Verkaufsverhandlungen an britisches Firmenkonsortium kommen voran
Streit um Verkauf des Berliner Verlags

Die Verhandlungen über den Verkauf des Berliner Verlags („Berliner Zeitung“) an ein britisches Konsortium um die Mecom plc. schreiten voran. Daran ändern auch die Proteste der Belegschaft nichts.

lip/HB HAMBURG. „Es gibt noch kein unterschriftsreifes Angebot. Doch die Eckpfeiler werden bereits besprochen“, sagt ein Sprecher des Konsortiums auf Anfrage. Die Mecom sowie die beiden Investmenthäuser 3i und Veronis, Suhler Stevenson (VSS) planen seit längerem, den Berliner Verlag von der Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, der auch das Handelsblatt gehört, zu übernehmen. Treibende Kraft der Investorengruppe ist hierbei der ehemalige Verlagschef der britische „Mirror“ Group, David Montgomery. Der Manager sucht nach Investitionsmöglichkeiten auf dem europäischen Zeitungsmarkt, nachdem er vor kurzem die nordirische Zeitungskette „Local Press“ an die Johnston Press mit einem deutlichen Gewinn veräußert hatte.

Dabei blickt Montgomery seit längerem auch auf das Berliner Verlagshaus, um in der deutschen Printbranche Fuß zu fassen. „Der Berliner Verlag soll als Plattform für weitere Akquisitionen in Deutschland dienen“, sagt ein Mecom-Sprecher. Das Interesse ist verständlich: Das Berliner Zeitungsunternehmen mit seinen 400 Mitarbeitern schreibt solide Gewinne. Zum Unternehmen gehören der „Berliner Kurier“ sowie das Stadtmagazin „tip“.

Die Stuttgarter Gruppe Georg von Holtzbrinck will sich von dem Berliner Verlag aus kartellrechtlichen Gründen trennen. Die Zeitungsgruppe hatte den Verlag von der Hamburger Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr (Stern, Geo) übernommen. Er sollte später mit dem ebenfalls in Berlin erscheinenden „Tagesspiegel“ zusammengelegt werden. Das Kartellamt hatte dies jedoch unterbunden mit der Begründung, in der Hauptstadt würde Holtzbrinck dann eine marktbeherrschende Stellung erlangen.

Der Einstieg von Montgomery stößt bei Uwe Vorkötter, Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, auf Gegenwehr. Er befürchtet Einschnitte beim journalistischen Angebot und Profil der Berliner Tageszeitung, falls die Mecom-Gruppe zum Zuge kommt. Überraschend kritisierte Vorkötter am Montag in einem Beitrag „in eigener Sache“ den bevorstehenden Eigentümerwechsel: „Zum ersten Mal würde eine große deutsche Tageszeitung an Investoren verkauft, die nicht von publizistischen Interessen geleitet werden, sondern die ausschließlich den Anlegern der Investmentfonds und den Banken, die sie finanzieren, verpflichtet sind“, schrieb Vorkötter.

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