Valley Voice Wie Trump die Welt bei Twitter sieht

Dank eines Medienprojektes lässt sich nachverfolgen, was Donald Trump in seinem Twitter-Feed sieht. Das Ergebnis ist so verstörend wie fatal – entspricht aber durchaus dem Führungsstil des US-Präsidenten.
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Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

San FranciscoImmer wieder reden wir über Echokammern, digital oder analoge Räume, in denen der dauerhafte Umgang mit Gleichgesinnten zwangsläufig verengte Welt- und Ansichten erzeugt. Anschaulich demonstriert dies derzeit der Twitter-Account @trumps_feed, ein Projekt der „Washington Post“. Dort verbreitet ein Bot automatisch weiter, welche Inhalte US-Präsident Donald Trump in seiner Timeline sieht, welche er retweetet und auf welche er reagiert.

Der Dunstkreis der Menschen, von denen der Präsident seine Informationen bezieht, ist so winzig wie aufschlussreich. Trump hat gerade einmal 45 Accounts abonniert. Als einzigem Nachrichtenkanal folgt er „Fox News“ und den Mitarbeitern des TV-Senders sowie dem News-Aggregator des konservativen Medienmoguls Matt Drudge, seiner Familie oder Accounts seiner Hotelkette. Trump folgt sich also am liebsten selbst, was seinem Führungsstil durchaus entspricht.

Auffällig ist, dass alle Tweets in seiner Timeline über Trump reden und ihn in seiner Haltung bestärken. Wie der seines Social-Media-Chefs, der eine Studie der regierungsnahen Einrichtung namens „America First Policies“ verbreitet, laut der die große Mehrheit der Republikaner in den Swing-States die Haltung von Trump zu Charlottesville unterstützt. Der Präsident hatte linke Gegendemonstranten ebenso für den Gewaltausbruch in dem Städtchen im Bundesstaat Virginia verantwortlich gemacht wie die demonstrierenden Nazis und damit einen politischen Eklat entfacht.

Die „New York Times“ hatte zuvor berichtet, dass die blutige Auseinandersetzung die republikanische Partei zutiefst spalte und zwei Studien zitiert, laut denen die Zustimmung der US-Bevölkerung für Trump immer weiter sinkt. Laut einer Erhebung des Marist College Institute for Public Opinion etwa geben Trump nur noch 35 Prozent der Amerikaner eine gute Note, die Zustimmung bei den Republikanern sank ebenfalls um mehr als 20 Prozent. Doch all diese Informationen tauchen nicht im Trump-Universum auf.

„Kein Politiker in der Geschichte wurde unfairer behandelt“
„America first.“
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Donald Trump bei seiner Antrittsrede in Washington am 20. Januar 2017. Alle Zitate sind aus diesem Jahr.

„Nein, das ist kein Muslimbann.“
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Donald Trump am 25. Januar in einem Interview über das von ihm erlassene Einreiseverbot gegen Menschen aus mehreren muslimisch geprägten Ländern.

„Ich muss Ihnen sagen, das ist eine unglaublich komplexe Sache. Niemand wusste, dass Gesundheitspolitik so kompliziert sein könnte.“
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Donald Trump am 27. Februar in Washington vor Gouverneuren. In dieser Woche scheiterten Trumps Pläne für eine Gesundheitsreform an den unsicheren Mehrheitsverhältnissen im Senat. Der Gesetzesvorschlag kam nicht zur Abstimmung.

„Wir werden die Vorschriften stoppen, welche die Zukunft und die Existenz unserer großartigen Kohle-Bergmänner bedrohen.“
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Trump am 28. Februar in einer Rede vor dem US-Kongress.

„Arnold Schwarzenegger verlässt „The Apprentice“ nicht freiwillig, er wurde wegen seiner schlechten (armseligen) Einschaltquoten gefeuert, nicht von mir.“
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Trump am 4. März auf Twitter über seinen TV-Nachfolger.

„Wie tief ist Präsident (Barack) Obama gesunken, meine Telefone während des heiligen Wahlprozesses anzuzapfen. (...) Böser (oder kranker) Typ!“
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Trump am 4. März auf Twitter mit bislang unbelegten Behauptungen über seinen Amtsvorgänger (r.).

„Zumindest haben wir vielleicht etwas gemeinsam.“
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Trump am 17. März bei einer Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (r.) in Washington zu seinen Abhörvorwürfen gegen Obama und dem Lauschangriff der US-Geheimdienste auf Merkels Handy in Obamas Regierungszeit.

Eher schon ein Artikel bei Fox News, der Steve Bannon, den umstrittenen Vertrauten des Präsidenten verteidigt, der das Weiße Haus inzwischen in Richtung des rechtsgerichteten Mediums Breitbart verlassen hat: „Steve Bannon ist ein guter Mann, und er hat seinem Präsident gut gedient, anders als Sie das von liberalen Republikanern oder den Mainstream-Medien hören“, heißt es darin. Ein anderer Trump-Fan ätzt, es sei schon aussagekräftig, „wie weit unten und dreckig“ politische Diskussionen geworden seien, wenn Medien sich zu der Aussage „erniedrigen”, der Präsident sei schlicht „verrückt“.

Das Gesamtbild der Welt, die Trump bei Twitter wahrnimmt, ist so fatal wie verstörend. Dazu reicht ein Blick in die Tweets, die er erhält, retweetet oder auf die er reagiert. Ganz abgesehen natürlich von den Ausrastern Richtung Nordkorea, den Gewaltaufrufen gegen Medien wie CNN oder sein Versprecher nach Charlottesville. Trump rief seinen Anhängern am Tag der dramatischen Auseinandersetzungen zu: „We will heel.“ Ein peinlicher Ausrutscher. Der Präsident hatte das englische Wort „heilen“ („heal“) mit dem für hochhackige Schuhe („heel“) verwechselt.

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Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, im Wechsel über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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