Verlage
Axel Springer dämpft Erwartungen

Der Medienkonzern Axel Springer hat die Wirtschafts- und Anzeigenkrise zu Jahresbeginn zu spüren bekommen und erwartet für dieses Jahr einen kräftigen Ergebnisrückgang. Im ersten Quartal konnte das Verlagshaus seinen Betriebsgewinn dagegen steigern.

DÜSSELDORF. Der Medienkonzern Axel Springer prognostiziert angesichts der Weltwirtschaftskrise einen schweren Gewinnrückgang. „Wir gehen von einem deutlich niedrigeren Ergebnis für das Gesamtjahr aus“, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner bei der Vorlage der Quartalszahlen. „Wir können uns nicht der Krise und ihren Auswirkungen auf den Anzeigenmarkt entziehen.“ Eine konkrete Zahl nannte der frühere „Welt“-Chefredakteur allerdings nicht. Ein Abrutschen in die Verlustzone fürchtet er aber nicht. „Von roten Zahlen sind wir so weit entfernt, dass es kein realistisches Szenario ist“, sagte Döpfner.

2008 erzielte der „Bild“-Konzern bei einem Umsatz von 2,73 Mrd. Euro mit 571 Mio. Euro den höchsten Jahresüberschuss seit der Gründung des Konzerns vor 63 Jahren. Der Rekordgewinn kam aber nicht aus dem Kerngeschäft. Der zeitlich glücklich gewählte Ausstieg bei der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 spülte im vergangenen Jahr 527 Mio. Euro in die Kassen von Springer.

Das Marktumfeld ist für Springer genauso wie für die Konkurrenten Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) und Burda („Focus“, „Bunte“) angesichts rückläufiger Werbeeinnahmen schwierig. Zuletzt war der Medienkonzern Bertelsmann im ersten Quartal in die Verlustzone geraten. Unterm Strich schrieb das Familienunternehmen 78 Mio. Euro Verlust. Im Vorjahreszeitraum betrug das Konzernergebnis der Gütersloher noch 35 Mio. Euro. Auch der amerikanische Konzern News Corp. („Wall Street Journal“, „Sun“, „Times“) von Rupert Murdoch musste im zurückliegenden Quartal eine Halbierung des Gewinns hinnehmen. Das operative Ergebnis sank um 47 Prozent auf 755 Mio. Dollar.

Wie es im deutschen Werbemarkt weitergeht, wollte Döpfner gestern nicht prognostizieren. Marktteilnehmer erwarten aber ein Ende des Abwärtstrends. „Der Boden ist in Sicht“, sagt Michael Enzenauer, Chef der Düsseldorfer Mediaagentur Optimedia. Die Tochter des französischen Werbekonzerns Publicis erwartet einen Netto-Rückgang bei den Werbeeinnahmen für Zeitungen und Zeitschriften von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Springer ist trotz der Rezession noch gut ins Jahr gestartet. Die Erlöse im ersten Quartal gingen zwar um 3,4 Prozent auf 620 Mio. Euro zurück, aber der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 2,1 Prozent auf 80,3 Mio. Euro. Der Konzernüberschuss lag wegen des Verkaufs einer Reihe von Regionalzeitungen bei 213 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum: 450 Mio. Euro).

Axel Springer fährt angesichts des schwierigen Marktumfelds einen harten Sparkurs. „Wir werden Kostensenkungen machen, aber nicht mit dem Rasenmäher“, versprach Döpfner. Eine Einstellung von Titeln sei hingegen nicht geplant. Bei der Wirtschaftspresse von Springer („Euro am Sonntag“) gibt es derzeit Kurzarbeit. Die Börse reagierte gestern positiv auf die Aussichten von Springer. Die vinkulierte Aktie stieg am Donnerstag um 1,77 Prozent auf 64,45 Euro. Noch vor einem halben Jahr notierte das Papier unter 45 Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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