Verhaltener Optimismus
Elektronikbranche verliert weitere Stellen

Die deutsche Elektroindustrie ist in Anbetracht der sich abzeichnenden großen Koalition vorsichtig optimistisch. Im laufenden Jahr spürt die Branche jedoch keinen Aufschwung, weshalb auch ein weiterer Stellenabbau droht.

HB FRANKFURT. „Wir sehen derzeit nicht mehr als ein Prozent Umsatzwachstum in unserer Branche“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), Gotthard Graß, am Montagabend in Frankfurt. „Der Trend des Frühsommers setzt sich fort. Es ist vorerst kein Aufschwung erkennbar“, fügte er am Rande einer Veranstaltung hinzu. „Das heißt auch, dass wir weiterhin Arbeitsplätze verlieren.“

Der ZVEI hatte im Juli wegen der anhaltend schwachen Nachfrage aus Deutschland und rückläufigen Auftragseingängen aus dem Ausland seine Wachstumsprognose für dieses Jahr gesenkt. Danach dürfte der Branchenumsatz nur noch um ein Prozent auf knapp 165 Mrd. € zunehmen. Im vorigen Jahr hatte Deutschlands zweitgrößte Industriebranche, deren Verband rund 1400 Firmen repräsentiert, ihren Umsatz noch um 5,5 % auf knapp 163 Mrd. € erhöht.

Die Zahl der Beschäftigten war bis Ende Mai nach ZVEI-Angaben auf weniger als 800 000 gesunken, dem niedrigsten Stand in der Branche seit 1959. Von Jahresbeginn bis Ende Mai waren 7 000 Stellen verloren gegangen. „Diese Entwicklung hält leider an“, sagte Grass. Zahlen will der ZVEI in gut einem Monat vorlegen.

Angesichts einer sich abzeichnenden großen Koalition setzt die deutsche Elektroindustrie auf vorsichtigen Optimismus. Durchgreifende Reformen seien „schwierig, aber immer noch möglich“, sagte ZVEI-Präsident Edward Krubasik am Montagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. „Wir erwarten von einer großen Koalition, dass sie große Probleme löst.“

Allerdings dürften sich CDU/CSU und SPD nicht auf „Kompromisse aus Image-Gründen“ einlassen. Stattdessen sollten sich die Parteien „die Freiheit nehmen, auch alternative Koalitionen auszuloten“, meinte Krubasik, der Mitglied im Siemens-Zentralvorstand ist.

Der ZVEI-Präsident warnte die Politiker davor, bei Reformen „nur auf Restrukturierungsthemen“ zu setzen. Um durch Wachstum Arbeitsplätze zu schaffen, müsse auch überlegt werden, wie neue Investitionen in Deutschland getätigt werden könnten. Sinnvoll seien dabei freundlichere Rahmenbedingungen für Unternehmensgründer, zum Beispiel durch weniger und bessere Regulierung.

Bei High-Tech-Infrastrukturen in den Bereichen Energie, Bahn oder Gesundheit gebe es einen Investitionsstau von rund 50 Mrd. €. In Zeichen leerer öffentlicher Kassen sollten daher bei der Finanzierung verstärkt Partnerschaften mit der Industrie eingegangen werden, forderte Krubasik.

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