Valley Voice

Von wegen „Spirit“

Wenn Deutsche das Silicon Valley bereisen, schwärmen sie gerne vom „Spirit“. Doch das Lob der innovativen, unternehmerfreundlichen Mentalität ist nur ein Vorwand, um sich vor überfälligem Kulturwandel daheim zu drücken.
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Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Gespräche folgen stets der gleichen Dramaturgie. Deutschland, so klagen deutsche Politiker und Unternehmer, wenn sie in San Francisco vorbeikommen, müsse so viel vom Silicon Valley lernen. Die Liste beginnt irgendwo bei „Investorengeldern“, geht weiter mit „Stanford“ und landet irgendwann beim berühmten „Spirit“.

Ich frage mich immer, was die Leute damit meinen. Die Einwohner meines Viertels stehen lieber eine halbe Stunde mit dem SUV vor der Einfahrt des Öko-Markts im Stau, statt hundert Meter zu Fuß zu gehen. Sie reden von Elektroautos und Energiesparen, aber die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Ich kann da keinen „Spirit“ erkennen.

Es wird gerne so getan, als sei zwischen San Francisco und San José irgendetwas im Wasser, das alle, besonders die Tech-Unternehmer, auf wundersame Weise berühmt, reich und schön macht. Natürlich gibt es Ausnahmen, also Gründer, die tatsächlich glauben, sie könnten zaubern. Einer von ihnen heißt Elon Musk.

Wirtschaftsstrategen, die vom wirtschaftsfreundlichen „Spirit“ des Valley schwärmen, vergessen ein wichtiges Detail. Ein Großteil der überaus erfolgreichen Einwohner kommt ursprünglich doch von ganz woanders, von jenseits des Atlantiks – zum Beispiel aus der urdeutschen Provinz. Diese Software-Talente haben sich nicht plötzlich in Einhörner verwandelt, als sie kalifornischen Boden betraten.

Nein, sie waren schon vorher ein bisschen genial, begabt oder wollten doch zumindest etwas schaffen. Deutschland hat sie nur nicht gelassen. Einem 26-Jährigen wie Snapchat-Gründer Evan Spiegel hätte ein deutscher Chef vielleicht Kopierarbeit zugetraut. Doch von Los Angeles aus setzt der Mann den Milliardenkonzern Facebook unter Druck. Sicher nicht mit der neuen Datenbrille, aber da kommt noch etwas.

Goethe als Vorbild
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