VDSL
Ausbau von schnellem Internet stockt

Schnelle Internetverbindungen in ganz Deutschland - eine gute Idee. Trotzdem kommt das Projekt nur langsam voran. Der Grund: Die Wettbewerber können sich nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen. Über die Schwierigkeiten eines interessanten Projektes.

DÜSSELDORF. Der geplante Ausbau von schnellen Internetverbindungen in ganz Deutschland kommt nur schleppend voran. Schuld daran ist eine fehlende Einigung der Unternehmen über den gemeinsamen Ausbau. Damit droht ein wichtiges Infrastrukturprojekt der Bundesregierung zu scheitern: Berlin wollte mit seinem Konjunkturpaket den Ausbau von schnellen Internetzugängen fördern. Die Politik stellte im Februar eine investitionsfreundliche Regulierung in Aussicht, überließ die Ausarbeitung der konkreten Bedingungen aber der Bundesnetzagentur. Die entwickelte zwar Eckpunkte, blieb dabei aber unkonkret. Chefregulierer Matthias Kurth sähe es am liebsten, wenn die Unternehmen sich untereinander einigten.

Doch das ist bislang nicht passiert. Strittig ist vor allem der teure Bau des neuen Hochgeschwindigkeitsnetzes VDSL. Möglich scheint allerdings eine Einigung zwischen der Deutschen Telekom und Vodafone: "Wir sind in intensivsten Verhandlungen mit Vodafone", sagte Timotheus Höttges, Finanzchef der Deutschen Telekom, gestern auf der Handelsblatt-Tagung "Telekommarkt Europa". Dabei geht es um den gemeinsamen Ausbau von VDSL, das Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde erreicht und damit doppelt so schnell ist wie herkömmliche Internetverbindungen. Vodafone wollte sich zu den Details der Gespräche nicht äußern.

Die Zeit für eine Einigung drängt - nicht nur aus Sicht der Bundesregierung, sondern auch aus Sicht der Telekom. Ab Juli bietet sie ihr Wundernetz erstmals auch ohne Fernsehen nur für Telefonie und Internetzugang an. "Wir fürchten, dass wir dann sofort reguliert werden", sagt Höttges. Der Grund: Bislang hat ihn Chefregulierer Kurth bei VDSL in Ruhe gelassen - mit dem Argument, TV über das Internetprotokoll stelle einen neuen Markt dar, der nicht per se der Regulierung unterliege. Entfällt jedoch das Fernsehangebot, würde VDSL womöglich ebenso behandelt wie herkömmliche DSL-Netze. Das würde bedeuten, dass Kurth der Telekom einen Preis vorschreibt, zu dem sie Wettbewerber auf das Netz lassen muss.

Kurth ließ am Rande der Tagung durchblicken, dass diese Sorge nicht ganz unbegründet ist. "Wir würden eine neue Marktanalyse machen und auf der Basis dieser Ergebnisse entscheiden", sagte er dem Handelsblatt. Mit diesem Verfahren hätte die Telekom Zeit gewonnen, um sich doch noch mit ihren Wettbewerbern zu einigen. Höttges hatte bereits auf der Cebit im März einen Preis angeboten: Für 30 Euro pro Kunde monatlich sollten seine Rivalen das Turbonetz nutzen können. Je mehr Kunden sie auf das Netz holten, desto weniger sollte jeder Anschluss kosten.

Den Wettbewerbern war das aber zu teuer. Gleichwohl haben auch sie kein Interesse an einer Regulierung. "Unsere Mitglieder versuchen alle, auf freiwilliger Basis zu einem besseren Ergebnis zu kommen als mit einer Regulierung zu erwarten wäre", sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. In dem Verband haben sich die Konkurrenten der Telekom zusammen geschlossen. Neben dem Preis geht es bei den Verhandlungen um viele technische Details. "Die Lager sind fragmentiert, eine große Lösung ist nicht in Sicht", fasst Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen die Lage zusammen.

Ein Fortschritt bei der Breitbandstrategie ist jedoch greifbar: Der Bundesrat hat vor einigen Tagen beschlossen, den Mobilfunkern Frequenzen zur Verfügung zu stellen, die bislang von TV-Sendern genutzt worden sind. Kurth will die Frequenzen Ende 2009 oder Anfang 2010 versteigern. Sie eigenen sich vor allem, um auf dem Land schnelle Internetverbindungen anzubieten.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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