Verkauf des Mobilfunkgeschäfts
Telecom Italia stößt Mobilfunk ab

Telecom Italia will nach Informationen aus Unternehmenskreisen ihr Mobilfunkgeschäft verkaufen. Der Verkauf könnte dem italienischen Telekommunikationskonzern einen ordentlichen Erlös einbringen. Entsprechende Pläne des Vorstands soll der Verwaltungsrat am Montag absegnen.

kk/jkn MAILAND/FRANKFURT. Die Telecom Italia ändert erneut ihre Strategie. Heute soll der Verwaltungsrat des hoch verschuldeten italienischen Telekomkonzerns über eine weit greifende Umstrukturierung des Unternehmens abstimmen. Die Pläne sehen auch den Verkauf der Mobilfunktochter Telecom Italia Mobile (TIM) vor. Wie aus Kreisen des ehemaligen Staatskonzerns verlautet, soll das Unternehmen in einem ersten Schritt in eine Holding mit den drei Töchtern Mobilfunk, Festnetzinfrastruktur und Medien/Fernsehen umgebaut werden.

Vor allem der Verkauf der Mobilfunksparte ist eine komplette Kehrtwende. Bislang lautete das Mantra des Unternehmens „Konvergenz aus Festnetz und Mobilfunk“. Erst vor einem Jahr hatte das Management die Re-Integration der Mobilfunktochter beschlossen. Sie hat 14 Mrd. Euro gekostet und den ohnehin schon immensen Schuldenberg auf mehr als 44 Mrd. Euro ansteigen lassen. Heute liegen die Schulden bei 41,3 Mrd. Euro.

Telecom Italia steht ähnlich wie die großen Telekomkonzerne in anderen Ländern unter Druck. Vor allem im Festnetz wandern zahlreiche Kunden zur Konkurrenz ab. So hat die Deutsche Telekom in diesem Bereich im ersten Halbjahr eine Million Kunden verloren. Zudem wird die Internettelefonie zu einer immer größeren Konkurrenz für das etablierte Festnetz. Gleichzeitig leiden die Marktführer auch im zukunftsträchtigen Internetgeschäft unter dem wachsenden Wettbewerb und einem massiven Preiskampf. Die Deutsche Telekom hat deshalb vor kurzem eine Preisoffensive angekündigt.

Die Reaktion der Telecom Italia wäre dagegen weitaus radikaler. Nach Medienberichten sind bereits die drei Investmentbanken Banca Leonardo, Rothschild und Mediobanca mit dem Verkauf der Mobilfunktochter beauftragt. Danach hofft das Unternehmen, rund 35 Mrd. Euro für die Telecom Italia Mobile (TIM) zu bekommen. Weitere sechs Mrd. Euro soll die äußerst profitable brasilianische Mobilfunktochter TIM Brasil bringen. Gelingt der Verkauf, könnte Telecom Italia die Schulden mit einem Schlag abbauen.

Als mögliche Interessenten für TIM werden in Medien sowohl Private-Equity-Unternehmen als auch ausländische Konkurrenten wie Telefónica, British Telecom und Deutsche Telekom genannt. Ein Sprecher der Deutschen Telekom wollte zu den Spekulationen gestern allerdings nichts sagen. „Wir kommentieren Marktgerüchte grundsätzlich nicht“, sagte er.

Neben dem Netz, das als reine Infrastruktursparte in einer eigenen Geschäftseinheit weiterbetrieben werden soll, setzt der italienische Konzern künftig auf die Konvergenz aus Fernsehen und schnellem Internet. Gerüchte über eine mögliche Zusammenarbeit mit News Corp sind seit Monaten auf dem Markt. Am vergangenen Donnerstag hat sich der Telecom-Italia-Präsident Marco Tronchetti Provera mit dem Medienzar Rupert Murdoch von News Corp getroffen. Dabei soll es laut Aussagen von Telecom Italia in erster Linie um Inhalte gegangen sein. Danach soll News Corp Telecom Italia in Zukunft unter anderem Filme fürs Fernsehen über Internet liefern.

Marktteilnehmer hatten auch über eine Aktienbeteiligung von Murdoch spekuliert. Diese gilt mittlerweile wieder als weniger wahrscheinlich. Heute wird der Verwaltungsrat über den Ausgang der Gespräche mit Murdoch informiert. Der Verkauf der Mobilfunktochter hätte einen angenehmen Nebeneffekt für den Großaktionär Pirelli. Er hält die Mehrheit an dem Finanzvehikel Olimpia, das wiederum mit einer Beteiligung von nur 18 Prozent Telecom Italia kontrolliert. Da der Aktienkurs der Telecom Italia in den letzten Jahren stark gefallen ist, ist die Beteiligung an Telecom Italia fast zwei Mrd. Euro weniger wert als in Pirellis Büchern.

Tronchetti Provera, der nicht nur Telecom-Italia-Präsident ist, sondern auch Pirelli-Vorstandsvorsitzender, hofft, dass mit dem Schuldenabbau und der Neuausrichtung der Börsenwert der Telecom Italia wieder steigt. Das Kalkül: Medienunternehmen werden von Investoren grundsätzlich höher bewertet als Telekom-Unternehmen. So könnte auch der Wert der Beteiligung von Pirelli steigen. Laut einem Zeitungsbericht von „La Repubblica“ plant Telecom Italia zudem eine außerordentliche Dividende, die über Olimpia auch Pirelli zukäme.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%