Verhandlungen mit klagenden Aktionären
Mobilcom und Freenet kommen bei Fusion offenbar voran

Mobilcom ist seinem Ziel, mit der Tochter Freenet zu verschmelzen, offenbar ein Stück näher gekommen. Nach Ansicht des Kieler Landgerichts sind die Chancen auf einen außergerichtlichen Kompromiss mit klagenden Freenet-Aktionären gestiegen.

HB KIEL. „Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung hat sich verdichtet“, zitierte ein Gerichtssprecher den zuständigen Richter Hinnerk Rix am Freitag in Kiel. Den Streitparteien solle eine weitere Woche Zeit gegeben werden, um einen Vergleich unter Dach und Fach zu bringen. Ein für diesen Freitag geplanter Verkündungstermin im so genannten Freigabeverfahren wurde entsprechend um eine Woche auf den 18. August verschoben.

Ein Mobilcom-Sprecher sagte, das Unternehmen bemühe sich weiterhin um eine Einigung, wolle sich aber zu den Chancen nicht äußern. Die Gespräche mit den Kleinaktionären, die gegen den Zusammenschluss geklagt hatten, liefen weiter.

Bei den Börsianern wächst die Zuversicht, dass der Mobilfunk-Dienstleister Mobilcom und der DSL- und Festnetzanbieter Freenet zusammenkommen: Die Mobilcom-Aktie wurde vormittags 5,6 Prozent höher gehandelt, bei Freenet waren es 6 Prozent.

Zweites Gerichtsverfahren

Die Anteilseigner von Freenet und Mobilcom hatten die Fusion der beiden Telekommunikationsfirmen im vergangenen August mit großer Mehrheit gebilligt. Der Vollzug ist aber durch Klagen von zwei Dutzend Kleinaktionären blockiert. Mit ihnen verhandelt der Vorstand von Mobilcom seit Wochen über einen außergerichtlichen Kompromiss. In zwei Freigabeverfahren in Kiel und Hamburg geht es darum, ob Freenet und Mobilcom trotz der Aktionärsklagen vor dem Ende eines zu erwartenden Gerichts-Marathons verschmolzen werden können.

Das Kieler Landgericht hatte die Entscheidung über die Freigabe der von Mobilcom beantragen Fusion schon einmal verschoben, um den Streitparteien Zeit für einen Kompromiss zu geben. Das Hamburger Gericht will seine Entscheidung am 23. August bekannt geben.

Mobilcom soll mit Freenet verschmolzen werden, um Festnetz, Internet und Mobilfunk aus einer Hand anbieten zu können. Aus dem gleichen Grund hatte die Deutsche Telekom ihre Tochter T-Online wieder eingegliedert. Auch hier hatten Kleinaktionäre rebelliert.

Mobilcom hat bewegte Geschichte

Ein Streit zwischen Unternehmensgründer Gerhard Schmid und dem damaligen französischen Hauptaktionär France Telecom hatte Mobilcom vor fast drei Jahren an den Rand der Pleite gebracht. Der als Wiederverkäufer von Mobilfunk-Verträgen tätige Telekommunikationsanbieter hatte für 8,4 Mrd. Euro eine UMTS-Lizenz ersteigert. Im Zuge der von France Telecom finanzierten Rettung musste Schmid seinen Posten als Vorstandschef räumen und alle seine Mobilcom-Anteile verkaufen, während die Franzosen 7,1 Mrd. Schulden des Unternehmens übernahmen. Mobilcom verzichtete auf den Aufbau eines eigenen UMTS-Netzes.

France Telcom war mit 28 Prozent größter Mobilcom-Aktionär. Im Mai 2005 hat der US-Finanzinvestor TPG die Anteile übernommen.

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