Vernetzte Medizin
Pflaster mit Standleitung zum Landarzt

Blutdruck und Herzfrequenz per Smartphone an seinen Arzt schicken – die Messe „Medica“ zeigt, wie die Zukunft der Medizintechnik aussehen könnte. Doch die deutsche Skepsis vor der neuen Technik ist groß.
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DüsseldorfAbhören, abklopfen, abtasten – das war einmal. Einen Teil seiner Patienten checkt Karl-Heinz Krause mittlerweile über seinen Computer. Krause ist Hausarzt in dem Städtchen Goch nahe der niederländischen Grenze. Dort testet die AOK Rheinland und die Telekom, wie die ärztliche Versorgung der Zukunft aussehen könnte. Krause ist einer von zwei Medizinern, die an dem Zukunftsprojekt teilnehmen.

Fünf bis sieben ältere Patienten lassen sich derzeit über das Bildtelefon beraten. Der Landarzt kann über das Netz Rezepte schreiben und Diagnosen stellen – zumindest im kleinen Rahmen. „Den persönlichen Kontakt ersetzt das System natürlich nicht ganz. Aber ich kann vorher abschätzen, ob ich einen Hausbesuch mache oder nicht“, sagt Krause.

Vernetze Versorgung ist das große Zukunftsthema auf der Medizinfachmesse „Medica“ in Düsseldorf. Das Potential der Branche ist enorm: Der gesamte Markt der Medizintechnik wächst nach einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums pro Jahr um rund fünf Prozent. Nach Umsatz landet Deutschland schon heute auf dem zweiten Platz hinter den USA – und vor Japan. Im nächsten Jahr könnte der Gesamtumsatz die Marke von 23 Milliarden Euro knacken, so Jan Wolter vom Fachverband Spectaris. Dafür arbeitet die Branche an weiteren Innovationen.

Eine dieser Innovationen ist ein vernetztes Pflaster. In Zukunft soll es Ärzten wichtige Vitaldaten seiner Patienten digital liefern. Sieben Tage lang sammelt das Pflaster Informationen über Puls, Temperatur, Schlafzeiten und Schrittzahlen seines Trägers. Dann übermittelt es die Daten an ein Smartphone oder einen Computer. Die Firma Medisana aus Neuss hat es gemeinsam mit der Telekom entwickelt.

Das Pflaster ermöglicht in der nächsten Generation, die 2014 auf den Markt kommt, auch die Überwachung der Herzfrequenz per Elektrokardiogramm (EKG). „Bei Langzeit-EKGs muss der Patient bis jetzt aufwendig verkabelt werden“, sagt Dirk Becker, Mitarbeiter der Telekom stolz. Stolz ist allerdings auch der Preis für das Pflaster. Sieben Tage kosten fast 100 Euro. Kosten, die derzeit nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Für die Telekom ist das Geschäft mit der vernetzten Medizin ein Wachstumsmarkt. Während der Umsatz im Brot-und-Butter-Geschäft durch Internet- und Telefonflatrates schrumpft, lassen sich mit der vernetzten Medizin noch Gewinne machen. Das Bonner Unternehmen möchte dabei zum Datenhändler der Zukunft werden – natürlich unter „höchsten Sicherheits- und Verschlüsselungsstandards“, wie Becker sagt. Momentan sei der Umsatz im Geschäftsfeld Gesundheit noch verhältnismäßig gering. „Das kann sich aber bald ändern“, so Becker weiter.

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Pflaster mit Standleitung zum Landarzt

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Krankenhausbett mit Sim-Karte

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  • 2030:
    um bezahlbare Krankenversicherungstarife zu erhalten tragen mittlerweile 90% der Menschen eine MediCare-Einheit.
    2035:
    das Tragen einer MediCare-Einheit wird gesetzlich vorgeschrieben.
    2040:
    ein Journalist, der die europäische Einheitsregierung kritisiert hatte, wird über MediCare ausgeschaltet und Informationen darüber gelangen aufgrund mangelnder Kontrolle kurzzeitig in das Internet.
    Ein Untersuchungsausschuss des transatlantischen Finanzministeriums kommt bereits am nächsten Tag zu dem Ergebnis, dass versehentlich eine Unterfunktion zur Terrorbekämpfung ausgelöst wurde und dass keine Gefahr für die Allgemeinheit besteht.

    So etwas kann in einer Demokratie nicht passieren?

    Ihr werdet euch noch wundern...

  • Vernetzte Medizintechnik

    Und irgendwann gibt es ein Gesetz (vorzugsweise während WM-Spielen verabschiedet, damit es keiner merkt), daß die Sicherheitsbehörden - aus welchem obskuren Grund auch immer - auch darauf jederzeit Zugriff haben.

    Und er deutsche Dumm-Michel läßt es sich gefallen.

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