Vault Apps versetzen Eltern in Angst

Ein Geheimagent namens App

Neuartige „Geheim-Apps“ versprechen Jugendlichen, heikle Bilder und Videos auf dem Handy zu verstecken. Nun erschüttert ein Nacktfoto-Skandal die USA. Sind auch Schüler in Deutschland in Gefahr? Was können Eltern tun?
Die „Vault Apps“ stellen eine neue Gefahr für unbedarfte Kinder und Jugendliche dar. Quelle: dpa
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Die „Vault Apps“ stellen eine neue Gefahr für unbedarfte Kinder und Jugendliche dar.

(Foto: dpa)

San FranciscoEs war ein anonymer Tipp, der die Schulleitung der Canyon High School auf die Spur gebracht hatte. Und die Lehrer reagierten unverzüglich. Vergangenen Montag konfiszierten sie die Smartphones ihrer Schüler. Freiwillig händigten sie die Geräte aus, wähnten sie sich doch in Sicherheit. Denn sie ahnten nicht, dass die Lehrer genau wussten, wonach sie suchen mussten: die „Geheim-Apps“, bekannt unter dem Namen „Vault Apps“.

Wenn man so will, handelt es sich dabei um Geheimagenten der Handysoftware. Sie tarnen sich etwa als harmlose Taschenrechner – und funktionieren auch so. Falls ein Schüler statt „2+2“ aber ein geheimes Passwort eingibt, öffnet sich eine dunkle Welt von Fotos und Videos – angeblich sicher versteckt vor neugierigen Augen.

Was an der Schule in Colorado zutage kam, versetzte Lehrer wie Eltern gleichermaßen in Panik. Mindestens 100 Schüler – wahrscheinlich weit mehr – hatten dort hunderte Nacktfotos von sich und anderen aufgenommen und über die neuartige „Geheim-Apps“ miteinander geteilt. Mehrere Kinder waren erst in der achten Klasse.

Das Ausmaß des schulinternen Foto-Rings ist beispiellos in den USA. In den Vereinigten Staaten wird die „Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie“ – juristisch gesehen ist dieser Tatbestand bei dem Datenmaterial wahrscheinlich großteils erfüllt – hart bestraft. Im schlimmsten Fall droht eine lebenslange Aufnahme in das öffentliche „Register für verurteilte Sexualstraftäter“. Wer dort auftaucht, hat häufig Probleme im Alltag. Betroffene haben dann Schwierigkeiten eine Wohnung oder einen Job zu finden. Sie werden von ganzen Branchen, wie etwa Schul- oder Staatsdienst oder dem medizinischen Bereich, ausgeschlossen.

George Welsh zog daher Konsequenzen. Der oberste Schulaufseher des Distrikts übergab die konfiszierten Smartphones mit den Fotos der Teenager der Polizei: „Nun muss die Justiz ihre Arbeit machen.“

Allein die ersten Nachforschungen deckten heikle Verwicklungen auf. Mehr als die Hälfte des „American-Football"-Teams soll in die Affäre verwickelt sein. Deshalb sagten die Veranstalter am Wochenende das Saisonfinale ab. Trainer Scott Manchester sagte dem Nachrichtensender CBS: „Das Team kann nicht antreten – und unsere Schule und unsere Stadt vertreten.“ Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an. Schulaufseher Welsh vermutet weitere Details im Skandal: „Wir sind nur eine kleine Allerweltsstadt in den USA.“ Ein Vorfall wie hier könnte seiner Meinung nach überall passieren.

Auch in Deutschland? Die neuartigen „Geheim-Apps" sind auch in Deutschland in den Online-Stores von Apple und Google erhältlich. Tatsächlich ist es nicht illegal, sich diese technischen Helferlein aufs Smartphone zu laden, um Fotos oder Videos auf dem Gerät vor den Blicken anderer zu verstecken. Doch es gilt: Das Datenmaterial darf nicht illegal sein. Ein Beispiel dafür sind solche Nacktaufnahmen von Minderjährigen wie in Colorado.

Die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 10: Dropbox
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Der in San Francisco ansässige Anbieter von Web-Speicher zählt bereits mehr als 400 Millionen private Nutzer und wird zurzeit von 500 Unternehmen verwendet. Nach eigenen Angaben des Cloud-Unternehmens werden alle 24 Stunden 1,2 Milliarden Dateien in der Dropbox gespeichert. Seit der Gründung 2007 hat das Startup 0,6 Milliarden Dollar von Investoren wie Black Rock oder Goldman Sachs erhalten. Heute ist ihr Investment geschätzte zehn Milliarden Dollar wert. Damit liegt Dropbox auf Platz zehn im aktuellen Ranking des Wall Street Journal.

