Verkauf der "Berliner Zeitung"
Montgomery erhält frisches Geld

Mit dem Verkauf seines Zeitungsgeschäfts in Deutschland verschafft sich der kriselnde Zeitungs- und Internetkonzern Mecom eine finanzielle Atempause. Die angeschlagene britische Mediengruppe wird die BV Deutsche Zeitungsholding, zu der unter anderem die „Berliner Zeitung“ und die „Hamburger Morgenpost“ gehören, für rund 170 Mio. Euro an den Zeitungsverlag DuMont Schauberg verkaufen.

LONDON/DÜSSELDORF. Das berichten Unternehmenskreise. Die Einigung soll voraussichtlich bereits am Freitag bekannt gegeben werden. Eine Bestätigung gab es aber weder von Mecom noch von DuMont („Frankfurter Rundschau“, „Kölner Stadt-Anzeiger“) .

Die „Berliner Zeitung“ ist profitabel. Laut Geschäftsbericht der britischen Mecom-Gruppe steigerte der Berliner Verlag den Umsatz von 102 Mio. Pfund (112 Mio. Euro) im Jahr 2006 auf 109 Mio. Pfund 2007. Im ersten Halbjahr 2008 sank der Umsatz um ein Prozent auf 58 Mio. Pfund, der operative Gewinn fiel mit sieben Mio. Pfund zwölf Prozent niedriger aus.

Mecom ist zum Verkauf von Beteiligungen gezwungen, um die hohen Schulden zu reduzieren, die der Konzern für seine Einkaufstour durch die europäische Zeitungsbranche aufgenommen hat. Der Konzern war zum Stichtag 30. Juni 2008 mit 546 Mio. Pfund verschuldet. Ihm stehen zwar nach einer Refinanzierung im Oktober 2007 Kreditlinien über eine Mrd. zur Verfügung, doch deren Nutzung ist an Bedingungen gekoppelt. So darf die Nettoverschuldung das 3,5-fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nicht überschreiten. Dieser Marke kam das Unternehmen aber Ende 2008 gefährlich nahe, denn das Anzeigengeschäft verschlechterte sich zusehends.

Am 22. Dezember einigte sich Mecom daher mit den Banken, den zum Jahresende anstehenden Test dieser Bedingungen um zwei Monate zu verschieben. Im Gegenzug erhöhte sich der Zinssatz für die Kreditlinie um 1,75 Prozentpunkte.

Der Verkauf der „Berliner Zeitung“ wird offenbar kein Einzelfall bleiben. Nach Angaben aus Branchenkreisen prüft Montgomery auch den Verkauf des 51prozentigen Anteils am defizitären polnischen Unternehmen PWR, zu dem das Wirtschaftsblatt „Rzeczpospolita“ gehört. Als Käufer für die Beteiligung stünde der Medienkonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“) bereit. „Sollte Mecom seine Beteiligung verkaufen wollen, ist das für uns interessiert – wenn der Preis stimmt“, sagte eine Sprecherin.

Der Mecom-Konzern ist durch Zukäufe in Skandinavien, Polen, Deutschland und den Niederlanden rasant gewachsen. In den Jahren 2006 und 2007 stieg der Umsatz von 213 Mio. Pfund auf 983 Mio. Pfund. Unterm Strich blieb jedoch unter anderem wegen der hohen Zinslasten ein Nettoverlust von 21 bzw. 24 Mio. Pfund. Im ersten Halbjahr 2008 hat Mecom 770 Mio. Pfund umgesetzt, dabei allerdings netto 18 Mio. Pfund Verlust gemacht.



Mecom ist im November 2005 beim Berliner Verlag eingestiegen. Das Unternehmen kaufte zunächst nur knapp 15 Prozent der Anteile für acht Mill. Pfund. Die Mehrheit der Aktien übernahm der Finanzinvestor Veronis Suhler Stevenson (VSS). Im Februar 2006 erwarben die Partner auch die „Hamburger Morgenpost“. Im April 2007 kaufte Mecom dann VSS aus dem Verlag heraus. Dabei bewerteten sie das Unternehmen einschließlich übernommener Schulden mit 218 Mio. Pfund.

Die Nettoverschuldung des Berliner Verlags bezifferte die britische Mediengruppe Ende 2006 auf 69 Mio. Pfund. Die Vermögenswerte des Verlags, vor allem Immobilien und Druckmaschinen, betrugen laut Mecoms Geschäftsbericht für das Jahr 2007 26,2 Mio. Pfund.



Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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