Verlust fällt höher aus als erwartet
Tochter Qimonda belastet Infineon

Der Halbleiterkonzern Infineon ist im vergangenen Geschäftsjahr wegen der Verluste seiner Speicherchiptochter Qimonda noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht und hat die Analystenerwartungen nicht erfüllen können. Doch an der Börse gibt es eine überraschende Reaktion.

HB MÜNCHEN. Inklusive der Verluste von Qimonda sei der Fehlbetrag 2006/07 im Konzern um 100 Mill. Euro auf 368 Mill. gestiegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 300 Mill. Euro gerechnet. Der Umsatz ging um drei Prozent auf 7,7 Mrd. Euro zurück.

Allein im letzten Quartal des Geschäftsjahres musste Infineon unter dem Strich einen Fehlbetrag von 280 Millionen Euro hinnehmen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Verlust von 218 Millionen Euro gerechnet. Vor Steuern und Zinsen und ohne Qimonda habe der Verlust lediglich 25 Millionen Euro betragen, teilte Infineon mit.

Die Tochter Qimonda, von der sich Konzernchef Wolfgang Ziebart so schnell wie möglich restlos trennen will, belastete Infineon doppelt: Zum einen brachte die von einer Marktkrise gebeutelte Speicherchiptochter im gesamten Geschäftsjahr einen operativen Verlust von 216 Mill. Euro ein, zum anderen drückten Kosten für die Trennung von Qimonda-Papieren die Bilanz. Nach der Aktienplatzierung und der Emission einer Umtauschanleihe musste Infineon über 80 Mill. Euro auf die Anteile der Tochter abschreiben.

Den Betriebsverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Kerngeschäft ohne Qimonda reduzierte Infineon hingegen auf 49 Mill. Euro von 217 Mill. im Vorjahr. Vor allem das lange Zeit schleppende Geschäft mit Chips für die Telekommunikation gewann nach Plan an Fahrt. Im seit Anfang Oktober laufenden ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres werde der Bereich Com die Gewinnschwelle erreichen, bekräftigte das Unternehmen. Auch das Mobilfunkgeschäft, in dem Infineon zuletzt zahlreiche neue Kunden gewann, werde dann einen Betriebsgewinn abwerfen.

Bis zum Jahr 2010 peilt Konzernchef Ziebart eine Ebit-Marge für Infineon ohne Qimonda von zehn Prozent an. Der Auto- und Industriechipsektor (AIM) erreichte im vergangenen Quartal ein Betriebsergebnis von 98 Mill. Euro und damit bereits eine operative Rendite von zwölf Prozent.

Die Gegenwart schätzt Infineon allerdings noch skeptisch ein. Trotz eines Umsatzschubs des Bereichs Com werde das Betriebsergebnis im laufenden Quartal bei stagnierenden Umsätzen schrumpfen. Das Segment AIM leide unter dem schwachen Dollar und einem schwächeren Markt für Industriechips.

An der Börse legte die Infineon-Aktie trotz der Zahlen kräftig zu und stieg am Morgen zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 9,74 Euro. Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg loben das starke Kerngeschäft. „Insbesondere Umsatz und Ebit des Bereichs AIM lagen dank einer hohen Nachfrage in der Chipkarten-Sparte über unseren Prognosen“, urteilt Analyst Michael Busse. Der Verlust in der Kommunikations-Sparte Com habe sich erwartungsgemäß verringert und dürfte dank des weiteren Wachstums beim Absatzes von Mobiltelefonplattformen im laufenden Quartal die Rentabilität erreichen. Busse rät zu „Halten“. Sein Kursziel lautet 12 Euro.

Auch Analyst Bernd Laux von Cheuvreux hebt den etwas besser ausgefallenen Umsatz sowie das Ergebnis in dem Segment AIM positiv hervor. In seiner vorsichtigen Einschätzung sieht er sich bestätigt. Er hat das Papier mit „Underperform“ bei einem Kursziel von 10 Euro eingestuft. Seine Erwartungen waren bereits niedrig angesetzt und wurden daher weitgehend erreicht. „Die Steuerbelastung und die Verluste aus den Qimonda-Aktienverkäufen haben das Nettoergebnis stark belastet.“

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