Platz 9: Pinterest
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Das soziale Bildernetzwerk bietet Nutzern die Möglichkeit, Fotos auf virtuellen Pinnwänden zu teilen, liken oder kommentieren. Das 2010 in San Francisco gegründete Startup verfügt heute über weitere Unternehmenssitze in New York, Chicago, Los Angeles, Atlanta, London, Paris, Berlin, Tokyo und Sao Paulo mit insgesamt über 500 Mitarbeitern. Der Unternehmenswert beläuft sich auf satte elf Milliarden Dollar, 1,3 Milliarden haben fremde Kapitalgeber bis heute in das Netzwerk investiert. Platz neun für das von drei Studenten gegründete Start-up.

Platz 8: SpaceX
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Das Raumfahrt-Startup von Tesla-Gründer Elon Musk hat bereits fünf Trägerraketen ins All befördert. Gegründet wurde Space Exploration Technologies, wie das Unternehmen vollständig heißt, bereits 2002, und hat sich seitdem mehrfach Geld bei Investoren geholt, insgesamt 1,1 Milliarden Dollar. Die Bewertung ist mit 12 Milliarden Dollar üppig.

Platz 7: Didi Kuaidi
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Auch die chinesische Taxi-App Didi Kuaidi ist für Kapitalgeber interessant: so flossen bereits 3 Milliarden Dollar in das Startup von Cheng Wei. Fahrdienstanbieter wie Uber oder Didi Kuaidi erfreuen sich in China immer größerer Beliebtheit. Davon profitiert der nun 15 Milliarden Euro schwere Dienstleister und landet auf Platz sieben im Ranking der Venture-Kapital-Firmen.

Platz 6: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz flipkart wurde 2007 von den Absolventen des Indian Institute of Technology Delhi, Sachin und Binny Bansal, gegründet. Seitdem haben verschiedene indische Investoren 3 Milliarden Dollar in das E-Commerce-Startup investiert, das mittlerweile fünf Mal so viel wert ist (15 Milliarden Dollar).

Platz 5: Snapchat
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Das erst 2011 in Los Angeles gegründete Startup Snapchat mit einem Wert von 16 Milliarden Dollar zählt heute zu den wertvollsten, nicht börsennotierten Unternehmen der Welt. Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar haben US-amerikanische Kapitalgeber bereits in den Instant-Messaging-Dienst investiert. Die App, die sowohl für Smartphones als auch Tablets verfügbar ist, macht den Versand von Fotos an Freunde möglich. Das Revolutionäre: die Dateien sind nur wenige Sekunden sichtbar und zerstören sich dann selbst. Die Wiederherstellung ist allerdings innerhalb der Ordnerstruktur des eigenen Geräts möglich. Dieser kleine Umweg scheint den besonderen Reiz für Nutzer auszumachen.

Platz 4: Palantir
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Auch das vor einigen Jahren noch wenig bekannte Startup-Unternehmen Palantir Technologies aus Palo Alto im Silicon Valley schafft es in die Top Fünf des Rankings. 1,5 Milliarden Dollar investierten Kapitalgeber in den 20 Milliarden schweren Entwickler von Software, der in der Lage ist, Informationen aus verschiedensten Quellen miteinander zu verknüpfen und auszuwerten. Das weiß man nicht nur bei Hedgefonds gewinnbringend zu nutzen, um Markttrends herauszufiltern. Auch die US-Regierung nutzt eine Variante des Systems zum Jagen nach Terroristen, wobei Banküberweisungen, Einkäufe, Berichte von Fahndern und öffentliche Quellen wie das Internet, Facebook und Twitter zusammengeführt werden.

Die App-Entwickler versprechen den Kunden zwar, ihre Digital-Geheimnisse auf ewig in virtuellen Kellern unter Verschluss zu halten. Dort soll sie niemand finden. Doch dieser Fall in den USA zeigt, wie Kinder und Jugendliche mit dieser neuen Technik schnell überfordert sind.

In Deutschland hat die Affäre um Sebastian Edathy die Sensibilität weiter erhöht. Der ehemalige Bundestagsabgeordneter stand unter Kinderporno-Verdacht, weil er Bilder von nackten Kindern von einem Portal in Kanada heruntergeladen hatte. Das Strafgesetzbuch untersagt hierzulande unter anderem „die Verbreitung, aber auch den Besitz und die Besitzverschaffung von pornographischen Schriften“, die „sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern und Jugendlichen zum Gegenstand haben“.

Fotos, die sich Sekunden nach dem Versenden selber zerstören
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