Verkauf des Kerngeschäfts steht an
Web.de-Pläne begeistern Aktionäre nicht

Der Internet-Dienstleister Web.de will nach eigenen Aussagen "die erfolgreichste Firma der Welt für Web-Kommunikation werden“. Privatanleger und Aktionärsvereine kritisierten allerdings am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Karlsruhe den Plan, das Unternhemen auf die kleine, unrentable Sparte Internet-Kommunikation zusammenzuschrumpfen. Web.de stellt seinen Aktionären dagegen nach dem geplanten Verkauf seines gleichnamigen Internet-Portals die erstmalige Zahlung einer Dividende in Aussicht.

HB KARLSRUHE. „Der Vorstand denkt darüber nach, eine Dividendenausschüttung vorzunehmen, sofern die Mittel nicht für das Wachstum benötigt werden“, sagte Vorstandsmitglied Matthias Hornberger. Web.de werde nach dem Verkauf seines profitablen Internet-Portals für rund 337 Mill. € an den Konkurrenten United Internet über liquide Mittel in Höhe von knapp 10,70 € je Aktie verfügen. Diese könnte das mehrheitlich von den Firmengründern Matthias und Michael Greve kontrollierte Unternehmen für die von Kleinaktionären seit längerem geforderte erste Dividende der zehnjährigen Firmengeschichte verwenden. „Wir wollen endlich Geld sehen“, verlangten zahlreiche Anleger auf dem Aktionärstreffen.

Am Abend wurde die Hauptversammlung des Internetdienstleisters auf Donnerstagvormittag vertagt. Die Tagesordnung sei zu umfangreich, um sie noch am Mittwoch abzuarbeiten, sagte ein Unternehmenssprecher. Über die Tagesordnungspunkte werde nun im Laufe des Vormittags ab 10 Uhr abgestimmt.

Web.de bietet kostenlose und kostenpflichtige E-Mail-Dienste an und betreibt über Werbeeinnahmen eines der größten Internet-Portale im deutschsprachigen Raum. Damit wurden 98 % der 2004 erzielten Umsätze in Höhe von 43 Mill. € erwirtschaftet. Vor drei Jahren hatte Web.de eine Kommunikations-Plattform für Internet-Nutzer auf den Markt gebracht, deren Verlust den Umsatz im vergangenen Jahr um ein Vielfaches überstieg. Dieser Geschäftszweig soll mit dem Kapitalzufluss aus dem Verkauf des Internet-Portals international ausgebaut werden.

Privatanleger beurteilen die Aussichten des Restgeschäfts dagegen skeptisch. Sie lehnen die Verkaufspläne daher ab und fordern eine gerichtliche Prüfung der Transaktion. So müsse die bei Firmenübernahmen übliche Bewertung der zum Verkauf stehenden Sparte nachgeholt werden. „Das ertragreiche Hauptgeschäft geht weg, und uns drohen jahrelang weitere Verluste“, kritisierte ein Anleger. „Übrig bleibt eine Unternehmenshülle mit viel Geld und einer bisher erfolglosen Allround-Software“, sagte ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Für dieses Jahr plant Web.de ein Nachfolgeprodukt der Plattform, nach deren Name „Combots“ auch die Firma künftig benannt werden soll. Combots soll eine einfache multimediale Kommunikation über Computer, Telefon und Handy sowie einen einfachen Datenaustausch im Internet ermöglichen. „Wir sind überzeugt, dass Combots die Welt erobern wird“, sagte Vorstandsmitglied Greve. Binnen kurzer Zeit „rechnen wir mit 100 Mill. Nutzern“, prognostizierte sein Vorstandskollege Hornberger. Der Zeitpunkt für das Erreichen der Gewinnschwelle könne aber nicht exakt vorhergesagt werden.

„Wann wir die Gewinnschwelle erreichen, hängt von vielen Faktoren ab und kann nicht exakt vorhergesagt werden“, sagte Vorstandsmitglied Matthias Hornberger am Mittwoch auf der Hauptversammlung. Die neue Software Combots soll das bisher nur von wenig Nutzern nachgefragte Produkt Comwin ersetzen. Neben den Betriebskosten von zunächst rund 20 Mill. € im Jahr könnten bei einem solchen Kundenzulauf unter anderem Investitionen in Rechenzentren in Höhe von 50 bis 100 Mill. € anfallen.

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