Verdi gegen Ministererlaubnis
Saban stundet Springer die Verzugszinsen

Der Mehrheitsgesellschafter des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1, Haim Saban, hat die von Axel Springer zu zahlenden Verzugszinsen von monatlich knapp 25 Mill. Euro gestundet. Das berichteten gestern Finanzkreise.

hps/mm/rob/str HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Vom 23. Januar bis 5. März sollen für Springer keine Kosten anfallen. Damit hat der „Bild“-Konzern erst einmal Zeit gewonnen.

Springer müsste eigentlich Verzugszinsen an Pro-Sieben-Verkäufer Saban zahlen, weil die Übernahme der Sendergruppe nicht mehr fristgerecht zustande kommt. Laut Finanzkreisen hat Saban für sein Entgegenkommen Zugeständnisse erhalten: Springer soll sich noch stärker um eine Ministererlaubnis bemühen und auch Kompromissvorschläge dafür anbieten.

Eine Ministererlaubnis für die geplante Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch den Zeitungskonzern Axel Springer stellt SPD und Gewerkschaften vor eine Zerreißprobe: Bei der Gewerkschaft Verdi stößt das Vorhaben auf Widerstand. „Es kann nicht sein, dass eine Regierung einen Medieninvestor auswählt“, sagte Martin Diekmann, Medienexperte der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dem Handelsblatt. Die Gewerkschaft erhebt zudem grundsätzliche Bedenken: „Wir haben eine Internationalisierung der Wirtschaft. Warum sollte dann im Fernsehbereich ein ausländischer Investor benachteiligt werden?“, fragte der Gewerkschafter. Dies verstoße gegen die Gleichbehandlung von in- und ausländischen Investoren nach EU-Recht.

Der wirtschaftspolitische Sprecher SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, sagte dem Handelsblatt hingegen, die Entscheidung des Bundeskartellamtes sei unter dem Gesichtspunkt des Wettbewerbsrechts „nachvollziehbar und richtig. Nun muss allerdings geprüft werden, ob es übergeordnete Aspekte gibt, die für eine Fusion sprechen.“ Einerseits bliebe Pro Sieben Sat 1 im Falle einer Übernahme durch Springer in deutscher Hand. „Das schafft Sicherheit und Kalkulierbarkeit.“ Allerdings stehe dem entgegen, dass sich dann die beiden großen Unternehmen Bertelsmann und Springer den Markt aufteilen könnten. „Die Frage, was besser ist, lässt sich nicht so ohne weiteres entscheiden.“

Wend appellierte an die Adresse von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), seine Entscheidung im Einvernehmen mit der SPD zu treffen: „Die Ministererlaubnis ist zwar formalrechtlich Sache von Herrn Glos. Er wäre jedoch gut beraten, den Konsens mit dem Koalitionspartner zu suchen.“

Zuletzt hatten sich Unionspolitiker wie der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber dafür stark gemacht, dem „Bild“-Konzern über eine Sondererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Glos die Fusion mit der Sendergruppe (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live) zu ermöglichen. Die drei Mrd. Euro teure Übernahme wird vom Kartellamt und der Medienkommission KEK wegen der Werbe- und Meinungsmacht von Springer abgelehnt. Das Kartellamt wird heute in Bonn seine Gründe für die Ablehnung noch einmal detailliert vortragen.

Unterdessen verlässt Hubertus Meyer-Burckhardt den Vorstand der Pro Sieben Sat 1. Der Vertraute von Springer-Chef Mathias Döpfner war für die Unternehmensentwicklung und Medienpolitik in der Sendergruppe zuständig. Der 49-Jährige wird im Juli den Chefsessel bei der Hamburger Fernsehproduktionsfirma Polyphon („Das Traumschiff“), eine Tochter der ARD-Anstalt NDR, übernehmen. Meyer-Burckhardt sagte: „Filme zu produzieren war immer meine Leidenschaft.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%