Verlagsverkauf
Finanzinvestor EQT übernimmt Springer Science

Nach monatelanger Suche steht der schwedische Investor EQT als Käufer für den Fachverlag Springer Science + Business fest. Mit einem Gesamtvolumen inklusive Schulden von rund 2,3 Milliarden Euro ist der Deal die größte Übernahme eines Finanzinvestors in Deutschland – und ein Signal für Entspannung in der kriselnden Private-Equity-Branche.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Finanzinvestoren Cinven und Candover haben nach monatelanger Suche doch noch einen Käufer für den Berliner Fach- und Wissenschaftsverlag Springer Science + Business (Ärzte-Zeitung, Gabler) gefunden. Die schwedische Beteiligungsfirma EQT erwirbt zusammen mit Singapurs Staatsfonds GIC die frühere Verlagstochter des Medienkonzerns Bertelsmann.

Springer Science ist nach Reed Elsevier der weltweit zweitgrößte Wissenschaftsverlag. Zum Konzern gehören 60 Verlage in etwa 20 Ländern, die 880 Millionen Euro umsetzen.

EQT kennt den deutschen Medienmarkt. Zum Portfolio der Skandinavier gehört beispielsweise Kabel Baden-Württemberg, der drittgrößte Kabelkonzern.

In der Private-Equity-Branche enspannt sich die Lage

Mit einem Gesamtvolumen inklusive Schulden von rund 2,3 Milliarden Euro ist die Übernahme die mit Abstand größte Übernahme eines Finanzinvestors in Deutschland. Sie ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Lage in der kriselnden Private-Equity-Branche entspannt.

EQT soll zusammen mit seinem Partner zwischen 100 und 150 Millionen Euro gezahlt haben. Das berichten Finanzkreise. Rund eine halbe Milliarde Euro fließe in die Entschuldung des Verlages. Offenbar drohte Springer Science demnächst die Kreditbedingungen zu brechen. Nach Unternehmensangaben ist mit dem Kauf auch der Abbau sämtlicher Schulden verbunden

Cinven und Candover hatten einen Schuldenberg von 2,2 Milliarden Euro angehäuft. Der Finanzinvestor EQT hat 82 Prozent der Anteile erworben. Der Rest liegt bei den Investoren aus Singapur.

EQT ist bei Springer Science reiner Eigenkapitallieferant

Die Übernahme ist ein weiterer Beleg dafür, dass das klassische Modell von Finanzinvestoren immer seltener funktioniert. Eigentlich setzt Private Equity darauf, einen Großteil des Kaufpreises über Schulden zu finanzieren und so den eigenen Einsatz zu hebeln.

Weil Springer Science aber mit rund 2,2 Milliarden Euro hochverschuldet ist, fungiert der Käufer EQT praktisch als reiner Eigenkapitallieferant und hilft, das Unternehmen zu entschulden. „Das Unternehmen per se ist gut, aber die Verschuldung war einfach zu hoch“, sagte ein Branchenkenner. „Wir werden solche Transaktionen künftig noch häufiger sehen.“

Die Alteigentümer, Cinven und der krisengeschüttelte Fonds Candover, dürften dennoch einen guten Schnitt machen. Cinven selbst bezifferte am Freitag die interne Rendite des Investments auf 29 Prozent jährlich. Der Grund: Beide Fonds hielten das Unternehmen sechs Jahre lang und genehmigten sich in dieser Zeit mehrfach Sonderausschüttungen. Ihren Einsatz hatten sie damit mehrfach zurück.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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