Verkauf von Pro Sieben Sat 1
Haim Sabans florierender Diamantenhandel

Die heiße Phase im Bieterwettbewerb um Pro Sieben Sat1 beginnt. Für mindestens drei Milliarden Euro wird Hauptaktionär Haim Saban Deutschlands größte Sendergruppe verkaufen. Eine Handelsblatt-Reportage, wie der Medienmilliardär Saban im Pokerspiel um Pro Sieben Sat1 immer wieder für neue Spannung sorgt.

MÜNCHEN. Nur wenige Schritte vom Touristenmagneten Hofbräuhaus in der Münchener Innenstadt verzehrt Adam Chesnoff seine panierte Hähnchenbrust. Genüsslich zerlegt der Präsident und Chief Operating Officer (COO) des kalifornischen Medienkonzerns Saban Capital Group das Fleischstück im Mandarin Oriental Hotel. In der Belle-Époque-Luxusherberge mit aufwendigen Biedermeier-Möbeln fühlt sich der in der Öffentlichkeit unbekannte Manager wohl. Seit drei Wochen dient ihm das Fünf-Sterne-Haus als Hauptquartier für den Verkauf des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat1.

Das Personal kennt mittlerweile den unscheinbaren, aber gut gelaunten Herrn, der rund um die Edelmeile Maximilianstraße im unscheinbaren, dunkelblauen Kaschmirmantel unterwegs ist. Immer dabei seine dicke,schwarze Louis-Vitton-Tasche, in der er die wichtigsten Zahlen zum bevorstehenden Milliardendeal bereithält.

Sein Lunch wird aber immer wieder unterbrochen von den Nachrichten auf dem bereitliegenden Blackberry. Die E-Mails auf Chesnoffs Mobiltelefon reißen nicht ab. „Der Verkaufsprozess ist in seiner heißen Phase“, sagt ein Beteiligter.

Die zweite Pokerrunde um den Verkauf der Mehrheit an der größten deutschen Sendergruppe (Sat1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live, Maxdome) ist ein bizarres Theaterspiel. Zuletzt gab der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit seinem Fernsehkonzern Mediaset ein kurzes, unrühmliches Intermezzo.

Bereits in der ersten Pokerrunde war der Printkonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“) gescheitert. Vorstandschef Mathias Döpfner hatte für den Mehrheitsanteil von 50,5 Prozent 2,45 Milliarden Euro geboten. Doch das Kartellamt und die Medienkommission KEK durchkreuzten die Fernsehpläne des Zeitungsriesen. Im Februar gab Döpfner dann auf.

Ein Glücksfall für Saban. So hat Chesnoff, das Alter Ego seines Meisters, derzeit leichtes Spiel. Denn der stellvertretende Aufsichtsratschef der Sendergruppe, der selbst mit einem kleinen Aktienpaket beteiligt ist, kann sich über mangelndes Interesse von Kaufinteressenten nicht beklagen. Der Verkauf steht offensichtlich unmittelbar bevor. Chesnoff jedenfalls hofft, Weihnachten wieder ins Millionärsparadies Brentwood, auf halben Weg zwischen Beverly Hills und den Stränden am Pazifik, zurückkehren zu können. Dann versucht er sich, nach langen Verhandlungswochen wieder beim Joggen zu entspannen.

Im Bieterwettbewerb um Pro Sieben Sat1 gibt es noch fünf Interessenten. Das berichten Verhandlungskreise. Neben den Finanzinvestoren KKR und Permira sowie der Gruppe um Goldman Sachs, Apax und Cinven sowie der türkischen Dogan-Yayin-Gruppe bieten noch zwei weitere Bewerber. „Dabei handelt es sich um strategische Investoren und Finanzinvestoren“, heißt es in Verhandlungskreisen. Namen werden aber nicht genannt. Das Konsortium unter Führung der Investmentbank J.P. Morgan wollte nicht Stellung nehmen.

„Pro Sieben ist wie ein Diamant. Je länger man ihn betrachtet, desto größer ist das Verlangen, ihn zu besitzen“, beschreibt ein Beteiligter das große Interesse.

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