freund. Oracle-Chef Larry Ellison hatte ein Jahr zuvor Lanai gekauft, die sechstgrößte Insel des US-Bundesstaates. Auch hier geht die Angst der Zwangsumsiedlung unter den verbliebenen Bewohnern um.

Seite 1:

Kalifornien kämpft gegen Enteignung durch Tech-Milliardäre

Seite 2:

Symbol des Widerstands gegen die Tech-Aristokratie

Kommentare zu " Valley Voice: Kalifornien kämpft gegen Enteignung durch Tech-Milliardäre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%