Valley Voice
Streit mit den Chatbots

Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird bei der Entwicklerkonferenz F8 wohl „Chatbots“ vorstellen. Das macht Sinn – denn die Firma experimentiert bereits seit längerem mit dieser Technologie.
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Facebooks jährliche Entwicklerkonferenz FB beginnt am Dienstag. In den kommenden Tagen wird das Unternehmen der Öffentlichkeit wieder eine Reihe neuer Produkte zeigen. Viele erwarten, dass das soziale Netzwerk einen Store für Chatbots ausrollt – eine Technologie, die Konversation simuliert.

Das macht Sinn. Ich habe bereits seit einer Weile das Gefühl, dass Facebook die Technologie hier und da einsetzt, etwa in der PR-Abteilung.

Selbstverständlich haben wir bereits heute allerorts mit Chatbots zu tun. Maschinen übernehmen immer mehr einfache Aufgaben von Menschen, zum Beispiel die Banküberweisung per Telefon oder die Tischreservierung im Restaurant.

Schon heute kann ich eine Fahrt bei Uber oder Lyft bestellen, ohne den Facebook-Messenger verlassen zu müssen. Mit „M“ testet die Firma derzeit auch die Fähigkeiten eines virtuellen Assistenten, obwohl der bis jetzt vor allem von Menschen gesteuert wird.

Gespräche mit Chatbots sind nicht unkompliziert. Es dauerte nicht lange, da war etwa der Ruf von Tay zerstört, dem der „spielerischen Kommunikation“ gewidmeten Chatbot von Microsoft. Tay wiederholte kritiklos die absurdesten Dinge, die sich Menschen bei Twitter ausgedacht hatten. Aber was erwarten denn die Leute von einer neuen Technologie? Dass sie sofort perfekt ist?

Viele denken, dass die Maschinen die Weltherrschaft an sich reißen werden. Ich bezweifle, dass dies in nächster Zeit geschieht. Es kommt eher drauf an, was wir daraus machen.

Man schaue sich nur an, was mit dem Typen passierte, der sich in den ersten Chatbot der Geschichte verliebte – das kleine, süße mechanische Püppchen Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“, einer Oper aus dem 19. Jahrhundert. Es war eine verzweifelte Liebesaffäre ohne Happy End – aber war die Maschine daran schuld?

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Der erste Chatbot, der mir im Silicon Valley begegnet ist, hieß Andrew Ingram und war der Assistent eines Tech-Investors. Wir suchten nach dem geeigneten Zeitpunkt für ein Interview und mailten endlos hin und her, weil der Typ dauernd Zeiten und Tage durcheinander brachte.

Irgendwann war ich echt wütend. Ich fragte Andrew Ingram verärgert, warum er bloß so kompliziert sei. Die Antwort war ziemlich entlarvend. „Ich bin ein persönlicher Assistent, unterstützt von einer Künstlichen Intelligenz, die Termine vereinbart. Da es nicht so aussieht, als ob diese Nachricht etwas mit dem Vereinbaren eines Termins zu tun hat, werde ich auf diese Nachricht nicht reagieren.“ Seither glaube ich, dass es bis zur Weltherrschaft noch etwas dauert.

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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