Verhandlungslösung unwahrscheinlich
EU-Kartellstrafe gegen Microsoft steht kurz bevor

EU-Wettbewerbskommissar Monti drängt in dem Streit mit dem Softwaregiganten auf Eile.

sce/tnt BRÜSSEL/FRANKFURT. Das Kartellverfahren gegen Microsoft steht vor dem Abschluss. Wie aus Kommissionskreisen in Brüssel verlautete, will EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti „innerhalb weniger Wochen“ gegen den Software-Giganten eine Entscheidung treffen. Eine Verhandlungslösung mit dem US-Unternehmen sei jetzt „sehr unwahrscheinlich geworden“, hieß es in Brüssel.

Die EU-Kommission wirft Microsoft vor, seine Marktmacht als Monopolist beim Betriebssystem Windows auszunutzen, um Mitbewerber auf verwandten Software-Märkten wie den Servern und Multimediaprogrammen zu verdrängen. Wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung droht dem Unternehmen ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe.

Ungeachtet der harten Linie der europäischen Wettbewerbsbehörde hofft Microsoft-Gründer Bill Gates aber immer noch auf eine gütliche Einigung in letzter Minute. „Wir können unsere Differenzen ähnlich friedlich lösen wie uns das mit der US-Regierung gelungen ist“, sagte Gates dem Handelsblatt am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Wenn es hilfreich sei, so Gates, werde er „persönlich“ ins Flugzeug steigen, um sich mit Mario Monti zu treffen. „Es ist alles gesagt worden“, verlautete dagegen aus Montis Umgebung. Eine solche Begegnung sei nicht mehr sinnvoll. Es gebe von Seiten der Kommission „keine fundamentale Neubewertung des Falles“.

Die plötzliche Eile Montis im Fall Microsoft hängt offenbar mit der zum 1. Mai geplanten EU-Osterweiterung zusammen. Der Kommissar wolle das Verfahren abschließen, bevor die neuen osteuropäischen Mitgliedsländer sich dazu äußern können, erläuterte ein mit dem Fall vertrauter Kommissionsbeamter. Die Wettbewerbsbehörde muss bei jedem Kartellverfahrens allen Mitgliedsländern die Möglichkeit zur Stellungnahme geben. Monti fürchte, dass sich die traditionell US-freundlichen Beitrittsländer zu Gunsten von Microsoft aussprechen und das Bild der Geschlossenheit trüben, heißt es.

Ende vergangener Woche hatte der weltgrößte Softwarekonzern zudem seine Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2004 (31.12.2003) vorgelegt. Mit einem Rekordumsatz von 10,2 Mrd. $ überstiegen Quartalserlöse erstmals die Grenze von 10 Mrd. $. Vor allem die steigende Nachfrage nach PCs führte laut Finanzchef John Connors zu einem zweistelligem Umsatzwachstum bei den Kernprodukten „Windows XP“ und der Bürosoftware „Office“.

Gleichzeitig sackte jedoch der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 % auf 1,6 Mrd. $ ab. Den Gewinneinbruch begründete Microsoft mit zwei Effekten: Zum einen durch Sonderkosten in Höhe von 2,2 Mrd. $ für die Ablösung von Mitarbeiter-Aktienoptionsprogrammen. Microsoft hatte zahlreichen Mitarbeitern angeboten, ihre Aktienoptionen zu verkaufen. Statt dessen erhalten diese nun Zusatzvergütungen in Form von Microsoft-Aktien. Das Motiv war die wachsende Unzufriedenheit mit den Optionsprogrammen, da deren Attraktivität an einen weiteren starken Kursanstieg der Aktie in den kommenden Jahren gekoppelt ist, mit dem das Unternehmen derzeit scheinbar nicht rechnet.

Ein weiterer Grund für die sinkenden Gewinne sehen Analysten im rückläufigen Geschäft langjähriger Lizenzabkommen mit Unternehmenskunden. Offensichtlich zögern immer mehr Unternehmen auf Grund knapper Kassen und des Wettbewerbs durch Linux-Software, sich für mehrere Jahre auf Microsoft-Produkte festzulegen. Das gibt laut Analysten Anlass zu der Befürchtung, dass der Umsatz in der Zukunft sinken könnte.

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