Verkaufszahlen sinken
Krise drückt Apple-Umsatz in den USA

Nach Informationen des Wall Street Journal hat der Multimedia- und Computerkonzern aus dem Silicon Valley erstmals seit drei Jahren weniger Macintosh-Computer in den USA verkauft. Prompt bekommen Spekulationen wieder Nahrung, dass Übergangschef Tim Cook nun doch mit einem Billig-Netbook in den Markt kommen wird.

HB DÜSSELDORF. Steve Jobs hatte das noch im Oktober kategorisch abgelehnt. Der größte unabhängige deutsche Apple-Händler, Gravis, meldet derweil für Januar noch ein Geschäft zumindest auf Vorjahresniveau.

Die Verkaufszahlen im US-Markt im Januar seien im Vergleich zum Vorjahresmonat um sechs Prozent gefallen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Zahlen des Marktforschungsinstitut NPD Group. Der Umsatz sank demnach um elf Prozent, der Marktanteil von 16,4 auf 13,7 Prozent. Besonders fatal: Der Verkauf von Computern insgesamt habe aber im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13 Prozent zugenommen.

Ein Sprecher von Apple-Deutschland wollte sich zu den Zahlen nicht äußern, Archibald Horlitz, CEO des größten freien Apple-Händlers Gravis, berichtet Handelsblatt.com für Deutschland von einem Geschäft zumindest "auf Vorjahresniveau": "Kein Wachstum, aber auch keine Hiobsbotschaften", so Horlitz. Der Umsatz liege "im Plan". Sehr gut verkauften sich weiterhin die im Herbst neu eingeführten Laptopmodelle, die Schwäche komme überwiegend aus dem lange nicht überarbeiteten Desktop-Bereich. Für das Gesamtjahr erwartet Horlitz aus heutiger Sicht Nullwachstum und habe sich vorsichtshalber auf der Kostenseite so abgesichert, dass ein Minus von bis zu zehn Prozent verkraftet werden könnte.

Schon seit längerem fürchten Analysten, dass die vergleichsweise hohen Preise für einen Apple-Mac in der aktuellen Krisensituation zu Absatzproblemen führen könnten. Erste Signale hatte es im Weihnachtsquartal bereits gegeben, als der Absatz von Desktop-Computern deutlich eingebrochen war. Nur ein Wachstum bei den Laptops konnte das in der Gesamtrechnung noch ausgleichen. Im Januar war in den USA zumindest dieser Effekt aufgebraucht, so NPD Group. Das Minus von elf Prozent im Umsatz fiel noch deutlicher aus als der Marktanteilsverlust von 16,4 auf 13,7 Prozent. Das untermauert, dass auch Apple-Fans längst den Gürtel enger schnallen müssen und mittlerweile zu den billigeren Angeboten greifen. Das günstigste Apple-Laptop liegt mit 999 Dollar (plus Steuern) aber immer noch weit über den Einstiegsmodellen der Konkurrenz aus dem PC-Lager.

Analysten hoffen jetzt darauf, dass Apple in den kommenden Wochen neue Desktop-PC auf den Markt bringen wird, um die Nachfrage wieder anzukurbeln. Dringend erwartet wird auch eine neue Version des überalterten macMini, des günstigsten Einstiegsrechners von Apple. Nur so könne vielleicht noch vermieden werden, dass das Wachstum im gesamten Quartal ins Minus gerate. Paul Carton, Chefanalyst bei ChangeWave Research sieht sonst ernste Probleme auf Apple zukommen: "Wir sehen hier sinkende Marktanteile in einem auch noch schrumpfenden Markt", warnt er. Seit 2008 werden, speziell im Privatkundenmarkt, in jedem Quartal regelmäßig mehr Laptops und Netbooks als Desktop-PC verkauft. Insgesamt verzeichnete laut Gartner Research der weltweite PC-Markt im Weihnachtsquartal das schwächste Wachstum seit 2002.

Übergangs-CEO Tim Cook soll angesichts der Herausforderungen schon über ein neues "Ultra-portables" Macbook nachdenken, sozusagen ein Art Netbook von Apple, nur teurer. Gründer Steve Jobs hatte zuletzt im Herbst kategorisch den Einstieg in die Billigklasse mit den Worten abgelehnt, er könne sich "nicht vorstellen, etwas für unter 500 Dollar zu bauen, das nicht Schrott sei."

Doch diese Front könnte bröckeln, jetzt wo Steve Jobs krankheitsbedingt ein halbes Jahr Auszeit nimmt. Treffen Schätzungen von Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, zu, dann ist auch der iPod-Absatz im Januar um 14 Prozent eingebrochen. Dann könnte es sogar noch richtig eng werden für das Umsatzwachstum von sechs Prozent auf 7,97 Mrd. Dollar im ersten Quartal 2009, wie es Wall-Street-Analysten befürchten. Ein Apple-Netbook könnte den nötigen zusätzlichen Schub bringen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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