Verfahren gegen Google Brüssel nimmt auch die Online-Werbung ins Visier

Die EU-Kommission weitet ihr Wettbewerbsverfahren gegen den Internetriesen Google aus. Konkrete Vorwürfe gibt es nun auch im Anzeigengeschäft – der zentralen Einnahmenquelle von Google sowie des Mutterkonzerns Alphabet.
Update: 14.07.2016 - 14:00 Uhr
Die EU-Kommission weitet das Verfahren gegen den Internetriesen aus. Quelle: AFP
Google

Die EU-Kommission weitet das Verfahren gegen den Internetriesen aus.

(Foto: AFP)

BrüsselDie EU-Kartellwächter werfen dem Internet-Riesen Google erstmals auch unfairen Wettbewerb in seinem Kerngeschäft mit Suchmaschinen-Werbung vor. Dabei geht es um den Teildienst „AdSense for Search“, bei dem andere Websites Google-Suchmasken einbinden können. Unter anderem schränke der Konzern die Möglichkeiten dieser Anbieter ein, auch Suchmaschinenwerbung von Googles Rivalen anzuzeigen, erklärte die EU-Kommission am Donnerstag. Zusätzlich bekräftigte die Behörde ihre Vorwürfe im Wettbewerbs-Verfahren zur Shopping-Suche.

„Wir glauben, dass das Vorgehen von Google den Verbrauchern geschadet hat, weil sie die Suchergebnisse angezeigt bekommen, die Google ihnen zeigen will und nicht unbedingt diejenigen, die relevanter sind“, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager dazu in Brüssel. Auf die Frage, wie häufig Google in den Suchergebnissen eigene Dienste nach oben schiebe, antwortete sie, die Kommission sehe ein solches Verhalten „sehr, sehr, sehr oft“.

Bei den Suchmasken auf anderen Websites stört sich die Kommission unter anderem daran, dass einige Kunden Google eine Mindestzahl von Suchmaschinenanzeigen abnehmen und dafür den am besten sichtbaren Platz reservieren müssten. Außerdem dürfe konkurrierende Suchmaschinenwerbung weder über noch neben Googles Suchmaschinen-Anzeigen platziert werden, kritisierte die Brüsseler Behörde.

Es ist der dritte Bereich, in dem die Kommission Google in einem sogenannten „Statement of Objections“ unfairen Wettbewerb vorwirft und Änderungen fordert. In den ersten beiden Verfahren, die auf diese Eskalationsstufe kamen, geht es um Shopping-Angebote und das weltweit dominierende Betriebssystem Android. Zu den Shopping-Diensten hieß es jetzt, Google seien weitere Beweismittel und Daten übermittelt worden, die die Vorwürfe der Kommission untermauerten.

Auch das Werbegeschäft untersuchen die Brüsseler Kartellwächter schon seit Jahren. Google wies die Vorwürfe wettbewerbswidrigen Verhaltens stets zurück. Am Donnerstag erklärte der Konzern in einer ersten Reaktion: „Wir glauben, dass unsere Innovationen und Produkt-Verbesserungen die Auswahl für europäische Verbraucher vergrößert und den Wettbewerb vorangebracht haben.“ Man werde die Vorwürfe der Kommission nun prüfen. Der Konzern hat zehn Wochen Zeit für eine Stellungnahme.

Das sind die neuen Projekte von Google
Google Assistant
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Ein smarter Assistent, mit dem man sich unterhalten kann, soll in der Sicht von Google-Chef Sundar Pichai viel mehr als die klassische Suche bieten. Die Idee ist, dass man jede Frage stellen oder Aufgabe erteilen kann - und mit Hilfe von Spracherkennung und künstlicher Intelligenz kümmert sich Google darum.

Google Home
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Der vernetzte Lautsprecher soll den Sprachassistenten ab Herbst in den Haushalt bringen. Geplant ist eine ganze Plattform mit Schnittstellen für Geräte und Dienste anderer Hersteller. Der Lautsprecher muss immer zuhören, damit er keine Aufträge verpasst.

Android N
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Für die nächste Version des dominierenden Smartphone-Systems wurden einige neue Funktionen vorgestellt wie die Möglichkeit, auch auf einem Telefon zwei Apps nebeneinander laufen zu lassen. Für die Auswahl des endgültigen Namens – Google benennt die Android-Versionen traditionell in alphabetischer Reihenfolge nach Süßigkeiten – wurde eine Umfrage gestartet.

Instant Apps
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Heute muss man warten, bis sich eine App komplett heruntergeladen hat. Die Idee von Instant Apps ist, die Anwendung in kleine Fragmente zu teilen, damit man schon sofort anfangen kann, sie zu nutzen. Dabei werden weitere Teile bei Bedarf nachgeladen.

Daydream
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Google will das Zukunftsfeld virtuelle Realität nicht Vorreitern wie Facebooks Oculus oder Samsung überlassen und startet eine eigene Plattform mit dem Namen „Daydream“ (Tagtraum). Sie soll mit der Zeit auf hunderten Millionen Smartphones verschiedener Hersteller verfügbar sein.

Allo und Duo
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Google will gegen die Übermacht der Facebook-Dienste WhatsApp und Messenger mit einem eigenen Kurzmitteilungs-Service ankämpfen. Allo soll sich auf Googles künstliche Intelligenz stützen und dem Nutzer selbst passende Antworten sowie Restaurants und Kinofilme vorschlagen. Der Inhalt von Bildern wird ausgewertet, um die richtigen Kommentare anzubieten. Die Videochat-App Duo soll gegen viele Rivalen wie Apples Facetime, Skype oder ähnliche Funktionen in den Facebook-Diensten antreten.

Android Wear
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Google aktualisiert das Betriebssystem für Computer-Uhren auf Android-Basis. Unter anderem wird man Text auch eine über kleine Tastatur oder per Schrifterkennen eingeben können. Außerdem können künftig alle Apps mit einzelnen Funktionen direkt ins Zifferblatt integriert werden.

Rund 90 Prozent der Google-Umsätze von 74,5 Milliarden Dollar kamen im vergangenen Jahr aus dem Geschäft mit Online-Werbung. Dabei bringen Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche nach wie vor das meiste Geld ein. Beim neuen Dachkonzern Alphabet steuerten alle anderen Geschäftsbereiche neben Google nur knapp 450 Millionen Dollar Umsatz bei. Es geht somit um den Kern des Geschäfts des gesamten Konzerns.

Google droht eine Milliardenstrafe
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