Verkaufsvorbereitungen
Kabel Deutschland macht sich hübsch

Der Netzbetreiber Kabel Deutschland schaffte in der ersten Hälfte seines abgelaufenen Geschäftsjahrs den Sprung in die Gewinnzone. Zum einen wuchs die Anzahl lukrativer Internet- und Telefonkunden. Zum anderen konnte das Unternehmen mit seinem eigenen Pay-TV-Programm punkten.
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DÜSSELDORF. Neidvoll blickt der Münchener Branchenprimus Kabel Deutschland (KDG) nach Köln zum Konkurrenten Unitymedia. Die Nummer zwei des deutschen Kabelmarktes ist in der vergangenen Woche vom Medienmogul John Malone und des Kabelkonzern Liberty Global für 3,5 Mrd. Euro übernommen worden. Der als zurückhaltend geltende KDG-Boss Adrian von Hammerstein macht vor wenigen Tagen deutlich, dass die Übernahme seines Unternehmens durch einen strategischen Investor „durchaus denkbar“ wäre. In der Branche wird allerdings ein schneller Verkauf bezweifelt. „Wer soll denn so eine Milliardeninvestition überhaupt in diesen Zeiten stemmen?“, fragt ein Brancheninsider in München. KDG-Eigner Providence war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

KDG erreichte schwarze Zahlen

Der Verkauf der KDG durch den Finanzinvestor Providence ist eigentlich überfällig. Im September hat der Wagniskapitalgeber Richard Parsons, früher Chef des Medienriesen Time Warner und der Citigroup, als Berater geholt. Der Amerikaner gilt als exzellenter Kenner des Kabelgeschäfts. KDG-Chef Hammerstein versucht derzeit den Kabelkonzern, der in ganz Deutschland mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg präsent ist, für einen Verkauf zu schmücken. KDG versorgt in Deutschland rund neun Mio. Haushalte. Vor allem die vergleichsweise preiswerten Paketangebote aus Telefonie und Internet bescheren dem Marktführer ein gutes Wachstum. Jetzt hat der Konzern die Grenze von einer Million Kunden in diesem Bereich überschritten.

Insgesamt stiegen die Erlöse in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2009/10 um zehn Prozent auf knapp 736 Mio Euro an. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte sogar um 16 Prozent auf 322 Mio. Euro zu. Die KDG schaffte im ersten Halbjahr auch den Sprung in die schwarzen Zahlen. Das Netto-Ergebnis lag bei vier Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das minus noch bei knapp 21 Mio. Euro. Insgesamt zählt der Konzern fast zwölf Mio. Abonnenten

Ähnlich wie die Konkurrenten Unitymedia und Kabel BW rüstet KDG seit Jahren seine Netze auf. Der Konzern will der Telekom mit schnellen Internetanschlüssen Kunden abjagen. In den vergangenen vier Jahren investierte KDG über eine halbe Milliarde in die Infrastruktur. Nächstes Jahr will der Konzern erstmals Geschwindigkeiten von 100 Mbit pro Sekunde im Internet anbieten.

Die Deutsche Telekom beobachtet die Kabelkonkurrenz mit Argusaugen. Laut einer Studie des Branchenverbandes VATM werden die Telekomanbieter in diesem Jahr nur noch gut zwei Mio. neue Kunden für schnelle Internetzugänge gewinnen. Das ist eine Million weniger als 2008. Bislang spielen KDG, Unitymedia oder Kabel BW noch eine Nebenrolle im Markt des schnellen Internets. Nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg beläuft sich ihr Anteil derzeit auf acht Prozent. In diesem Jahr soll der Anteil aber auf zehn Prozent wachsen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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