Verdi liefert Schaukampf
Telekom-Mitarbeiter streiken nur ein bisschen

Arbeitskampf? Ja, aber in Grenzen. Im Duell gegen die Telekom geht Verdi mit gebremstem Schaum zur Sache. Die Mitglieder sollen ihren Streik bekommen, gleichzeitig will es sich die Dienstleistungewerkschaft nicht mit der Öffentlichkeit verderben. Dass der Streik nur auf Sparflamme läuft, lässt sich an vielen Details ablesen.

DÜSSELDORF/BERLIN. Es ist ruhig. Keine Trillerpfeifen, keine Tröten, keine Sprechchöre. Nur ein paar rot-weiße Plakate künden davon, dass hier 200 Menschen gegen ihren Arbeitgeber protestieren. „Dieser Betrieb wird bestreikt“ und „Wir wehren uns“ steht darauf. Die Schilder hängen vor dem Technikzentrum der Deutschen Telekom in der Düsseldorfer Innenstadt. Im Schutz des Vordachs stehen Tische und Bänke. Einige Demonstranten kauen an einem Brötchen, andere halten einen Becher Kaffee in der Hand.

Sieht so ein Streik aus? Der erbitterte Machtkampf zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem ehemaligen Staatskonzern Telekom, den beide Parteien schrill und polternd angekündigt haben? Ja. Denn für den Streik in Magenta gelten andere Gesetze.

Verdi hat sich mit seinem Widerstand gegen die Pläne von Telekom-Chef René Obermann in eine Zwickmühle hineinmanövriert. Die Gewerkschaft kann der vorgesehenen Ausgliederung von 50 000 Telekom-Mitarbeitern, die künftig für weniger Geld länger arbeiten sollen, nicht zustimmen und hat es daher bis zum Streik kommen lassen. Denn Lohneinbußen wären der Basis nicht zu vermitteln, heißt es auf der Arbeitnehmerseite.

Gleichzeitig will Verdi aber die öffentliche Unterstützung für ihr Projekt nicht verspielen und deshalb die Auswirkungen für die Privatkunden in Grenzen halten. Ein schwieriger Spagat, der zu einem sorgfältig kontrollierten Arbeitskampf führt.

Magere Beteiligung

Seit dem Beginn der Warnstreiks Mitte April haben im Schnitt weniger als 4 000 Menschen pro Streiktag die Arbeit niedergelegt – nicht gerade viel angesichts des Potenzials von gut 23 000 Telekom-Beschäftigten, die Verdi in den Ausstand rufen könnte. Der Rest der 50 000 Beschäftigten, die nach dem Willen der Telekom künftig Teil einer neuen Serviceeinheit sein sollen, sind Beamte, die ohnehin nicht streiken dürfen.

Kein Wunder, wenn Analysten das Duell zwischen Telekom-Spitze und Verdi kalt lässt: „Ein Streik wird den Kundenschwund der Telekom weder beschleunigen noch verstärken“, sagt Jochen Reichert SES Research. Und hinter vorgehaltener Hand ist auch aus dem Konzernumfeld zu hören, dass der Streik bislang keine gravierenden Folgen hatte.

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