Verluste bei Nintendo
Starke Marke im Teufelskreis

Super Mario im freien Fall: Trotz bekannter Videospiel-Franchises türmen sich die Verluste beim japanischen Branchenriesen Nintendo. Der Konzern wirkt ratlos – vor der Spielemesse E3 ein fatales Signal an die Partner.
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New YorkEs sind nur noch wenige Wochen bis zur E3 in Los Angeles, der größten Messe für Computer- und Videospiele. Und die Signale, die Nintendo an die Tausenden Spieleentwickler aussendet, die sich im Juni in Kalifornien versammeln werden, sind nicht gerade vertrauensbildend. Der Verkauf der Hardware ist massiv unter Druck, das Software-Geschäft läuft nicht so gut wie erhofft. Präsident Satoru Iwata hat noch immer keine Antwort auf die Herausforderung durch Smartphones und Tablets gefunden, die den Gamingmarkt an sich reißen.

Im ersten Quartal 2014, dem vierten Quartal von Nintendos Geschäftsjahr,  türmte sich ein Nettoverlust von umgerechnet 329 Millionen Dollar auf. Das gesamte Finanzjahr zum 31. März zeigt einen Nettoverlust von 456 Millionen Dollar. Gegen die neuen Konsolen von Microsoft und vor allem Sony hat Nintendos Wohnzimmerkonsole Wii U keine Chance mehr. Analyst Amir Anvarzadeh von BCG Partners bringt es schnörkellos auf den Punkt: „Die Wii U ist tot, das weiß jeder, und die 3DS wird völlig vom Casual Gaming kannibalisiert.“ Die 3DS ist Nintendos tragbare Videokonsole, die sich gegen iPhone, iPad und Co behaupten muss.

In Zahlen sieht das Desaster wie folgt aus: Von der Flaggschiff-Spielekonsole Wii U wurden nur noch 2,7 Millionen im ganzen Finanzjahr verkauft. Im Vorjahr waren es noch 3,45 Millionen.  Das muss vor dem Hintergrund einer ursprünglichen Prognose für 2013 von neun Millionen Stück gesehen werden. Da läuft etwas schief. Sony hat solche Stückzahlen von seiner Playstation 4 innerhalb der ersten Wochen verkauft.

Von der tragbaren Konsole DS gingen insgesamt im Jahr 12,2 Millionen über die Ladentheke. Allerdings ist es auch hier ein Rückgang gegenüber 2012, wo es noch 14 Millionen Stück. Als Stütze erwiesen sich die Verkäufe der Software für die Konsole 3DS mit ihrem 3-D-Bildschirm. Der Umsatz sprang kräftig von 36 Millionen auf 68 Millionen Dollar.   

Starke Markennamen geben Hoffnung

Im laufenden Jahr erwartet Präsident Satoru Iwata eine leichte Erholung, wenn neue Spiele für die Konsolen verfügbar sein werden wie das beliebte Rennspiel Mario Kart 8. Rund 20 Millionen verkaufte Softwarepakete für die Wii U ist seine Prognose. Der Verkauf der 3DS-Konsole soll sich bei stabilen zwölf Millionen Stück einpendeln. Das Nettoergebnis werde sich um 25 Prozent erholen.

Analysten sind da skeptisch, was solche Prognosen angeht. Zu oft hatte sie Iwata hinterher wieder korrigieren müssen.  Auf der E3 in Los Angeles hätte er die Chance, vor allem die Spieleentwickler  vom Gegenteil zu überzeugen. Nur wenn sie überzeugt sind, dass die Hardware aus den Regalen fliegt, sind sie bereit neue Software dafür zu schreiben. Nintendo hat einige der stärksten Markennamen der Industrie so wie Super Mario, Donkey Kong oder Zelda. Aber da sich Iwata standhaft weigert, seine Spiele auf anderen Geräten, speziell Smartphones oder Tablets anzubieten, hängt er auf Gedeih und Verderb von den Hardware-Verkäufen ab. Ein Teufelskreis. Nintendo ist auf dem Weg der Blackberry der Gamingbranche zu werden. Analysten fordern eine Einstellung der Hardwareproduktion und eine Öffnung der Spiele für starke Plattformen wie Android und iOS.

Doch Iwata zeiht sich in sein Schneckenhaus zurück. Während früher die Nintendo-Präsentationen auf der E3 an legendären Orten wie dem Kodak-Theatre in Hollywood gigantische Spektakel waren, herrscht dieses Jahr Funkstille. Iwata wird nur per Online-Präsentation vorstellen, was es Neues geben wird. Vorausgesetzt, es wird etwas Neues geben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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