Verleger DuMont
Befleckte Familienehre

Alfred Neven DuMont ist einer der größten Verleger Deutschlands. Mit dem „Express“, dem „Stadt-Anzeiger“ und der „Kölnischen Rundschau“ stieg er zu den reichsten Persönlichkeiten im Land auf. Dass die Familie Neven DuMont in der Nazizeit arisierte Grundstücke gekauft haben soll, passt nicht zum liberalen Bild der Verlegerdynastie.

KÖLN. So lange ist es gar nicht her, da pflegte die Zentralredaktion des „Kölner Stadt-Anzeigers“ den eigenen Ruf, zu den wirklich bedeutenden Tagespublikationen dieses Landes zu zählen. In der Mittagskonferenz wagte man, sich in der Zentrale gelegentlich gar mit der „Süddeutschen Zeitung“ zu vergleichen. Dieses Selbstverständnis mag in den jüngst verflossenen Krisenjahren gelitten haben, doch erstaunlich ist es immer noch, die Verwandlung einer bis heute selbstbewussten Redaktion zu beobachten an den seltenen Tagen, da sich der Herausgeber dort persönlich die Ehre gibt. Dann geht es in der gläsernen Zentrale des „Stadt-Anzeigers“, die natürlich den Namen der Familie trägt, nachgerade andächtig zu.

Alfred Neven DuMont ist trotz seiner 78 Jahre bis heute eine eindrucksvolle Erscheinung, groß, mit vollem Haar, von stets gesunder Gesichtsfarbe und dabei so elegant, dass man Mühe hat, sich ihn im Kölner Karneval vorzustellen. Alfred Neven DuMont hat mindestens einen Roman verfasst, er sammelt, wie es sich in seinen Kreisen gehört, moderne Kunst, sein Großvater mütterlicherseits war der Münchener Malerfürst Lenbach. Als Stifter und Mäzen hat er sich in seiner Heimat die Ehrenbürgerwürde verdient. Vor allem aber ist Alfred Neven DuMont Verleger.

Früh schon, mit 28, übernahm er im Familiengeschäft Verantwortung. Auf seine Initiative geht die Gründung der rheinischen Boulevardzeitung „Express“ zurück. Er machte den „Stadt-Anzeiger“ groß, längst hat er sich auch den einstigen Erzrivalen, die „Kölnische Rundschau“, einverleibt. So ist Neven DuMont als einer der großen Verleger der Bundesrepublik auch ein sehr vermögender Mann geworden, in der Liste der reichsten Deutschen des „Manager-Magazins“ rangiert er mit geschätzten 750 Millionen Euro auf Platz 101.

Von seinem Sohn Konstantin, der seit gut einem Jahr, dem Vater gleich, einen kräftigen Schnauzbart sein Eigen nennt, heißt es, er solle einmal das Erbe fortführen. Das wäre dann die siebte Generation von Verlegern, die den Namen DuMont trägt – womit wir mitten in der Geschichte einer großen Kölner Familie und damit einem spannenden Stück deutscher Geschichte stecken.

Mit Empörung hat Alfred Neven DuMont vor gut zwei Wochen zuerst im „Spiegel“ und dann in der „Bild“-Zeitung nachlesen dürfen, dass seine Eltern während des Nationalsozialismus von der „Arisierung“ jüdischer Grundstücke profitiert haben sollen. Dass beide Artikel mit einem Foto des Verlegers bebildert waren, der zum Zeitpunkt dieser Grundstücksgeschäfte gerade elf Jahre alt war, machte aus Empörung Entsetzen.

Seite 1:

Befleckte Familienehre

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%