Verdacht auf Preisabsprache: Infineon im Visier der Kartellwächter

Verdacht auf Preisabsprache
Infineon im Visier der Kartellwächter

Als ob Infineon nicht genug Probleme hätte: Jetzt geht die EU-Kommission wegen Verdacht auf verbotene Preisabsprachen gegen das Unternehmen vor. Im Visier der Ermittler befinden sich mehrere Chiphersteller, die unter Kartellverdacht stehen.
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MÜNCHEN. Auf den Münchener Halbleiterhersteller Infineon kommen möglicherweise neue hohe Belastungen zu. Gestern teilte die EU-Kommission mit, dass sie die Büros mehrerer Chipproduzenten durchsucht hat. Die Ermittler gehen Hinweisen auf Preisabsprachen im Geschäft mit Chips für sogenannte Smart Cards nach. Eine Sprecherin von Infineon bestätigte die Razzia, die bereits im Oktober stattgefunden hat. Laut EU-Regeln können Firmen in solch einem Fall mit Strafen von bis zu zehn Prozent ihres Umsatzes belegt werden.

Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, würde ein wichtiger Bereich von Infineon geschwächt. Der Konzern ist nach Angaben der Analysten von Frost & Sullivan führend im Geschäft mit Chips für Smart Cards. Jeder vierte Halbleiter weltweit, der etwa als Sim-Karte in Handys steckt, stammt aus den Infineon-Fabriken. Zum Umsatz auf diesem Gebiet macht die Firma keine Angaben. Die Experten von Frost & Sullivan schätzen den Weltmarkt auf 2,3 Mrd. Dollar.

Die EU-Untersuchung ist eine weitere schlechte Nachricht für das Unternehmen. Zuletzt hat Infineon mehrmals für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. In dem am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr stand einem Umsatz von 4,3 Mrd. Euro ein Verlust von 3,1 Mrd. gegenüber. Vorstandssprecher Peter Bauer rechnet zudem für das laufende Geschäftsjahr mit einem Verlust.

Dazu kommt, dass Infineon noch immer keinen Abnehmer für seinen Mehrheitsanteil am Speicherchiphersteller Qimonda gefunden hat. Der Konzern fährt hohe Verluste ein und überlebt nur durch Staatskredite.

Infineon ist nicht der einzige Chiphersteller, den die Kartellwächter durchsucht haben. Auch die französisch-italienische ST Microelectronics, die niederländische NXP, die japanische Renesas und Atmel aus den USA sind nach eigenen Angaben betroffen. ST betonte, die Ermittlungen seien in einem sehr frühen Stadium. Die EU-Kommission erklärte, der Ausgang der Untersuchung sei offen. Es gebe keine Frist, bis wann die Ermittlungen abgeschlossen sein müssten.

Kartellvorwürfe sind für Infineon nichts Neues. 2004 einigte sich der Konzern mit dem US-Justizministerium in einem mehrere Jahre dauernden Wettbewerbsverfahren. Das Unternehmen bekannte sich der Preisabsprache im Geschäft mit Speicherchips für schuldig und akzeptierte 160 Mio. Dollar Bußgeld. Zuvor hatten vier Manager Absprachen mit der Konkurrenz gestanden und Haftstrafen sowie Zahlungen von jeweils 250 000 Dollar akzeptiert. Trotzdem ist die Sache nicht ausgestanden. In den USA laufen noch Klagen wegen der Preisabsprachen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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