Verhandlungen von ARD und ZDF mit Sportrechtevermarkter Infront sind blockiert
RTL und Pro Sieben wollen beim Poker um die WM 2006 mitmischen

Deutschlands Privatsender interessieren sich für die Übertragung von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

hps DÜSSELDORF. „Wir sind am Rechteerwerb interessiert“, sagte am Mittwoch eine Sprecherin der Pro Sieben Sat 1 Media AG. Auch der Marktführer RTL will mitmischen. „Wir prüfen jetzt alle sinnvollen Optionen“, sagte Informationsdirektor Hans Mahr. Gespräche sind laut RTL aber noch geführt worden.

Bei ARD und ZDF rennen Pro Sieben Sat 1 und RTL mit ihrem Interesse für das wohl wichtigste Medienereignis in diesem Jahrzehnt offene Türen ein. In Kreisen der öffentlich-rechtlichen Sender kann man sich die Privaten als Juniorpartner für die Weltmeisterschaft 2006 gut vorstellen. Dennoch setzen ARD und ZDF darauf, wie ursprünglich geplant, alle WM-Spiele zu erwerben, um sie dann später an Bertelsmann oder die ehemalige Senderfamilie von Leo Kirch zu verkaufen. Gegenwind von der Politik erwarten die Öffentlich-Rechtlichen nicht. Bereits Ende letzten Jahres signalisierten verschiedene Politiker, dass alle Sender bei der WM in Deutschland an einem Strang ziehen sollten.

Unterdessen sind die Gespräche zwischen ARD und ZDF mit dem im schweizerischen Zug ansässigen Rechtevermarkter Infront in eine schwierige Phase geraten. „Die Verhandlungen sind blockiert“, sagte gestern ein ARD-Sprecher. Die Sender hätten ihre Option bis Ende Januar gezogen und wie erwartet ein Angebot für 24 der insgesamt 64 Spiele abgegeben.

Die Verhandlungen haben sich an den unterschiedlichen Preisvorstellungen festgefahren. Ein Insider sagte gestern: „Die Vorstellungen liegen bisher weit auseinander.“ Die Verhandlungen, die auf Seiten der ARD vom stellvertretenden WDR- Intendanten Norbert Seidel und auf Seite des ZDF vom Verwaltungsdirektor Hans Joachim Suchan geführt werden, seien bisher „angenehm, aber hart“ gewesen.

ARD und ZDF sind offenbar nicht bereit für alle 64 Spiele die von Infront geforderten rund 350 Mill. Euro zu zahlen. Schon 250 Mill. Euro sind dem Vernehmen nach für ARD und ZDF zu viel. Derzeit stehen die Öffentlich-Rechtlichen wegen des Streits um die Gebührenerhöhung ab 2005 unter großem Druck.

Infront sucht deshalb nach einer Alternative. „Wir werden jetzt feststellen, wie es bei den anderen Sendern aussieht“, sagte Infront-Manager und Ex-Nationalspieler Günter Netzer der Wochenzeitung „Die Zeit“. Angesichts des schwierigen TV-Werbemarktes stehen aber auch die privaten TV-Unternehmen unter Renditedruck.

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