Vereinbarung mit Wohnungsverband
Telekom greift Kabelkonzerne mit IP-TV an

Die Deutsche Telekom hat eine größere Kooperation für die Verbreitung ihres Internetfernsehen geschlossen. Der Bonner Konzern gab eine Vereinbarung mit dem größten Verband der deutschen Wohnungswirtschaft, GdW, bekannt. Künftig sollen Immobilienbetreiber entscheiden können, ob sie den Kabelanbietern oder der Telekom den Zuschlag für die Multimedia-Aufrüstung der Immobilien erteilen wollen.

BERLIN / DÜSSELDORF. Für die Telekom ist das Geschäft mit dem Internetfernsehen IP-TV ein wichtiger Wachstumsmarkt, der die Umsatzeinbrüche bei der Festnetztelefonie ausgleichen soll. Die Telekom earbeitete mit der GdW Musterverträge, die als Basis für individuelle Abkommen mit den Wohnungsbaugesellschaften dienen sollen. Damit umgehen der Verband und die Telekom einen bislang schwelenden Streit um die Frage, wem die Telefonkabel in den Mietshäusern gehören. Die Telekom sieht das als ihre Infrastruktur an, während die Wohnungsgesellschaften sich als Eigentümer der Kabel betrachten. Dieser Streit hat bislang eine Kooperation der beiden Parteien verhindert.

„Wir bieten eine echte Alternative zum Angebot der Kabelnetzbetreiber“, sagte Philipp Humm, Vertriebschef der Telekom. Die rund 3 000 GdW-Mitgliedsunternehmen bewirtschaften nach eigenen Angaben 6,2 Millionen Mietwohnungen, das sind rund 30 Prozent des Bestands in Deutschland.

Die Kabelkonzerne fürchten den Angriff der Telekom mit ihrem Hoffnungsträger Internetfernsehen nach eigenen Angaben nicht. „Wir haben keine Sorge, dass uns die Telekom das Wasser abgräbt“, sagte am gestrigen Dienstag ein Sprecher von Kabel Deutschland (KDG).

Oft sind Kabelkosten im Rahmen von Gemeinschaftsverträgen Bestandteil des Mietvertrags. Dann müssen die Mieter die Kabelkosten weiter zahlen, selbst wenn sie sich für ein Paket der Telekom entscheiden sollten. Die Telekom will diesen Preisnachteil durch Provisionen und eine Umsatzbeteiligung an die Wohnungsbaugesellschaften mildern. Zur Höhe der Zahlungen wollte sie sich nicht äußern. Auch die Kabelkonzerne beteiligen die Wohnungsgesellschaften an ihren Umsätzen.

Sie sehen ihr Geschäftsmodell durch das Abkommen aber nicht in Gefahr. Die Kabelnetzbetreiber betonen, dass sie bereits seit Jahrzehnten Vereinbarungen mit der Wohnungswirtschaft haben. „Zudem sind wir beim schnellen Internet die Preistreiber nach unten, während die Telekom immer am oberen Preisende agiert“, behauptet der KDG-Sprecher.

Auch der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA) nimmt den Angriff der Telekom gelassen. „Wir glauben nicht, dass viele Wohnungsunternehmen von diesem Angebot Gebrauch machen werden“, sagte Peter Charissé, Hauptgeschäftsführer des ANGA. „Dem stehen meist auch laufende Verträge mit den Kabelnetzbetreibern entgegen.“ Die Verträge laufen in der Regel zwischen drei und fünf Jahren. Zudem handele es sich bei der Einigung um eine bloße Rahmenverständigung auf Verbandsebene. Wichtige kommerzielle Details müssten die einzelnen Wohnungsunternehmen noch selbst verhandeln, erklären die Kabelnetzbetreiber.

Für die Kabelkonzerne kommt die Offensive der Deutschen Telekom zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn sowohl der Branchenprimus KDG als auch der Kölner Konkurrent Unitymedia sind dringend auf den Erfolg ihres Triple Play-Angebots angewiesen. Beide Konzerne, die den Finanzinvestoren Providence beziehungsweise BC Partners und Apollo gehören, schreiben noch rote Zahlen.

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