Verlag bläst Übernahme ab
Pro Sieben Sat1 wurde Springer zu teuer

Der Axel Springer Verlag hat die milliardenschwere Übernahme des Münchener TV-Konzerns Pro Sieben Sat1 abgesagt. Die zahlreichen Risiken seien „in der Summe“ zu hoch gewesen. Insbesondere der Kurs der Pro-Sieben-Aktien machte Sorgen. Derweil soll die Senderfamilie selber bereits mit anderen möglichen Käufern sprechen.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Wegen zahlreicher wirtschaftlicher und juristischer Unsicherheiten bei einem weiteren Vorgehen nach dem Veto des Bundeskartellamts entstünden unzumutbare Risiken, teilte Springer am Mittwoch mit. Diese Risiken seien „in der Summe“ zu hoch gewesen, sagte Verlagssprecherin Edda Fels. Damit verzichtet Europas größtes Zeitungshaus („Bild“, „Welt“) auf eine Klage oder eine Sondererlaubnis des Bundeswirtschaftsministers, um das umstrittene Vorhaben doch noch durchzusetzen. Einen Verkauf seiner Beteiligung an Pro Sieben Sat1 schließt Springer nicht aus.

Saban prüft alle Optionen

Das Ende der Pläne sei „nach intensiver Prüfung und sorgfältiger Abwägung“ mit den Pro-Sieben-Sat1-Besitzern, einer Investoren-Gruppe um den US-Milliardär Haim Saban, abgestimmt worden, hieß es weiter. Die TV-Kette bedauerte das Scheitern. „Die Transaktion wäre eine gute Lösung für Pro Sieben Sat1 gewesen“, sagte Vorstandschef Guillaume de Posch. „Wir werden die Gruppe aus eigener Kraft weiterentwickeln und uns weiterhin auf unser operatives Geschäft konzentrieren.“ Saban äußerte sich enttäuscht. Nun würden alle Alternativen geprüft. Er sei aber weiter extrem zufrieden mit der Entwicklung von Pro Sieben Sat1.

Angst vor Neuauflage des öffentlichen Übernahmeangebotes

Edda Fels sagte, „besonders hoch“ erscheine Springer das wirtschaftliche Risiko einer möglicherweise erforderlichen Neuauflage des öffentlichen Übernahmeangebotes an die „außenstehenden“ Pro-Sieben-Aktionäre. Das derzeitige Angebot, das nun nicht mehr wirksam wird, wäre im Juli ausgelaufen. Das Risiko bestehe insbesondere darin, dass der Kurs der Pro-Sieben-Aktie gerade in Erwartung eines neuerlichen Angebots steigen könne. Zwar betrage die Frist für eine Ministererlaubnis vier Monate, aber „sicher ist das nicht“. Der Klageweg dauere möglicherweise noch länger. Beide Verfahren seien überdies offen.

Aktionäre sehen Absage positiv

Der Aktienkurs von Pro Sieben Sat1 hat auf die Nachricht über die endgültige Aufgabe der Übernahmepläne mit deutlichen Kursgewinnen reagiert. Auch Premiere-Titel notierten im Plus. Händler sahen das Scheitern der Übernahme in ersten Reaktionen positiv. Es würden jetzt andere Kaufinteressenten wieder auf den Plan gerufen, hieß es. Neben Venture-Capital-Unternehmen seien Mediaset, NBC, Viacom, die französische TF1 und die Luxemburger SBS Broadcasting-Gruppe mögliche Kandidaten. Ein anderer Marktteilnehmer ergänzte, dass Haim Saban als Pro-Sieben-Sat1-Eigentümer die Verhandlungen nicht beendet hätte, ohne andere Optionen in der Hinterhand zu haben. Pro-Sieben-Papiere gewannen zwischenzeitlich 3,46 Prozent auf 19,45 Euro. Premiere-Aktien zogen um 4,65 Prozent auf 14,84 Euro an.

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