Verkauf gescheitert: Aufatmen in Unterföhring

Verkauf gescheitert
Aufatmen in Unterföhring

Bei Pro Sieben Sat1 herrscht Erleichterung nach dem gescheiterten Verkauf an Springer. Aber andere Investoren lauern bereits.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Am Tage der Absage gibt es eine Reihe von Verlierern, die Macher von Pro Sieben Sat1 gehören offenbar nicht dazu: „Bei uns herrscht Erleichterung. Denn nun ist eine Zerschlagung der Senderfamilie vom Tisch“, hieß es gestern aus der Konzernzentrale in München-Unterföhring.

Zwar bedauerte Konzernchef Guilleaume de Posch am Mittwoch offiziell das Scheitern der Übernahme und erklärte, die „Transaktion wäre eine gute Lösung“ für seinen Konzern gewesen. Doch hatten sich die Sorgen angesichts des Zickzack-Kurses von Springer-Chef Mathias Döpfner vor allem in den vergangenen Wochen verstärkt. Entsetzt registrierte man in München, dass Döpfner wegen des Widerstands der Wettbewerbsbehörden zwischenzeitlich sogar bereit schien, den Gewinnbringer Pro Sieben aus der Sendergruppe herauszulösen. Mit der Niederlage von Springer ist nun der Familienzusammenhalt gesichert. „Selbst bei Sat 1 gibt es niemanden, den ein Verkauf von Pro Sieben glücklich gemacht hätte“, sagt ein Insider. Der Berliner Sender Sat 1 und der Unterföhringer Spielfilmkanal Pro Sieben gelten innerhalb des Konzerns nicht als Freunde.

Auch die Börse applaudierte am Mittwoch. Der Kurs der Pro-Sieben-Sat-1-Aktien kannte nur noch eine Richtung: nach oben. Das im MDax notierte Papier legte gestern um fast fünf Prozent auf 19,71 Euro zu, die höchste Notierung seit fast vier Jahren. Auch die Ratingagentur Fitch begleitete das Geschehen mit angenehmen Tönen: Sie bestätigte die Bewertung des Unternehmens mit BBB – bei einem positiven Ausblick.

Senderchef Guillaume de Posch hat demnach trotz aller Turbulenzen Grund zur Zufriedenheit. Der Belgier, ein Vertrauter des Mehrheitsgesellschafters Haim Saban, hatte bis zuletzt die Contenance behalten. Dabei war hinter den Kulissen seit Wochen klar, dass der Konzernchef von der komplizierten und politisch unwägbaren Übernahme alles andere als angetan war. So musste De Posch fürchten, dass bei einer möglichen Zerschlagung des Konzerns womöglich teure Schadensersatzklagen auf den Vorstand zugekommen wären. Hinzu kam die Unsicherheit, wie die TV-Familie mit der Regie eines Print-Konzerns klargekommen wäre. Diese Sorgen sind vom Tisch.

Deshalb richtete Posch den Blick gestern nach vorne: „Wir werden die Gruppe aus eigener Kraft weiterentwickeln und uns weiterhin auf unser operatives Geschäft konzentrieren.“ So will der Konzern sein Kerngeschäft Free-TV stärken und daneben zusätzliche Umsatzquellen auftun. Das Bezahlfernsehen soll dabei nur eine bescheidene Rolle spielen, bis 2008 will der Konzern etwa 15 Prozent seiner Umsätze aus Geschäften außerhalb des frei empfangbaren Fernsehens generieren. Dennoch halten sich Spekulationen, Pro Sieben habe ein Auge auf den Münchener Bezahlkanal Premiere geworfen.

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