VDSL-Netz
Telekom droht mit Investitionsstopp

Die Deutsche Telekom droht damit, ihre Investitionen in ein neues Glasfasernetz zu stoppen, sollte sie von der EU in Brüssel an die Regulierungs-Leine genommen werden. „Wir werden nicht mehr als zehn Städte an das VDSL-Netz anschließen, wenn wir keine Investitionssicherheit bekommen“, sagte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke vor Journalisten in New York.

NEW YORK. Der Manager wünscht sich in Deutschland ähnliche Freiheiten, wie sie die großen US-Netzbetreiber wie Verizon und AT&T bereits haben: „In Amerika hat man verstanden, dass man den großen Investoren in die Infrastruktur die Regulierung vom Hals hält“, sagte Ricke.

Während die Telekom für ihr neues Glasfasernetz von der Regulierung befreit werden und den Netzzugang der Wettbewerber frei aushandeln möchte, pocht die EU auf regulierte Zugangspreise. Die Bundesregierung will das VDSL-Netz für eine befristete Zeit von der Aufsicht befreien und liegt deshalb im Streit mit Brüssel. Ricke verwies darauf, dass die Telekom rund drei Mrd. Euro in das Hochgeschwindigkeitsnetz stecken werde. Diese Großinvestition würde sich aber nur rechnen, wenn die Telekom dafür die Pioniergewinne einstreichen könne. Ricke will seinen Kunden auf der Datenautobahn ein so genanntes „Triple-Play“- Paket anbieten, das neben der Telefonie und dem Internetzugang auch eine Vielzahl von Fernsehsendern (IP TV) beinhaltet. Die Wettbewerber der Telekom fürchten indes, dass der Ex-Monopolist damit nicht nur die Konkurrenten abhängen, sondern auch die Verbreitung der neuen Technologie bremsen würde.

Ricke war zu einer „Road Show“ bei Investoren in New York und hatte offenbar Mühe, die Anleger für seine Zukunftspläne zu begeistern. „Bei den Investoren lässt sich im Moment kein Blumentopf gewinnen“, sagte der Telekom-Chef mit Blick auf die schlechte Kursperformance der T-Aktie. Zumindest eine Botschaft habe er jedoch erfolgreich rüber gebracht: „Wir wollen nicht so sehr auf kurzfristige Erfolge an der Börse schielen und uns statt dessen auf das langfristige Ziel konzentrieren, in Europa die Nummer eins zu sein.“ Als Rückendeckung für diese Strategie betrachtet Ricke auch den Einstieg des US-Finanzinvestors Blackstone, der kürzlich einen Anteil von 4,5 Prozent am deutschen Konzern übernommen hatte: „Blackstone ist offenbar auch der Meinung, dass die Telekom-Aktie unterbewertet ist.“

Zufrieden ist der Telekom-Manager indes mit seinem Mobilfunkgeschäft in den USA. Nur weil T-Mobile dort einen mächtigen Gewinnsprung von 50 Prozent machte, konnte das deutsche Mutterhaus zuletzt ein verbessertes Ergebnis vorlegen. Der Bonner Konzern bewirbt sich gerade um neue Frequenzen in Amerika (3G), um seine Position als die Nummer vier auf dem US-Markt zu festigen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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