Verkaufsstart
„Call of Duty“ fegt Avatar vom Entertainment-Thron

Avatar war erfolgreich, "Call of Duty: Black Ops" ist noch erfolgreicher. An einem Tag macht ein Videospiel mehr Umsatz als ein Kino-Blockbuster an seinem ersten Wochenende. Der Ego-Shooter "Call of Duty: Black Ops" bricht beim Verkaufsstart sämtliche Rekorde. Analysten prophezeien dem Spiel einen ähnlichen kommerziellen Erfolg wie dem Kino-Hit Titanic. Die Rede ist von einer Milliarde Dollar.
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DÜSSELDORF. Virtueller Krieg ist kommerziell erfolgreicher denn je. Die neue Kriegssimulation "Call of Duty - Black Ops" brachte dem Hersteller Activision Blizzard am ersten Verkaufstag allein in den USA und Großbritannien rund 360 Mio. Dollar ein. Das entspricht 5,6 Millionen Kopien. Weltweit, so schätzt das Fachportal VG Chartz, legten sich am ersten Tag etwa 7 Millionen Spieler den Titel zu. Es ist der erfolgreichste Verkaufsstart, den jemals ein Computerspiel hingelegt hat. "Das ist ein Blockbuster - wenn man so will "Der Herr der Ringe" der Computerbranche", sagte Piers Harding-Rolls, Analyst für die Spielbranche bei Screen Digest.

Bisher wurde einzig Kinofilmen das Potential zugesprochen, ein Blockbuster zu sein - also ganze Häuserblocks leer zu räumen, weil die Bewohner ins Kino strömten. Mittlerweile fegen allerdings auch die Spiele der "Call of Duty"-Reihe die Straßen leer und fesseln Spieler vor die Bildschirme. Schon der Vorgänger "Call of Duty: Modern Warfare 2" ging am ersten Verkaufstag Ende 2009 allein in den USA und Großbritannien rund 4,7 Millionen Mal über die Theke. Der Erlös lag damals bei rund 310 Mio. Dollar in den ersten 24 Stunden. Einnahmen, die selbst erfolgreiche Hollywood-Filme nicht generieren: James Camerons 3D-Pionierfilm Avatar spielte am ersten Vorführwochenende 242 Mio. Dollar ein.

"Black Ops" könnte eine Milliarde Dollar einbringen

Analysten trauen dem Computerspiel "Black Ops" sogar noch mehr zu. Angesichts der kommenden Weihnachtszeit rechnet Colin Sebastian von Lazard Capital Markets damit, dass Kopien im gegenwert von über einer Milliarde Dollar verkauft werden. Eine magische Marke, die bisher lediglich so bekannte Titel wie der Film Titanic oder Michael Jacksons Musikalbum Thriller durchbrochen hatten. Auch deshalb legt der Analyst Sebastian Anlegern in einem seiner Berichte nahe, Anteile an Activision zu zeichnen.

Als Grund für den außergewöhnlichen Erfolg der "Call of Duty"-Reihe führen Experten die Möglichkeit an, sich im virtuellen Krieg mit anderen Spielern online messen zu können. In "Black-Ops" agieren die Spieler als Spezialeinheiten während des kalten Krieges und absolvieren im Einzelspielermodus unter anderem Missionen in Korea und Kuba. Erst kürzlich hatte dieses Szenario für aufsehen gesorgt, da eine Mission darin besteht, den kubanischen Diktator Fidel Castro mit einem gezielten Kopfschuss zu töten. Die staatlichen kubanischen Medien hatten das Spiel darauf hin als "Unterhaltung für Psychopathen" bezeichnet. Den kommerziellen Erfolg konnte dieser Medienzwischenfall offensichtlich nicht mindern.

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  • @Leonard
    Auch wenn es vielleicht den Anschein erweckt, dass ich keine Ahnung von solchen Spielen habe, liegen Sie mit ihrer Vermutung leider etwas falsch. ich bin aus einer Generation, die mit Ego-Shootern im gewissen Sinne aufgewachsen ist. ich kenne die Ego-Shooter praktisch von der Wiege, da ich mit der Mutter aller Ego-Shooter (Wolfenstein & Doom) sowie auch solchen Spielen wie Dune, Command & Conquer grossgeworden bin. Desweiteren kenne ich so fast ziemlich alle anderen Kultspiele aus diversen Genres der letzten 2 Jahrzehnte.
    Damals gab es allerdings nur wenige solcher Spiele und die waren mit Abstand nicht so krass wie die Spiele heute; heute ist der Spielemarkt regelrecht voll davon. Es ist, wie Sie selber schon sagen, ein Milliardenmarkt. Doch traurigerwese ist kein anderes Spielegenre ist so breit aufgestellt wie die baller- und Kriegsspiele. Das gibt einem doch schon zu denken.

