Verlage
Bertelsmann kauft Brockhaus

Nach hohen Verlusten wechselt die legendäre Brockhaus-Enzyklopädie mit 200-jähriger Tradition den Besitzer und erscheint künftig bei Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann. Das Bibliographische Institut als bisheriger Verlag wolle sich auf Geschäftsfelder unter der Marke Duden und das Kalendergeschäft konzentrieren,

HB MANNHEIM. Auch das geplante kostenlose Brockhaus-Internet-Angebot werde nicht umgesetzt. Nach Angaben des Verlags werden die traditionsreiche Marke und alle Brockhaus-Werke an die Bertelsmann-Dienstleistungstochter Arvato verkauft. Über den Preis wurde nichts bekannt. Die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

Mit dem Verkauf trage die Mannheimer Verlagsgruppe den Entwicklungen der vergangenen Jahre Rechnung. Zudem reagiere der Verlag auf den starken Rückgang des Lexikongeschäftes im Buchhandel, sagte Vorstandssprecher Ulrich Granseyer. Wegen des Rückzugs aus dem Geschäftsfeld "Lexikalisches Nachschlagen" werde der Standort Leipzig mit seiner dortigen Online-Redaktion aufgegeben. Betroffen seien 60 Arbeitsplätze, darunter 48 Festangestellte. "Es wird auch Kündigungen geben müssen", sagte Granseyer. Auch für den Standort in Mannheim werde der Verkauf Auswirkungen haben. Einzelheiten nannte Granseyer hierzu nicht.

Das Bibliographische Institut werde sich auf die Marke Duden konzentrieren, sagte er wei0ter. Diese sei bereits in den Bereichen Schulbuch und Lernen stärker vertreten, künftig soll sie auch in der Korrektursoftware und der Rechtschreibprüfung intensiver auftreten.

Laut Bertelsmann (Gütersloh) übernimmt die Arvato-Tochter wissenmedia GmbH die Marke Brockhaus voraussichtlich zum 1. Februar 2009. Mit der Übernahme stelle wissenmedia den Fortbestand der Verlagsmarke Brockhaus sicher. Diese zähle mit einem Bekanntheitsgrad von mehr als 93 Prozent zu den bekanntesten in Deutschland.

Plänen, die Brockhaus-Inhalte künftig nur noch im Internet zu vermarkten, erteilte aber auch der Geschäftsführer der wissenmedia GmbH, Christoph Hünermann, eine Absage. "Sowohl gedruckte Lexika als auch Online-Enzyklopädien haben ihren festen Platz in der Zukunft", sagte er. Brockhaus-Nachschlagewerke und auch ein "Großwerk" werde es weiter im Handel geben, außerdem sollten sie international angeboten werden. "Die Marke Brockhaus hat Strahlkraft über die Grenzen hinaus."

Mit den Brockhaus-Inhalten sollen Produkte für unterschiedliche Kundengruppen entstehen. "In dem Bereich Wissen-Nachschlagen-Lernen tut sich eine ganze Menge", erklärte Hünermann. Ein Brockhaus-Lexikon im Internet sei aber nicht geplant, denn wissenmedia habe mit wissen.de bereits ein erfolgreiches Angebot. Noch nicht entschieden sei, ob es eine 22. Auflage der Enzyklopädie geben werde. Die wissenmedia GmbH zählt den Angaben zufolge mit den Marken Bertelsmann Lexikon, Wahrig, Chronik und Atlantica zu den führenden Wissensverlagen in Europa.

Der Mannheimer Brockhaus-Verlag hatte im vergangenen Jahr Millionenverluste geschrieben. Der Geschäftsbericht der Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG weist für 2007 ein Minus von knapp 6,5 Mio. Euro aus. Das minimale Verkaufsziel von 20 000 Exemplaren der 21. Auflage wurde nach Verlagsangaben verfehlt worden. Der Grund: Der klassische Lexikon-Markt bröckelt deutlich und hat sich von Internet-Suchmaschinen wie Wikipedia und Google den Rang ablaufen lassen. "Es ist schwierig, neben kostenlosen Angeboten ein kostenpflichtiges in Buchform zu vertreiben", meint auch Granseyer. Unter anderem bei der Vorbereitung des Online-Angebots war der Verlag nach früherer Auffassung "von der Marktentwicklung überholt" worden.

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