Verfahren eröffnet
Insolvente Agfa Photo kann sich selbst verwalten

Das Amtsgericht Köln hat am Montag das Insolvenzverfahren über das Vermögen der zahlungsunfähigen Agfa Photo GmbH eröffnet. Gleichzeitig ordnete das Gericht Eigenverwaltung an.

HB LEVERKUSEN. Geschäftsführer Hans-Gerd-Jauch sagte, diese Möglichkeit, das Unternehmen selbstständig weiterführen zu können, sei ein deutliches Signal für die Märkte und erhöhe die Chancen der Traditionsmarke. Der Sachwalter der Gläubiger, Andreas Ringstmeier, betonte: "Die Entscheidung des Gerichts ist ein besonderes Signal für den Gläubigerschutz". Bis zum 16. September könnten Gläubiger Forderungen anmelden. Das Gericht hat für den 11. Oktober einen Berichtstermin anberaumt.

Außerdem einigten sich Geschäftsführung und Gesamtbetriebsrat auf einen Interessenausgleich und Sozialplan. Danach werde 707 von insgesamt 1787 Mitarbeitern der Agfa Photo GmbH bis zum Ende des dritten Quartals der Wechsel in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft angeboten. Mitte Juli war noch eine Zahl von rund 900 genannt worden.

In dieser Gesellschaft, deren Finanzierung gesichert sei, sollen sie ein Jahr lang betreut werden. Während der Zeit soll das Gehalt bei 90 Prozent des bisherigen Entgelts liegen, die Mitarbeiter haben zudem Anspruch auf 30 Urlaubstage.

Vereinbart wurde, an den Standorten Leverkusen und Köln mit 597 statt bisher 927 Beschäftigten weiter zu arbeiten. In München sinkt die Mitarbeiterzahl von 298 auf 168, in Windhagen (Rheinland-Pfalz) von derzeit 250 auf 121. Am bayerischen Standort Peiting werde 76 von 177 Mitarbeitern der Wechsel in die Beschäftigungsgesellschaft angeboten. Im württembergischen Vaihingen an der Enz arbeiten künftig noch 40 statt bisher 82 Beschäftigte.

Neue Perspektiven gebe es für die beiden Standorte in München und Peiting: Jauch äußerte sich zuversichtlich, Technik und Produktion der Groß-Labore fortführen oder verkaufen zu können. „Für den Bereich der Minilaborgeräte zeichnet sich ebenfalls eine Lösung ab“, sagte er. „Entsprechende Gespräche mit vor allem amerikanischen Kunden sind vielversprechend. Auf Investorenseite werden wir unsere Gespräche über ein Joint Venture weiter fortsetzen.“ Derzeit werde intensiv geprüft, die Filmproduktion fortzuführen. Die Sparten Film und Fotopapier sind an den Standorten Leverkusen und Windhagen, die Filmchemie in Vaihingen an der Enz.

Agfa Photo hatte Ende Mai wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die Produktion konnte nach anfänglichen Schwierigkeiten fortgeführt werden. Agfa Photo war vom belgischen Konzern Agfa-Gevaert im November 2004 an Investoren verkauft worden. Das Unternehmen hatte zuvor jahrzehntelang zum Bayer-Konzern gehört.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%