Valley Voice
Niemand ist ein Superheld

PayPal, Tesla, SpaceX: Elon Musk ist das Enfant terrible des Silicon Valley. Kurz vor Ostern trumpft er mit einer ganz besonderen Überraschung auf – und beeinflusst via Twitter spielend leicht die Börsenkurse.
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Es war noch nicht ganz Zehn, da entschloss sich Elon Musk, die Öffentlichkeit mit einem frühen Osterei zu beglücken. Er enthüllte via Twitter: „Tesla wird eine neue Produktlinie - kein Auto - im Hawthorne Design Studio am Donnerstag, den 30. April, um 20.00, vorstellen.“

Innerhalb von zehn Minuten wurden die kryptischen Worte von seinen knapp zwei Millionen Fans retweetet und jeder fragte sich, was Musk, Gründer von PayPal, Tesla und SpaceX da wohl aus dem Hut zaubern würde.

Obwohl der 43-Jährige nicht den geringsten Hinweis darauf gab, wie sein neues Produkt aussehen würde, überschlugen sich die Spekulationen. Würde Musk eine innovative Batterie präsentieren und sich im neuen Markt für das vernetzte Haus positionieren? Oder würde es dabei um einen neuen Weg gehen, Energie mithilfe von Solarzellen zu speichern?

Inzwischen beeinflusst Musk mit seinen Tweets Börsenkurse. Im Februar erst hatte er bei Twitter über das Ende der "Reichweiten-Angst“ spekuliert. Der Ausdruck beschreibt die Befürchtung eines Elektro-Auto-Besitzers, es nicht von A nach B zu schaffen, weil zuvor die Batterie versagt. Der Markt antwortete prompt. Die Tesla-Aktie stieg um sieben Dollar und schloss bei um die 195 Dollar. Dieses Mal stieg die Aktie um drei Prozent.

Der Tweet schaffte es zudem auf nahezu jede einschlägige Website und jeden Tech-Blog. Bei Twitter startete jemand den Hashtag #TeslaNewProductGuesses und die Leute begannen, mal ernst, mal weniger ernst über Musks neue Erfindung zu fabulieren aussehen würde - die Vorschläge reichten von einem Hoverboard bis hin zum Weltraumlift.

Musk beherrscht die Aufmerksamkeits-Ökonomie von Silicon Valley besser als jeder andere. Sein Publikum aus allen Teilen des Internets lässt sich gern unterhalten von den Sensationen und Innovationen, mit denen er jongliert, und es zeigt sich stets bereit, die Taschenspielertricks mit wohlwollendem Applaus zu honorieren, als wäre er ein Zauberer im Zirkus. Jedes Wort, das der Unternehmer von sich gibt, ist mindestens eine Überschrift wert, sei es auf einer Website oder in der gedruckten Zeitung.

Natürlich ist der Mann genial. Musk erreichte, was keiner für möglich gehalten hatte. Er revolutionierte die Milliarden schwere Automobil-Industrie und war hartleibig genug, seine Firma nicht an Apple zu verkaufen. Tim Cook, nun ebenfalls am Automarkt interessiert, hat offensichtlich nicht genug geboten. Wir brauchen solche Stars, genau wie wir den Traum von der Reise zum Mars benötigen, damit es Fortschritt gibt.

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Einige meinen, Musk wäre der größte Visionär unserer Tage. Andere vergleichen ihn gar mit dem Superhelden Iron Man. Ich glaube, das hat alles seine Berechtigung und wir sollten neuen Technologien aufgeschlossen entgegen treten – so lange wie wir eine gesunde Skepsis nicht verlieren. Fangen wir gleich damit an: Niemand ist ein Superheld.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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