    ich kenne den Krieg allerdings auch aus einer etwas anderen Perspektive. So war ich beim bund und war auch als Sanitäter im Kosovo in den 90ziger Jahren. Dort habe ich viele Dinge gesehen, die nicht für jedes Gemüt wären.
    Weiterhin habe ich Freunde, die in einer Spezialeinheit tätig waren und sogar Freudne in Afghanistan verloren haben.
    ich habe also ein etwas realistischeres bild vom Krieg als die meisten dieser Spieler, für die Krieg nichts bedrohliches mehr zu sein scheint, etwas worüber man hin und wieder mal was in den Medien hört, wenn mal wieder ein paar Soldaten ums Leben gekommen sind. Für die ist Krieg nur noch ein Spielerlebnis. Und genau darin liegt die Gefahr. Die Spiele sind gewalt- und kriegsverherrlichend und eine super Propanda für die amerikanische Armee.
    Wie viele Soldaten werden denn z.b. in den USA rekrutiert, die vollkommen blauäugig und desillusioniert zur Armee gehen wollen, weil sie etwas Action erleben wollen?

    Wenn man sich weiterhin Zahlen über Jugendgewalt an Schulen und bei Kindern anschaut, dann gibt es seit Jahren leider doch einen sehr negativen Trend. Erstens gibt es erschreckend viel Jugendgewalt und zweitens werden diese auch immer jünger und rücksichtsloser. Gehen Sie an eine beliebige Schule und befragen mal die Lehrer. Sie können mir erzählen, was Sie wollen, aber es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Gewalt in Filmen und Spielen und auf dem Schulhof. Auf Sie und mich mögen diese Spiele vielleicht keinen Einfluss ausüben, auf Kinder und Schüler schon...

  • @RobCritic:
    ihr beitrag zeigt, dass Sie eben nicht verstehen um was es bei solchen Computerspielen geht. ich zähle ihrer Definition folgend ebenfalls zu diesen "Wehrdienstverweigerern" und "Warmduschern", ich hatte noch nie eine richtige Waffe in der Hand und hoffe, dass dies auch nie notwendig sein sollte. Spiele wie dieses dienen allein der Unterhaltung und befriedigen auf ihre Weise den männlichen Urtrieb des Kräftemessens. Studien zeigen, dass das Gehirn sehr wohl zwischen virtuellem Kriegsspiel und realem Geschehen unterscheiden kann. Die Verkaufszahlen sprechen bände, nur interpretieren Sie diese m.E. völlig falsch, Computerspiele sind ein milliardenschwerer Massenmarkt für alle gesellschaftlichen Schichten geworden. Darf man vermuten, dass Sie einer Genration angehören der die Kriegsgeschehnisse der Vergangenheit noch präsent sind? Dann ist ihr Urteil aus ihrer Sicht nur allzu verständlich, vergessen Sie jedoch nicht, dass die jüngere Generation diese Erfahrungen glücklicher Weise nicht gemacht hat und aufgrund dessen das virtuelle Spiel nicht mit der Realität verknüpft sieht.

  • ich frage mich ernsthaft, was in der heutigen Gesellschaft so schief läuft, dass das Genre Kriegsspiele so dermaßen erfolgreich ist.
    Liegt es daran, dass die Leute so zu Tode gelangweilt sind und sich am Krieg und am virtuellen Töten so aufgeilen? Oder daran, dass wir so lange keine kriegerischen Konflikte direkt vor unserer Haustür hatten und die gelangweilte Konsumgesellschaft sich eine Ablenkung suchen muss.
    bisher waren die Konflikte immer so weit weg von uns: irak, Afghanistan etc. Das wirkt alles so unwirklich.
    Das paradoxe an vielen Spielern dieser Kriegsspiele ist nur, dass viele von ihnen sich in die Hose scheissen würden, wenn sie sich mal wirklich in einem kriegerischen Gebiet aufhalten würden oder sich mitten in einem reellen - nicht virtuellen - Kugel- und Geschosshagel wiederfinden würden.
    Das Gros dieser "Online Helden" haben nicht mal den Wehrdienst mitgemacht (da verweigert) oder wissen, was es bedeutet, einen guten Freund und Kameraden in einem Gefecht zu verlieren.
    Alles nur Warmduscher, die in einem richtigen Krieg nicht mal 10 min überleben würden...

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