Verkauf wird jetzt frühestens im Sommer erwartet
Siemens wird seine Telefonsparte so schnell nicht los

Der Verkauf der verlustreichen Siemens-Telefonsparte SEN verzögert sich. Es werde im April entgegen den Erwartungen in der Branche definitiv keinen Abschluss geben, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

MÜNCHEN. Die Verhandlungen seien äußerst komplex. Daher sei das Thema nicht auf die Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung Ende April gesetzt worden. Ein Desaster wie beim Verkauf der Ex-Handysparte, die ein Jahr nach der Veräußerung an BenQ pleite ging, solle vermieden werden. Laut Informationen aus der Beteiligungsbranche hat der bisherige Favorit Cerberus zudem eine Reihe von Bedingungen gestellt. Daher wird nun mit einem Verkauf frühestens im Sommer gerechnet.

Siemens will die Tochter, die Telekommunikationslösungen für Firmenkunden anbietet, schon länger loswerden. Allerdings soll die Zukunft des Geschäfts anders als bei BenQ Mobile langfristig gesichert werden. "Das darf nicht nach einem Jahr wieder alles Makulatur sein", hieß es in Branchenkreisen. Aus demselben Grund hatte Siemens die Sanierung noch in Eigenregie eingeleitet. Der Konzern kündigte Anfang des Jahres den Abbau von weltweit 6 800 der zuletzt noch 17 500 Arbeitsplätze an und einigte sich inzwischen auch mit den Arbeitnehmern auf die Details des Stellenabbaus in Deutschland.

Der Finanzinvestor Cerberus hatte nach Handelsblatt-Informationen in der ersten Runde das attraktivste Angebot abgegeben. Die Verhandlungen konzentrierten sich seither auf die US-Beteiligungsgesellschaft. Allerdings stellte Cerberus laut Finanzkreisen in den Detailverhandlungen eine Reihe von Bedingungen. Daher musste die Bieterrunde wieder für andere Interessenten geöffnet werden. Chancen werden nun auch wieder den strategischen Investoren Alcatel-Lucent und Nortel zugebilligt. Auch die Beteiligungsfirma Arques hatte sich zeitweise für SEN interessiert. Ein Siemens-Sprecher bekräftigte lediglich, die Verkaufsverhandlungen seien weit fortgeschritten. Zu Details und dem Bewerber-Kreis äußere sich der Konzern nicht.

In Branchenkreisen wird nicht damit gerechnet, dass Siemens netto einen positiven Kaufpreis wird erlösen können. Einzelne Bieter hätten gefordert, dass der Konzern für bis zu zwei Jahre die Verluste trägt. Der Zustand von SEN sei noch schlechter als erwartet, hieß es. Die Sparte hatte im Geschäftsjahr 2006/07 einen Vorsteuer-Verlust von mehr als 600 Mill. Euro gemacht.

Im Unternehmenskreisen wurde betont, dass es keine Zeitnot gibt. In den vergangenen Wochen war spekuliert worden, dass Siemens die verlustreiche Sparte wieder als "fortgeführtes Geschäft" in der Bilanz führen muss, wenn der Verkauf nicht bis zum 30. Juni gelingt. "Das stimmt nicht", hieß es nun. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe bestätigt, dass es keine festen Fristen gebe, wie lange ein Bereich als "zur Veräußerung bestimmt" oder als "nicht fortgeführte Aktivität" geführt werden kann. Vielmehr müsse die Lage jedes Quartal neu überprüft werden. Da SEN weiterhin verkauft werden solle, könne die Sparte auch weiterhin als "nicht fortgeführte Aktivität" geführt werden. Dadurch belasteten die Verluste das operative Geschäft nicht.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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