Verkauf abgeblasen
Telekom hält an Funktürmen und der 11833 fest

Die Deutsche Telekom hat sowohl den Verkauf der Auskunft 11833 als auch den der eigenen Funktürme abgeblasen. Zumindest bei der Auskunft soll der Verkauf nach Angaben aus Unternehmenskreisen aber nicht am Preis gescheitert sein.

HB DÜSSELDORF. Die Telefonauskunft und die Funkturmgesellschaften in Deutschland und den USA stehen beide auf der Liste der Randbereiche, deren Verkauf der Bonner Konzern seit einigen Monaten prüft. Die Telekom habe sich nach zahlreichen Gesprächen mit Kaufinteressenten und eingehender Prüfung nun aber gegen eine Veräußerung entschieden, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Details nannte er nicht.

Man habe sich entschieden, das Auskunft-Geschäft selbst weiter zu entwickeln, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Donnerstag zu Dow Jones Newswires. Die Auskunft liefere einen positiven Ebitda-Beitrag, und es habe deshalb keinen Druck gegeben, sich von dem Geschäft zu trennen. Bei den Funktürmen, die das Unternehmen nun ebenfalls behalten will, sei die wirtschaftliche Situation zwar schwieriger. Hier habe die wirtschaftliche Logik den Ausschlag dafür gegeben, die Funktürme zu behalten.

In Konzernkreisen hieß es zu den Funktürmen, zwar habe es eine Reihe von Interessenten gegeben. Doch die Veräußerung habe aus bilanztechnischer Sicht keinen Sinn ergeben, denn die Telekom hätte die Funktürme zurückmieten und weiter bilanzieren müssen. Analysten hatten allein den Wert der US-Funktürme auf rund 1,2 Mrd. Dollar geschätzt. Die Deutsche Funkturm betreibt und vermarktet Antennenstandorte für Mobilfunk, Richtfunk und Rundfunk, darunter 500 Türme wie den am Berliner Alexanderplatz und den "Colonius“ in Köln.

An der Telefonauskunft waren nach Unternehmenskreisen 20 Interessenten aus dem In- und Ausland - vor allem Call-Center-Betreiber - interessiert. Als Höchstgebot für den Marktführer vor der Auskunft des Konkurrenten Telegate wurde am Markt ein Betrag von gut 500 Mill. Euro genannt. Für die Telekom-Auskunft arbeiten 40 Mitarbeiter des Konzerns, weitere etwa 150 Beschäftigte nehmen in ausgelagerten Call-Centern die Anrufe entgegen. Die Auskunft macht operative Gewinne und setzt jährlich einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag um.

Telekom-Chef Rene Obermann hatte im März angekündigt, den Verkauf von Randbereichen zu prüfen, und das Geld in neue Wachstumsfelder zu stecken. Der Konzern verkaufte etwa seine Internettöchter in Spanien und Frankreich, die Technik-Sparte VTS sowie den Mediendienstleister Media & Broadcast. Geprüft wird der Verkauf der DeTeImmobilien mit etwa 6500 Beschäftigten. Größter Brocken ist die Partnersuche für das Geschäftsfeld Systems Integration der Tochter T-Systems, das im In- und Ausland rund 15 000 Mitarbeiter beschäftigt. Auf der anderen Seite stärkte Obermann das Mobilfunkgeschäft mit Zukäufen in den USA und den Niederlanden.

Die Gewerkschaft Verdi hat Obermann deshalb vor einem neuen Konflikt gewarnt. Von Verkäufen und Umstrukturierungen könnten nach Verdi-Angaben rund 35 000 Mitarbeiter des Konzerns betroffen sein. Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder warnte die Telekom davor, ihre Probleme am Heimatmarkt auf Kosten der Mitarbeiter lösen zu wollen.

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