Verlagsgruppe „Jean Frey“
Springer verstärkt sich in der Schweiz

Der Axel Springer Verlag wird neuer Eigentümer der Jean Frey AG, der gemessen am Umsatz zehntgrößten Verlagsgruppe in der Schweiz. Damit übernimmt der größte deutsche Zeitungskonzern populäre Schweizer Titel wie „Beobachter“, „Bilanz“, sowie die Programmzeitschrift TV-Star. Eine wichtige Zeitschrift ist Springer aber vor der Nase weggeschnappt worden.

oli ZÜRICH. Das Geschäft gab Springer am Dienstag bekannt. Die verbliebene 40-Prozent-Beteiligung an der Traditionszeitschrift „Weltwoche“ bekommt der deutsche Medienriese allerdings nicht. Sie wurde im Vorfeld dieser Transaktion an den ehemaligen Chefredakteur der „Welt“, Roger Köppel, veräußerst, der nun alleiniger Besitzer der „Weltwoche“ ist.

Die Übernahme der Jean Frey-Gruppe, die 2005 nach Angaben des Verbands der Schweizer Presse einen beschiedenen Gewinn von rund 4 Mill. Euro erzielte, war seit Monaten Thema in der Branche. Als Interessenten wurden immer wieder die gut verdienenden Schweizer Medienhäuser Tamedia, Ringier und der deutsche Axel Springer Verlag genannt.

Ringier hatte bereits vor fünf Jahren Interesse an dem Verlag gezeigt und auch mit dem damaligen Besitzer einen Vorvertrag geschlossen. In letzter Minute ging der Jean Frey-Verlag damals jedoch an die Privatbank Swissfirst, die wiederum wenig später ihre Beteiligung an den Tessiner Finanzinvestor Titto Tettamanti veräußerte.

Tettamanti, der in der Schweiz wegen zahlreicher Firmenkäufe eine schillernde Figur ist, hat in den vergangenen Jahren die Medien der Jean Frey-Gruppe nicht ohne Erfolg als Sprachrohr benutzt. Finanziell dürfte sein Engagement aber weniger von Erfolg gekrönt gewesen sein. Mitarbeiter verweisen auf hohe Nebenkosten, die der Konzern allein für ein Gebäude zahlt, das er mit seinen 300 Beschäftigten nur zur Hälfte nutzen kann. Der Gewinn des Konzerns dürfte vor allem aus den Erlösen des „Beobachters“ stammen, der zu den erfolgreichsten Zeitschriften des Landes zählt. Die „Bilanz“ ist, so hieß es aus Kreisen des Verwaltungsrats, auf einem guten Weg.

Mit Wirkung zum 1. Januar übernimmt Axel Springer nun 99,5 Prozent des Aktienkapitals der Jean Frey AG vom bisherigen Hauptaktionär Tettamanti. Der vereinbarte Kaufpreis beruht auf einem Unternehmenswert von umgerechnet knapp 90 Mill. Euro. Springer will den verbleibenden Kleinaktionären des an der Nebenbörse in Luzern notierten Unternehmens ein Übernahmeangebot unterbreiten.

In der Schweiz gehört Springer bereits die Verlagsgruppe Handelszeitung mit den Titeln „Handelszeitung“, „Stocks“, „TV Digital Schweiz“ und sechs Fachzeitschriften. Mittelfristig plant Springer nach eigenen Angaben, beide Schweizer Verlagshäuser zusammenzuführen.

Beobachter rechnen damit, dass die Zahl der Titel kleiner wird. Neben den Fernsehzeitschriften dürften vor allem die beiden Wirtschaftstitel „Bilanz“ und „Stocks“ bald miteinander verschmelzen. Der bisherige Chef bei Jean Frey, der ehemalige TV-Moderator und FDP-Politiker Filippo Leutenegger, scheidet Ende des Jahres aus dem Unternehmen aus.

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