Verlagsgruppe rechnet 2005 mit rückläufigem Umsatz und Ertrag - Sorge um geplante Tiefdruck-Fusion
Bauer-Verlag will Preiskämpfe aufgeben

Das Preisdumping in diesem Segment sei aus Heinz Bauers Sicht „eine völlige Fehlentwicklung, die bereits zu einer enormen Belastung des gesamten Zeitschriftenmarktes“ geführt hat. So schädige die aggressive Preispolitik nachhaltig das „Ansehen und die Qualität“ der Magazine.

HAMBURG. Der Bauer Verlag zieht deshalb die Notbremse: Vergangene Woche hatte Europas größter Zeitschriftenkonzern den Niedrigpreis für den neuen Titel „Alles für die Frau“ von 30 Cent aufgegeben und auf 60 Cent erhöht. Dabei reagiert Bauer auch auf die Konkurrenz: Burda hatte zuvor den Preis für den neuen Titel „Frau im Trend“ auf 60 Cent verdoppelt, ebenso hob der Springer Verlag den Preis des Magazins „Frau von heute“ bereits nach der ersten Ausgabe auf 60 Cent an.

Dass der Verlag keinen Wert auf ausgedehnte Preisschlachten legt, ist verständlich. Denn der deutsche Zeitschriftenmarkt bleibt weiterhin angespannt. „Wir rechnen für 2005 mit einem stagnierenden bis rückläufigen deutschen Zeitschriftenmarkt“, sagt Bauer. Grund hierfür sei die anhaltende Konsumzurückhaltung. Der Verleger geht deshalb davon aus, dass Umsatz und Ertrag im nächsten Jahr zurückgehen. „Das Ergebnis wird sich 2005 weiter abschwächen“, sagt Bauer. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Außenumsatz um 1,2 Prozent auf 1,66 Mrd. Euro sinken. Zahlenangaben zur Ertragslage macht der Verleger traditionell nicht.

Um künftig weiter zu wachsen, denken die Hamburger über neue Zeitschriften nach. Dabei hat Bauer vor allem den inländischen Markt im Visier. So prüft das Printhaus, ob sich das in den USA wöchentlich erscheinende People-Magazin „In Touch Weekly“ auf den deutschen Markt übertragen lässt. „Wir werden uns das sicherlich anschauen“, sagt Bauer-Geschäftsführer Günter Sell. Er strebt mit dem Lifestyle-Magazin bis Jahresende die Auflagenmillion in den USA an. Im ersten Halbjahr 2004 hat Bauer bereits 730 000 Exemplare verkauft.

Auch in China plant der Verlagschef, eine neue Zeitschrift auf den Markt zu bringen. Dort ist das Printunternehmen bereits mit der Frauenzeitschrift „Du Shi Li Ren“ vertreten, die eine Auflage von 500 000 Exemplaren verkauft. „Unsere Zeitschrift ist eine gute Basis für die weitere Expansion auf dem chinesischen Markt“, sagt Bauer. Es sei allerdings schwierig, in China eine entprechende Lizenz für ein neues Magazin zu erhalten.

Mit Sorge betrachtet der Verleger die geplanten Fusion der Tiefdruckereien zwischen dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der Bertelsmann-Tochter Arvato sowie dem Axel Springer Verlag. Zwar geht Bauer davon aus, dass die EU-Kommission die Verschmelzung der Druckereien genehmigen werde. Doch es sei fraglich, ob die Brüsseler Wettbewerbsbehörde bei der kartellrechtlichen Prüfung den relevanten Markt betrachte. Denn die Genehmigung ist laut Bauer im wesentlichen davon abhängig, „wie groß die EU-Kommission das Marktumfeld definiert“, sagt Bauer. Nähere Angaben wollte der Verleger hierzu nicht machen.

Die Kommission will bis zum 9. Dezember entscheiden, ob sie für den neuen Druckriesen grünes Licht gibt. Springer, G + J und Arvato wollen in Europa ein neues Tiefdruckunternehmen mit mehr als 5 000 Mitarbeitern schaffen.

Bauer betonte zudem, dass der Verlag mit seinen eigenen Tiefdruckereien gut aufgestellt sei. Er werde sich nicht an andere Druckunternehmen anlehnen. Das Zeitschriftenhaus hatte erst vor kurzem in Polen seine Tiefdruckerei erweitert und das Druckzentrum in Köln modernisiert.

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