Verlust
Infineon verpatzt zweites Viertel

Gesunkene Chippreise und der Konzernumbau haben Infineon das Zwischenergebnis verhagelt. Der Halbleiterkonzern hat im zweiten Quartal 2006/2007 sogar einen Verlust eingefahren. Ohne die erst kürzlich ausgelagerte Speicherchip-Tochter Qimonda wäre der sogar noch höher ausgefallen.

HB/der MÜNCHEN. Der Fehlbetrag in den Monaten Januar bis März habe 11 Mill. Euro betragen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem Gewinn von 39 Mill. Euro gerechnet. Im Vorquartal hatte das Unternehmen sogar noch einen Gewinn von 120 Mio EUR ausgewiesen. Das operative Ergebnis (Ebit) hat seit dem Weihnachtsquartal um mehr als drei Viertel auf 49 Mill. Euro abgenommen. Im Vorquartal hatte das Unternehmen noch – vor allem getrieben von einem hohen operativen Ergebnisbeitrag Qimondas – 216 Mil. Euro ausgewiesen. Der Umsatz des Konzerns hat knapp 2 Mrd. Euro betragen und ist damit gegenüber dem Vorquartal um 8 Prozent zurückgegangen.

Für den Quartalsverlust seien vor allem Restrukturierungskosten und Abschreibungen verantwortlich, hieß es. Rund 20 Mill. Euro müsse Infineon alleine für die Verkleinerung seiner Produktion im französischen Essonnes ausgeben. Dort betreibt Infineon zusammen mit IBM das Gemeinschaftsunternehmen Altis, will aber in den nächsten Jahren aussteigen. Die Kosten fielen für eine Modernisierung des Werkes und den bereits früher angekündigten Abbau von 320 der insgesamt 2 000 Stellen an. Zudem habe Infineon für 35 Mill. Euro an Vermögensgegenständen abgeschrieben. Was genau in dem Berichtszeitraum so viel an Wert verlor, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.

Von einer Enttäuschung sprechen Händler. Der Konzern habe die Erwartungen in weiten Teilen verfehlt, heißt es. Bei Chip-Herstellern schauen Anleger und Analysten wegen der teilweise hohen Volatilität des Geschäfts vornehmlich auf den Vergleich zum Vorquartal und nicht, wie etwa bei Industrieunternehmen üblich, auf den Vorjahresvergleich.

Qimonda hilft Infineon

Infineon hatte Qimonda im vergangenen Jahr verselbständigt und an die Börse gebracht, hält aber noch die Mehrheit. Infineon konzentriert sich auf so genannte Logikchips, die Steuerungsaufgaben wahrnehmen, etwa in Mobiltelefonen oder Autos. Qimonda dagegen stellt Speicherchips her, wie sie vor allem in Computern eingesetzt werden. Dieses Geschäft gilt als sehr schwankend.

Qimonda hatte seine Zahlen am Vortag präsentiert. Auch die Tochter spürt derzeit den enormen Preisdruck in der Branche und die Dollar-Schwäche, hat aber Gewinn gemacht. Unter dem Strich erwirtschaftete Qimonda einen Überschuss von 57 Mill. Euro. In den vorangegangenen drei Monaten war der Gewinn mit 177 Mill. Euro allerdings noch gut drei Mal so hoch. Das Ebit bei 85 Mill. Euro. Der Umsatz ging von 1,17 Mrd. auf 984 Mill. Euro zurück.

Zuversicht

Für das laufende Quartal und das Gesamtjahr gab sich Konzernchef Wolfgang Ziebart zuversichtlich. Ohne die Ergebnisse der Speicherchiptochter Qimonda werde sich der Umsatz im laufenden Quartal vor allem aufgrund steigender Einnahmen aus der Telekommunikationschip-Sparte erhöhen, hieß es. „Das Ebit ohne Berücksichtigung von Qimonda und vor Sonderaufwendungen sollte sich ebenfalls verbessern, da die Verluste im Segment Kommunikationslösungen voraussichtlich geringer ausfallen werden“, teilte Infineon mit. „Für Infineon ohne Qimonda streben wir im Geschäftsjahr 2007 mindestens ein ausgeglichenes Ebit an und für das Geschäftsjahr 2009 eine Ebit-Marge von 10 Prozent“, erklärte Ziebart. „Im Geschäftsjahr 2008 sollten wir uns auf einem guten Weg befinden, dieses Ziel zu erreichen.“

Die lange defizitäre Com-Sparte werde vom Beginn der Massenfertigung für verschiedene neue Kunden profitieren und wie vorgesehen im vierten Quartal des Kalenderjahres die schwarzen Zahlen erreichen. Infineon hat mit der insolventen BenQ Mobile seinen wichtigsten Kunden verloren, hatte aber zuletzt mehrere neue Aufträge von Handyherstellern gewonnen, darunter von der finnischen Nokia. Es gilt zudem als offenes Geheimnis, dass die Münchener Teile für das Multimedia-Handy iPhone des US-Herstellers Apple liefern. Der Apparat soll demnächst in den USA auf den Markt kommen.

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